Dies und das und viel Chaos in Nahost

 

Witzig? Hit & Run

Israelis sind schnell dabei, wenn es um Witze in Sachen Gefahr und Bedrohung geht. Die “neue” Bedrohung sind Palästinenser, die mit ihren Autos in Jerusalem in Menschenmengen hineinfahren, um so viele wie möglich zu verletzen oder zu töten. Und was geht sofort im Netz herum: Dieses “Achtung”-Schild. Israelis finden das witzig, versuchen so, mit ihrer Angst umzugehen. Weiterlesen

 

Fußball, Gewalt und Politik

Gewalt auf dem Stadionrasen ist im israelischen Fußball kein neues Phänomen. So, wie sich Gewalt am Mittwochabend im Bloomfield-Stadion von Tel Aviv gezeigt hat, erschreckt sie die meisten Beobachter dennoch.

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Empathie?

Hörerpost. Diese Woche hatte eine Hörerin geschrieben, die den Beitrag über die psychologische Nothilfe für Kinder und Jugendliche in Gaza gehört hatte. Sie zog einen Vergleich zu ihrer Zeit als Kind in Deutschland nach Kriegsende, also nach 1945.

Hier erstmal der Beitrag

Umm-Mohammed

Die Hörerin kam anschließend zu dem Schluss, dass es bei ihr damals keine psycholgische Hilfe gegeben habe. Die Kinder seien zur Schule gegangen und hätten mit angepackt. Also was soll das alles? Weiterlesen

 

Miklós

Neulich erst… ich spazierte am Meer entlang, einfach so, allein. Da sah ich diese Frau, fast 90 Jahre alt, sehr zierlich, aber keineswegs gebrechlich. Eine schöne Frau. Sie saß da auf einer Bank, blinzelte in die Sonne, lächelte verträumt. Just als ich an ihr vorbeiging, öffnete sie die Augen, sah mich an und strahlte. Sprach mich auf Hebräisch an, entschuldigte sich für die Belästigung. Wie ich hieße, woher ich komme, was ich mache. Irritiert aber freundlich fragte ich sie, warum sie das wissen wolle. Ach, wissen sie, sagte sie, sie erinnern mich an meine Jugendliebe, da war ich 17, er war ein fescher junger Mann….  Weiterlesen

 

Langeweile

Ban Ki-Moon war in Gaza. Der UN Generalsekretär hat sich die Zerstörungen dort angeschaut. Gut. Und er hat dann gewichtige Worte gesprochen: “Der Zyklus von Aufbau-Zerstörung, Aufbau-Zerstörung muß durchbrochen werden!” – WOW! We’re impressed. Und berichten darüber. Langeweile pur.

Seien wir doch mal ehrlich: das ewige Gelabere der Politiker geht uns allen doch auf die Nerven. Besonders im Nahen Osten. Manchmal möchte ich einen Bericht für die Tagesschau oder die Tagesthemen machen und einfach mal O-Töne von vor 20, 30 Jahren reinschneiden. Es ist just more of the same. Palästinenser und Israelis sagen immerzu dasselbe, machen nahezu immer dasselbe (mit wenigen Ausnahmen). Es ist manchmal zum Aus-der-Haut-Fahren.

Ich erinnere mich an das Jahr 1993. Damals lebte und arbeitete ich in Jerusalem und war auf einer Demonstration für den Friedensprozess. Weiterlesen

 

Soll Inspektor Clouseau Iran überwachen?

PM Netanjahu auf dem Weg in sein Büro

In Wien wollen heute US-Außenminister Kerry und sein iranischer Kollege Zarif über den Konflikt um Uran-Anreicherung, Zentrifugen und Raketen beraten. Aber aus Jerusalem ruft einer: “So wird das nichts!” Wenn man sich nur auf neue Inspektionen einigt, wer soll die durchführen, Inspektor Clouseau, fragt Netanjahu im Interview im Sommer.

