Gegen das Leugnen!

Muhammad Dajani hat eine sehr ungewöhnliche Biographie. Einst war er ein Radikaler, Mitglied in der Fatah Jassir Arafats, dann begann er nachzudenken, umzudenken. Nun ist er ein Brückenbauer, setzt sich für Frieden und Versöhnung ein. Auch wenn er dafür oft angefeindet wird. Mit jungen Palästinensern hat Dajani das KZ Auschwitz besucht.

 

Als Iranerin in Israel

Auf Stimmensuche in Jerusalem.

Auf Stimmensuche in Jerusalem.

Kann man sein Herz an ein Land verlieren? Wenn man richtige Patrioten fragt, wahrscheinlich ja. Wenn man mich fragt, eher nicht. Ich wurde im Iran geboren, bin in Deutschland aufgewachsen, in zwei Kulturen, mit zwei Sprachen. Ich habe mich nie mit irgendeiner Flagge oder einem Pass identifiziert, sondern immer mit den Menschen, mit dem Leben um mich herum.

Und doch habe ich mein Herz irgendwie verloren. Ausgerechnet an Israel. Das Land, das von meinem Geburtsland Iran nicht einmal als Staat anerkannt wird. Das Land, mit dem der Iran, wo meine gesamte Familie ihre Wurzeln hat, in tiefer Feindschaft verbunden ist, seit die Ayatollahs 1979 die Macht an sich rissen. Und dabei ein ganzes Volk als Geisel nahmen. Das Land, das von der religiösen Elite des Iran nur als Ausgeburt von Zionisten beschimpft wird. Das Land, das den Iran als größte Bedrohung seiner Sicherheit sieht.

„Die perfekte jüdische Schwiegertochter“

Als ich vor einem Jahr beschloss, nach Israel zu reisen, zum ersten Mal, da war es Neugier, die mich trieb. Eine Neugier, was denn besonders sein möge an diesem an Konflikten reichen Land, an dieser von Kriegen gebeutelten Region. Eine Gegend, die vollgepackter mit religiöser Bedeutung und Geschichte nicht sein könnte, für mich, in deren Leben keine Religion irgendeine Rolle spielt.

Mitten in der Nacht kam ich am Flughafen an, raus kam ich erst wieder lang nach Sonnenaufgang. Natürlich wurde ich höflich, aber bestimmt aus der Schlange der Passkontrolle hinausgezogen – wie ich erwartet hatte. Deutscher Pass, Geburtsort “Teheran”. Was für eine Kombination. Eine Deutsche mit iranischen Wurzeln. Nach einer ausgiebigen Befragung stellte die Grenzbeamtin nüchtern fest: “Sie wären eine perfekte jüdische Schwiegertochter.” Spätestens da wusste ich, dass das keine normale Reise werden würde.

Deutsche oder Iranerin?

 Menashe Amir erzählt mir während des Interviews, dass er mein persisches Lieblingsgericht selbst gern und oft zubereitet.

Menashe Amir erzählt mir während des Interviews, dass er mein persisches Lieblingsgericht selbst gern und oft zubereitet.

“Wenn Iraner aus Europa oder den Vereinigten Staaten nach Israel kommen, sagen sie mir, wie sehr sie alles hier an ihre Heimat erinnert: Die Gastfreundschaft der Menschen, die Gerüche, die Wärme, das Essen, ja sogar die Häuser.” Das sagte mir Menashe Amir vor wenigen Wochen. Für das ARD-Studio Tel Aviv machte ich einen Filmbeitrag über iranische Juden in Israel. Ein Jahr nach meiner ersten Reise bin ich nach Israel zurückgekehrt. Diesmal als Volontärin des Bayerischen Rundfunks. Ich interviewte Menashe Amir – der iranisch-israelische Jude ist im Iran eine wahre Radiolegende. Seit mehr als fünfzig Jahren ist er für die Iraner die “Stimme Israels”, er versorgt die Zuhörer mit Nachrichten, was besonders seit 1979 wichtig ist, seit die Presse im Iran noch unfreier ist als zuvor. Menashe Amir drückte mit diesem einen Satz das aus, was ich während meiner ersten Reise in Israel erlebt hatte: Ein Gefühl der Vertrautheit.

