Als Iranerin in Israel

Auf Stimmensuche in Jerusalem.

Auf Stimmensuche in Jerusalem.

Kann man sein Herz an ein Land verlieren? Wenn man richtige Patrioten fragt, wahrscheinlich ja. Wenn man mich fragt, eher nicht. Ich wurde im Iran geboren, bin in Deutschland aufgewachsen, in zwei Kulturen, mit zwei Sprachen. Ich habe mich nie mit irgendeiner Flagge oder einem Pass identifiziert, sondern immer mit den Menschen, mit dem Leben um mich herum.

Und doch habe ich mein Herz irgendwie verloren. Ausgerechnet an Israel. Das Land, das von meinem Geburtsland Iran nicht einmal als Staat anerkannt wird. Das Land, mit dem der Iran, wo meine gesamte Familie ihre Wurzeln hat, in tiefer Feindschaft verbunden ist, seit die Ayatollahs 1979 die Macht an sich rissen. Und dabei ein ganzes Volk als Geisel nahmen. Das Land, das von der religiösen Elite des Iran nur als Ausgeburt von Zionisten beschimpft wird. Das Land, das den Iran als größte Bedrohung seiner Sicherheit sieht.

„Die perfekte jüdische Schwiegertochter“

Als ich vor einem Jahr beschloss, nach Israel zu reisen, zum ersten Mal, da war es Neugier, die mich trieb. Eine Neugier, was denn besonders sein möge an diesem an Konflikten reichen Land, an dieser von Kriegen gebeutelten Region. Eine Gegend, die vollgepackter mit religiöser Bedeutung und Geschichte nicht sein könnte, für mich, in deren Leben keine Religion irgendeine Rolle spielt.

Mitten in der Nacht kam ich am Flughafen an, raus kam ich erst wieder lang nach Sonnenaufgang. Natürlich wurde ich höflich, aber bestimmt aus der Schlange der Passkontrolle hinausgezogen – wie ich erwartet hatte. Deutscher Pass, Geburtsort “Teheran”. Was für eine Kombination. Eine Deutsche mit iranischen Wurzeln. Nach einer ausgiebigen Befragung stellte die Grenzbeamtin nüchtern fest: “Sie wären eine perfekte jüdische Schwiegertochter.” Spätestens da wusste ich, dass das keine normale Reise werden würde.

Deutsche oder Iranerin?

 Menashe Amir erzählt mir während des Interviews, dass er mein persisches Lieblingsgericht selbst gern und oft zubereitet.

Menashe Amir erzählt mir während des Interviews, dass er mein persisches Lieblingsgericht selbst gern und oft zubereitet.

“Wenn Iraner aus Europa oder den Vereinigten Staaten nach Israel kommen, sagen sie mir, wie sehr sie alles hier an ihre Heimat erinnert: Die Gastfreundschaft der Menschen, die Gerüche, die Wärme, das Essen, ja sogar die Häuser.” Das sagte mir Menashe Amir vor wenigen Wochen. Für das ARD-Studio Tel Aviv machte ich einen Filmbeitrag über iranische Juden in Israel. Ein Jahr nach meiner ersten Reise bin ich nach Israel zurückgekehrt. Diesmal als Volontärin des Bayerischen Rundfunks. Ich interviewte Menashe Amir – der iranisch-israelische Jude ist im Iran eine wahre Radiolegende. Seit mehr als fünfzig Jahren ist er für die Iraner die “Stimme Israels”, er versorgt die Zuhörer mit Nachrichten, was besonders seit 1979 wichtig ist, seit die Presse im Iran noch unfreier ist als zuvor. Menashe Amir drückte mit diesem einen Satz das aus, was ich während meiner ersten Reise in Israel erlebt hatte: Ein Gefühl der Vertrautheit.

Eines hatte ich schon während meiner ersten Reise gelernt: Hier bin ich nicht die Deutsche, sondern die Iranerin (“Germany? You don’t look German!’) Anfangs wollte ich mit meiner iranischen Herkunft kaum herausrücken (Iranerin – raus aus der Schlange) – aber so abschreckend mein Geburtsort an der Grenze war, so willkommen war er für alle anderen Israelis, die ich kennenlernte. Ein Taxifahrer machte mir sogar ganz spontan einen Heiratsantrag (und nahm ihn wieder zurück, als ich hinzufügte, dass ich aber keine Jüdin bin). Meine iranische Herkunft hat die Israelis, die ich kennenlernte, im schlechtesten Fall nicht interessiert. Bei allen anderen bin ich auf offene Herzen gestoßen.

