Melancholie und Stolz

Am Fuße des Wolkenkratzers der Ministerien in Tel Aviv sitzt regelmäßig ein Mann mit seiner Mundharmonika. Während des morgendlichen Berufsverkehrs spielt er Weisen, die bei den eilenden Menschen gut ankommen. Mit dem Mikrofon am Instrument und einem Lautsprecher schafft er es, gegen den Lärm der Straße anzuspielen. Am Vorabend des Gedenktages für die gefallenen Soldaten blies er noch traurigere Melodien als sonst in die Mundharmonika. Aber auch seinen Stolz als Israeli läßt er alle erkennen. Vor jedem, der ihm mit barer Münze dankt, verbeugt sich der Mann mit dem Hut.

 

 

Jom Hazikaron, Jom Haatzmaut und der Warschauer Ghettoaufstand

Tel Aviv morgens - hier war nichts
Tel Aviv morgens – hier war nichts, Quelle: BR

  Tel Aviv ist zwar jetzt schon über 100 Jahre alt – was ja für eine Stadt wahrlich kein Alter ist – aber wenn ich morgens die Sonne über Tel Aviv aufgehen sehe, dann denke ich mir immer wieder: Wow – hier war mal nichts, absolut nichts. Und das ist nicht lange her. Drei, vier Generationen erst….

Und dann denke ich, wie jung Israel ist – Am Donnerstag wird Israel 64 Jahre “alt”. Der Judenstaat ist noch nicht mal im Rentenalter!
Letzte Woche habe ich hier ein Blog gepostet zum Jom Hashoah, dem Holocaust-Gedenktag. Und heute ist Jom Hazikaron, der Gedenktag für die gefallenen israelischen Soldaten aus allen Kriegen. Im Augenblick sind es 22 993 Soldaten, die seit 1860 gefallen sind. Seit 1860? Ja, denn seitdem – so rechnet der Staat – gibt es bereits zionistische Pioniere im Land, die ihr Leben gaben, um als Juden in Eretz Israel zu leben und hier einen Staat, bzw. zunächst eine jüdische Gemeinschaft, den Jishuv, aufzubauen. Im vergangenen Jahr sind 126 Soldaten gefallen. Eine Zahl, die in den internationalen Medien meistens nicht auftaucht. So ist der heutige Tag ein Trauertag. Und morgen dann ist ein Freudentag – Jom Haatzmaut, der Tag der Unabhängigkeit des Staates Israel.