Eines hatte ich schon während meiner ersten Reise gelernt: Hier bin ich nicht die Deutsche, sondern die Iranerin (“Germany? You don’t look German!’) Anfangs wollte ich mit meiner iranischen Herkunft kaum herausrücken (Iranerin – raus aus der Schlange) – aber so abschreckend mein Geburtsort an der Grenze war, so willkommen war er für alle anderen Israelis, die ich kennenlernte. Ein Taxifahrer machte mir sogar ganz spontan einen Heiratsantrag (und nahm ihn wieder zurück, als ich hinzufügte, dass ich aber keine Jüdin bin). Meine iranische Herkunft hat die Israelis, die ich kennenlernte, im schlechtesten Fall nicht interessiert. Bei allen anderen bin ich auf offene Herzen gestoßen.

Familie und Tupperschüsseln

Was mich mindestens genau so sehr überraschte: An jeder Ecke entdeckte ich Gemeinsamkeiten mit der iranischen Kultur. Schon die Bemerkung der israelischen Grenzbeamtin, ich sei die perfekte jüdische Schwiegertochter drückt die übertriebene Verehrung von akademischen Titeln aus, der Iraner mindestens so sehr verfallen sind. Dass Ärztin zu sein und dann auch noch Politologin! als Qualifikation für eine perfekte Schwiegertochter völlig ausreicht, würde eine iranische Grenzbeamtin ganz genauso unterschreiben. Überhaupt, Familie: Ich kenne es nur von Iranern, dass junge Menschen eine solch enge Verbindung zu ihrer Familie haben. In Deutschland werde ich komisch angeguckt, wenn ich sage, dass ich jeden Tag mit meinen Eltern telefoniere. Hier werde ich komisch angeguckt, wenn ich sage, dass ich nur alle paar Wochen oder Monate nach Hause fahre. Israelische Mütter verpacken ihre Zuneigung außerdem genauso in Essen wie es iranische Mütter tun. In den Kühlschränken meiner Freunde hier in Israel stapeln sich die Tupperschüsseln von zu Hause.

Interview im persischen Restaurant in Tel Aviv.

Interview im persischen Restaurant in Tel Aviv.

Vielleicht sind das auch nur oberflächliche Dinge. Die Menschen beider Länder fühlen sich von der Welt missverstanden. Zeitungsartikel, Nachrichtenbeiträge, Debatten – der Komplexität der Gesellschaft, der israelischen wie der iranischen, können weder Worte noch Bilder gerecht werden. Vielleicht ist das ein Teil dessen, was sie miteinander verbindet. Auch deswegen war es mir ein Herzensanliegen, den Spuren iranischstämmiger Juden nachzugehen, derer es in Israel viele gibt. Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts haben mehr als 100.000 Juden die sogenannte Aliyah gemacht. Sie sind also aus der jüdischen Diaspora im Iran nach Israel eingewandert. Im Leben der iranischen Israelis ist die iranische Kultur mit israelischen und jüdischen Traditionen verschmolzen.

Was auch immer der Grund ist, dass ich als Iranerin in Israel mit offenen Armen aufgenommen wurde – es lässt mich hoffen, dass sich die Menschen dieser beiden Länder auch in Zukunft vom Hass, der zwischen den Regierungen herrscht, nicht werden anstecken lassen.