Familie und Tupperschüsseln

Was mich mindestens genau so sehr überraschte: An jeder Ecke entdeckte ich Gemeinsamkeiten mit der iranischen Kultur. Schon die Bemerkung der israelischen Grenzbeamtin, ich sei die perfekte jüdische Schwiegertochter drückt die übertriebene Verehrung von akademischen Titeln aus, der Iraner mindestens so sehr verfallen sind. Dass Ärztin zu sein und dann auch noch Politologin! als Qualifikation für eine perfekte Schwiegertochter völlig ausreicht, würde eine iranische Grenzbeamtin ganz genauso unterschreiben. Überhaupt, Familie: Ich kenne es nur von Iranern, dass junge Menschen eine solch enge Verbindung zu ihrer Familie haben. In Deutschland werde ich komisch angeguckt, wenn ich sage, dass ich jeden Tag mit meinen Eltern telefoniere. Hier werde ich komisch angeguckt, wenn ich sage, dass ich nur alle paar Wochen oder Monate nach Hause fahre. Israelische Mütter verpacken ihre Zuneigung außerdem genauso in Essen wie es iranische Mütter tun. In den Kühlschränken meiner Freunde hier in Israel stapeln sich die Tupperschüsseln von zu Hause.

Interview im persischen Restaurant in Tel Aviv.

Interview im persischen Restaurant in Tel Aviv.

Vielleicht sind das auch nur oberflächliche Dinge. Die Menschen beider Länder fühlen sich von der Welt missverstanden. Zeitungsartikel, Nachrichtenbeiträge, Debatten – der Komplexität der Gesellschaft, der israelischen wie der iranischen, können weder Worte noch Bilder gerecht werden. Vielleicht ist das ein Teil dessen, was sie miteinander verbindet. Auch deswegen war es mir ein Herzensanliegen, den Spuren iranischstämmiger Juden nachzugehen, derer es in Israel viele gibt. Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts haben mehr als 100.000 Juden die sogenannte Aliyah gemacht. Sie sind also aus der jüdischen Diaspora im Iran nach Israel eingewandert. Im Leben der iranischen Israelis ist die iranische Kultur mit israelischen und jüdischen Traditionen verschmolzen.

Was auch immer der Grund ist, dass ich als Iranerin in Israel mit offenen Armen aufgenommen wurde – es lässt mich hoffen, dass sich die Menschen dieser beiden Länder auch in Zukunft vom Hass, der zwischen den Regierungen herrscht, nicht werden anstecken lassen.

Der Konflikt bleibt                                                                                                                                                        

Nichts liegt mir ferner als durch meine eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen die Konflikte, die in Israel herrschen, kleinzureden oder gar zu relativieren. Natürlich nimmt nichts von dem, was mir hier widerfahren ist, dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern die Tragik oder den Schmerz. Wenn man in Israel ist, ist dieser Konflikt allgegenwärtig, selbst dann, wenn er nicht sichtbar ist. Die Bericherstattung über Krieg, Besatzung und Leid ist unentbehrlich und wichtig. Und wird, auch vom ARD-Studio hier in Israel, tagtäglich geleistet. Als Volontärin, die nur kurzzeitig hier war, hatte ich das Privileg, Geschichten erzählen zu dürfen, die es nicht in die tägliche Berichterstattung schaffen. Wie meine eigene. Oder die vom iranischen Radiomoderator. Oder die vom Frauenchor, in dem Muslima, Jüdinnen und Christinnen gemeinsam singen und damit der Gewalt um sie herum trotzen. Ich verlasse Israel mit dem Gefühl, dass es noch viele Geschichten zu erzählen gibt.

Gilda Sahebi, ARD-Mitarbeiterin

 

Iraner und Israelis: Nicht Feinde, sondern Freunde

Offiziell sind die Staaten Israel und Iran verfeindet. Dabei verbindet die beiden Völker viel mehr als sie trennt.

Kaum jemand steht mit seinem Namen und mit seinem Schaffen so für diese Verbindung wie Menashe Amir. Seit mehr als 50 Jahren moderiert der jüdische Israeli iranischer Abstammung eine persischsprachige Radiosendung im israelischen Rundfunk. Seine Sendung ist im Iran weit bekannt: Millionen kennen sie, die ,,Stimme Israels”. Das Besondere: Menschen aus dem Iran kommen in seiner Sendung ebenfalls zu Wort: Seine Telefonleitungen laufen heiß – obwohl es Iranern verboten ist, in Israel anzurufen.

Die iranische Community in Israel ist groß und bunt – auch die israelisch-iranische Sängerin Hanna Jahanforooz will mit Hilfe ihrer Lieder eine Brücke zwischen den Menschen dieser beiden Länder bauen.

Bericht: Gilda Sahebi

 

 

Zeichen aus dem Iran – in Jerusalem!

