Sommer, Strand, Tel Aviv 1980 – Ein Besuch bei Rami Meiri

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Rami Meiri ist der gute Geist Tel Avivs. An jeder Straßenecke kannst du ein Bild von ihm entdecken. Sein erstes Wandbild durfte er am “Gordon”-Strand malen: Szenen, die aus dem Tel Aviv Anfang der 80er Jahre erzählen. Ganz in der Nähe hat Rami sein Atelier, dort habe ich ihn besucht.

Rami erzählt, dass er eigentlich nur mit Kreide malen durfte. Er hat dann doch weiße und schwarze Farbe genommen und ein Jahr lang die Betonmauer bemalt. Seitdem haben die Winterstürme die Bilder immer wieder abgeschliffen, Rami hat sie immer wieder erneuert. Dieses Wandbild und viele andere gehören einfach zur Stadt dazu.

Nicht nur in Tel Aviv, in ganz Israel, in Europa und Südamerika hat Rami Meiri gemalt. In Kassel hat er mal eine Schule verschönert, in Köln ein Wohnhaus. Mit solchen Aufträgen hält er sich über Wasser, wie auch mit seinem Buch, das er gerade fertiggestellt hat. Darin sind seine bekannten und viele versteckte Wandgemälde zu sehen. Erst gestern habe ich einen neuen “Meiri” entdeckt, zwischen Einkaufszentrum und Parkhaus: Dort hat er Leute mit Einkaufstüten auf die graue Wand gemalt.

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Die Menschen sind weg, die Geigen klingen weiter

Amnon Weinstein ist Geigenbauer. In seiner Werkstatt in Tel Aviv ist er allerdings vor allem damit beschäftigt, alte Geigen zu restaurieren. Geigen für Erwachsene, kleinere für Kinder. Hunderte Geigen hängen von der Decke. Wenn man in seine Kellerwerkstatt kommt, kann man gleich die unterschiedlichen Holz-Arten riechen.

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Israels Filmemacher, die Kulturministerin und die Besatzung

Israel ist eine Demokratie. Darauf pochen die Filmemacher und wehren sich gegen Einmischung und Zensur. Aber Kulturministerin Limor Livnat ist der Meinung, dass der Staat keine kritischen Filme mehr unterstützen sollte.

 

Stereotypen & Rassismus: Palästinenser in israelischen Schulbüchern

03.12.2012/ ARD-Studio Tel Aviv, 07:00/ Peter Kapern

 

Warm anziehen für den Winter

Es ist schwül in Tel Aviv wie im Mai, Juni, Juli, August, September. Ein T-Shirt reicht aus, auch am Abend. In Jerusalem ziehen sie abends schon Jacken an, um sich nicht zu erkälten. Tel Aviv feiert den ewigen Sommer. Klimaanlagen kühlen Wohn- und Geschäftsräume wie üblich auf 18 Grad und weniger. Einige Bäume auf dem Rothschild-Boulevard werden schon mal auf den milden Winter vorbereitet.

Ein unbekannter Künstler hat für ein paar Bäume Maßanzüge gestrickt und sie vorzeitig angepaßt.  Nun geht es den israelischen Bäumen wie deutschen Hunden im Winter, die von Frauchen ein Mäntelchen verpaßt bekommen.

Wie die typischen Tel Aviver Ficus-Bäume das wohl finden? Wir werden sehen, wie sie schwitzend durch den Sommer und gewärmt durch den Winter kommen. Jedenfalls sind sie jetzt schick wie die Menschen auf dem Boulevard.

 

Couchsurfing Tel Aviv

Eine Couch, ein Gast, ein Rucksack. Rechte: dpa

Es gibt Touren, die tauchen in keinem Reiseführer auf. Lieblingsplätze, von denen noch nie jemand zuvor gehört hat. Und ein Streitgespräch über Politik scheuen die meisten Hotel-Portiers. Wer aber das alles sucht, muss in Tel Aviv auf die Couch.

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Erinnern an die “Kindertransporte” von 1938/39

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Der Berliner Kaufhaus-Besitzer Wilfrid Israel war der Drahtzieher hinter den “Kindertransporten” von 1938/39. Er rettete 10 000 jüdische Kinder kurz vor Kriegsbeginn aus Nazi-Deutschland. Im Juni 1943 kam er bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Zu den Kindern, die Wilfrid Israel gerettet hat, gehörte Frank Meisler. Der heute 83jährige Künstler reiste Ende August 1939 von Danzig nach London und überlebte. Mit seinen Skulpturen in Berlin, Danzig, Rotterdam und London erinnert er an die Rettung der jüdischen Kinder – auch seiner selbst. Meisler erhielt am 29. März in Tel Aviv vom deutschen Botschafter in Israel, Andreas Michaelis, das Bundesverdienstkreuz.

Im Audio geht es um die Lebensgeschichten von Frank Meisler und Wilfrid Israel. Das Video bietet einen Einblick in Frank Meislers Galerie in der Altstadt von Jaffa bei Tel Aviv.

 

Madonna ganz friedlich.

 Madonnas Tourneeauftakt. Rechte: ap

Es soll Madonna-Fans geben, die sich vor dem Auftritt der Popdiva in Tel Aviv an den israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu gewandt hatten. Sie forderten, die Regierung möge einen militärischen Angriff auf Irans Atomanlagen auf die Zeit nach dem Tourauftakt verschieben.

Die Diva erklärte kurzerhand ihre gesamte Show zu einem Friedenskonzert. Und während sie im ersten Drittel des perfekten Trips die Bühne mit großer Feuerkraft selbst befriedete (der finische Kollege neben mir sagte, dass sei unheimlich kraftvoll), holte sie in der Mitte der Show zur großen Geste aus.  

Das ausgewählte Bild und die Worte passen nicht ganz zusammen. Geben aber einen Eindruck wieder. Also Augen zu und durch.  

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Schock in der Fußgängerzone

Fußball und Auschwitz. Bild: BR

Durch die Mamilla-Fußgängerzone in West-Jerusalem kann man normalerweise ganz ruhig schlendern. Es herrscht eine entspannte Stimmung, fernab vom Autoverkehr. Vor ein paar Tagen aber wurde ich von diesem Anblick aufgeschreckt: König Fußball thronte mitten in der Einkaufsstraße, sorgsam mit einer Absperrung umgeben. Daran wäre eigentlich nichts auszusetzen, denn in ein paar Tagen beginnt die Fußball-Europameisterschaft, und offenbar wollen die Ladenbesitzer ihre Kunden darauf einstimmen.

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Das Tempelmodell des Conrad Schick

Conrad Schick war ein württtembergischer Archäologe und Architekt. Er lebte und wirkte ein halbes Jahrhundert in Jerusalem – bis zu seinem Tod im Jahr 1901. Schick war an der Planung der Stadt beteiligt und erforschte die heiligen Stätten, unter anderem den Tempelberg oder Haram al Sharif und die Grabeskirche. Er baute auch ein geniales Tempelmodell. Es verfügt über bewegliche Bauteile. Mit Hilfe von Schicks Modell läßt sich die Baugeschichte des Tempels erklären. Sie reicht vom Salomonischen über den nachexilischen bis hin zum Herodianischen Tempel zur Zeit Jesu. Seit einer Woche ist das Tempelmodell des Conrad Schick im deutsch-katholischen Paulus-Haus in Ost-Jerusalem zu besichtigen, außerdem eine neue Ausstellung über Schick von den Historikern Michael Schäbitz und Stephan Mock.