Den Gag haben wir ihm am Ende nehmen müssen, weil das Gespräch recht lang wurde. Was geblieben ist, ist nicht weniger eindeutig. Weiterlesen

 

Tel Aviv meets Istanbul

Von einem Krisengebiet ins nächste: Knapp eine Woche durfte ich die Kollegen in Istanbul unterstützen. Wieder ein Krieg, unter anderen Vorzeichen. Dienstag Nachmittag kam der Auftrag! Schnell habe ich gepackt. Dann ging´s Abends an den Bosporus. Erster Eindruck: Zum Hotel kam ich nur auf Umwegen, da demonstriert wurde. Dem Taxifahrer war´s zu gefährlich. Mittwoch in der Früh ging´s dann sofort los. Nonstop bis Samstag. In der Metropole war die Spannung deutlich zu spüren: Überall Polizei auf den Strassen, viele Sicherheitskräfte in Zivil. Auf dem Shuk begegnet uns ein Mann, der ständig “Gott ist gross. Er soll alle Ungläubigen töten,” schrie. Beklemmend auch die Bilder an der türkisch-syrischen Grenze: Dauerbeschuss, Kämpfe, IS-Kämpfer und untätige türkische Truppen. Und vor allem: Flüchtlinge. Dieser Konflikt wird uns in der ganzen Region noch lange beschäftigen, fürchte ich. Auch in Gaza soll es bereit IS-Zellen geben. Zurück zur Arbeit: Produzieren im Stundentakt, mit einem tollen Team: Das hat Spass gemacht. Und am Sonntag blieb auch etwas Zeit um Stadt anzuschauen. Früh zu Fuss los, dann Bosporus Schifffahrt. Aufällig: Viele Graffitis mit antiisraelischen Parolen. Auch das beklemmend, irgendwie. Israel und die Türkei hatten ja einmal eine strategische Allianz, vorbei die Zeiten. Präsident Erdogan ist ein Förderer der Hamas, seit dem Marama Zwischenfall 2010 ist das Verhältnis belastet (Damals griffen israelische Soldaten eine türkische Gaza-Flotille an, es gab Tote). Am Samstag Nachmittag gings ab in den Flieger. Und zurück nach Tel Aviv. In einem supervollen Flugzeug mit vielen türkischen Grossfamilien.

 

Verletzt in Gaza

In Kairo war Gaza-Geberkonferenz. Zusagen über 4,3 Milliarden Euro für den Wiederaufbau nach dem Krieg in diesem Sommer sind zusammenkommen.

In Gaza geht das Beiseiteschieben von Trümmern nur langsam voran. Das kann man auf den Straßen sehen. Was man nicht auf Anhieb sieht, sind die vielen Verletzten dieses Kriegs. Deshalb hier Passagen eines Gesprächs mit dem palästinensischen Arzt Ghassan Abu Sitta, das am 5. August in Gaza-Stadt entstanden ist, also noch vor Inkrafttreten der aktuellen Waffenruhe.

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Abu Sitta ist plastischer Chirurg und lebt in Beirut. Für knapp zwei Wochen hat er während des Gaza-Kriegs im Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt gearbeitet, im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation – wie schon in den beiden vorangegangenen Gaza-Kriegen. Erfahrung mit Kriegsverletzungen hat Abu Sitta, denn er behandelt in der libanesischen Hauptstadt immer wieder Verletzte aus dem Irak oder aus Syrien.

Zu dem Zeitpunkt Anfang August hat Ghassan jeden Tag fünf oder sechs Kriegsopfer operiert. Klar war für ihn: 80 Prozent von ihnen werden den Rest ihres Lebens mit Behinderungen leben müssen.     Weiterlesen

 

Manal schreibt über den Gaza-Krieg

“Wie oft müssen wir sterben, um das Leben davon zu überzeugen, dass wir es wert sind, zu leben?”, fragt Manal Miqdad in einem der Gedichte, die sie im Gaza-Krieg diesen Sommer geschrieben hat. Die junge Palästinenserin kann ein wenig verständlicher machen,  wie die Menschen in Gaza diese 50 Tage Krieg überlebt haben.