Eine Ausstellung mit Plakaten grafischer Künstler aus dem Iran, in Israel: undenkbar und doch gerade eröffnet, im Museum für Islamische Kunst in Jerusalem.

Möglich wurde dies, weil es nicht die (Exil-)Iraner sind, die in Israel ausstellen, sondern die ‘Mährische Galerie’ in Brünn/Brno in Tschechien. Aus deren Fundus stammen die Werke. Manche der iranischen Künstler wissen wohl nicht, dass ihre Kunst erstmals in Israel gezeigt wird. Kunst mit Umwegen. Kuratorin Marta Sylvestrová hofft, dass keiner der Künstler im Iran dadurch in Schwierigkeiten gerät.

In Israel ist durchaus Interesse an den Werken aus dem Iran vorhanden: Museumsdirektor Nadim Sheiban sagt, die israelischen Medien hätten schon vor Ausstellungseröffnung häufig nachgefragt. Und dann wurde Sheiban von Spontan-Besuchern gleich mit Fragen gelöchert …

Hier sind einige der ausgestellten Arbeiten zu sehen:    Weiterlesen

 

Israels Blick auf Wahlen in Iran

Raz Zimmt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Tel Aviv Universität und beim progressiven Think Tank Forum for Regional Thinking. Derzeit ist er gefragt in Fernsehstudios und Redaktionen in Israel, um die Bedeutung der Wahlen in Iran zu erklären.

Auf dem Weg zu Channel10 machte er Station im ARD-Studio Tel Aviv. In Deutschland ist er deshalb heute im Radio zu hören. Und einen Teil des Gesprächs im Originalton gibt es hier.

 

 

 

Echte und unechte Helden

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Lange war es ruhig um ihn. Das hat ihm sicherlich nicht gefallen. Doch nun ein medialer Pauckenschlag: Ehud Barak ist zurück. Naja, nicht wirklich. Mit einer Biografie. Seiner Biographie natürlich. “My life’s wars” der knackige Titel. Geschrieben von Ilan Kfir und Danny Dor. Weiterlesen

 

Atomdeal und Strafgerichshof -Israel unter Druck

 

Eiszeit Ende Februar

Schnee

Als hätten sich die Wettergötter abgesprochen: Washington liegt seit Tagen unter einer festen Schneedecke, die Temperaturen unter Null. In Jerusalem, sowie im Norden des Landes, ebenfalls dichter Schneefall,  nach einer Woche starker Sturmböen und heftiger Regenfälle.

Selten genug: Aber in diesem Februar entsprechen die meteorologischen Bedingungen exakt dem Zustand der bilateralen Beziehungen zwischen US-Präsident Obama und Israels Premieminister Netanjahu.

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Bibi kommt – der Kongress tanzt

Netanyahu-bei-KabinettssitzBarak Ravid (twitter@BarakRavid), der ebenso kundige wie fleissige Diplo-Korrespondent  von Haaretz, bleibt bei seinem derzeitigen Hauptthema: Netajnahus Washington-Reise, an der – eine der wenigen Konstanten im politischen Leben des Regierungschefs – er selbstverständlich festhalten wird. Iran, die Gefahr, Pflicht, die Welt aufzurütteln: Man muss sich der aktuellen Jahreszahl vergewissern, um den Nachrichtenwert dieser stets in gleicher Intonation und Intention vorgetragenen Äußerungen Netanjahus festzustellen. Weiterlesen

 

Soll Inspektor Clouseau Iran überwachen?

PM Netanjahu auf dem Weg in sein Büro

In Wien wollen heute US-Außenminister Kerry und sein iranischer Kollege Zarif über den Konflikt um Uran-Anreicherung, Zentrifugen und Raketen beraten. Aber aus Jerusalem ruft einer: “So wird das nichts!” Wenn man sich nur auf neue Inspektionen einigt, wer soll die durchführen, Inspektor Clouseau, fragt Netanjahu im Interview im Sommer.

Den Gag haben wir ihm am Ende nehmen müssen, weil das Gespräch recht lang wurde. Was geblieben ist, ist nicht weniger eindeutig. Weiterlesen

 

Irans Atomprogramm – Eine Illusion?

Der Artikel hat es in sich: Der langjährige Chef der israelischen Atom-Behörde General Uzi Eilam ist überzeugt, dass der Iran weit entfernt von der Entwicklung einer eigenen Atombombe ist. Und dass Israels Premier Netanjahu die Situation nutzt, um mit der Angst vor einem nuklearen Programm seine Politik durchzusetzen. Wahrheit oder politische Spielereien? Eilam arbeitet zur Zeit am Institut für für Studien zur nationalen Sicherheit (INSS). Lesen Sie selbst.

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4517536,00.html