Der Konflikt bleibt                                                                                                                                                        

Nichts liegt mir ferner als durch meine eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen die Konflikte, die in Israel herrschen, kleinzureden oder gar zu relativieren. Natürlich nimmt nichts von dem, was mir hier widerfahren ist, dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern die Tragik oder den Schmerz. Wenn man in Israel ist, ist dieser Konflikt allgegenwärtig, selbst dann, wenn er nicht sichtbar ist. Die Bericherstattung über Krieg, Besatzung und Leid ist unentbehrlich und wichtig. Und wird, auch vom ARD-Studio hier in Israel, tagtäglich geleistet. Als Volontärin, die nur kurzzeitig hier war, hatte ich das Privileg, Geschichten erzählen zu dürfen, die es nicht in die tägliche Berichterstattung schaffen. Wie meine eigene. Oder die vom iranischen Radiomoderator. Oder die vom Frauenchor, in dem Muslima, Jüdinnen und Christinnen gemeinsam singen und damit der Gewalt um sie herum trotzen. Ich verlasse Israel mit dem Gefühl, dass es noch viele Geschichten zu erzählen gibt.

Gilda Sahebi, ARD-Mitarbeiterin

 

Im Gesang vereint

Frieden im Nahen Osten, Frieden zwischen Israelis und Palästinensern – er bleibt unerreicht. Vor einigen Jahren beschlossen Mika Danny und Idan Toledano, ihren eigenen Frieden im Kleinen zu schaffen. Sie gründeten einen Chor, in dem muslimische, jüdische und christliche Frauen gemeinsam singen. Inzwischen sind die Sängerinnen des Rana-Chors einander wie Schwestern – und trotzen mit ihrem Gesang dem Hass, der um sie herum herrscht.

Gilda Sahebi, ARD-Mitarbeiterin

 

Herlinde Koelbl und die “Gesichter Jerusalems”

Herlinde Koelbl, die fast schon legendäre Porträt-Fotografin, hat 40 Menschen aus Jerusalem interviewt und abgelichtet. Zum 50-jährigen Jubiläum der Jerusalem-Foundation, gegründet von Teddy Kollek, wurde am Wochenende die Ausstellung in der Heiligen Stadt eröffnet.

 

“Unsere Hoffnung für die Zukunft” – Eine jüdisch-arabische Schule

Eine Erfolgsgeschichte. Seit 13 Jahren. Die Gesher al Awadi Schule in Kfar Qara, einem arabischen Dorf in der Mitte von Israel. Mittlerweile lernen hier 300 arabische und jüdische Schüler. Und es sind viele Freundschaften entstanden, weit über die Schule hinaus. Wir waren am ersten Schultag dort.

 

Als Mönch in Jerusalem

Mönch, Pfarrer, Philosoph und Benediktiner in Jerusalem: Pater Nikodemus Schnabel hat ein sehr launiges Buch über das Leben im Heilgen Land geschrieben.

 

Vom Feind zum Freund – Interview mit Israel Pecht

Er ist einer der Gründungsväter der deutsch-israelischen Wissenschaftsbeziehungen: Israel Pecht, Professor am legendären Weizman-Institut. Zusammen mit meiner Kollegin Nicola Albrecht vom ZDF habe ich ihn  für eine Sondersendung des  3SAT-Magazins Nano (Mittwoch, 13.05, 6:30pm) interviewt. Hier die Langfassung.

 

Frieden möglich?! – Eine Vision der Hoffnung

Die hat zumindest Jitzack Herzog, der Vorsitzende der Arbeitspartei, der Awoda. In Jerusalem hat er zum Pressegespräch geladen. Und versuchte sich als Versöhner zu positionieren. Verbindlich im Ton, aber hart in der Sache: Jetzt sei  ein “einmalige Gelegenheit Frieden zu schließen”, die Regierung Netanjahu stehe für eine “Politik der Angst und Einschüchterung” und Naftalie Bennet betreibe eine Kampagne die “realitätsfremd ” sei. Das Ziel Herzogs: Netanjahu ablösen oder zumindest eine mitte-links Regierung bilden. Ein Bericht und ein Porträt.

 

Syrische Verletzte – In Israel

Sie liegen in einem kleinen Zimmer im Western Galilea Hospital in Naharija im Norden Israels. Schwer Verwundete aus dem syrischen Bürgerkrieg. Dem einen fehlen ein Arm und ein Bein, dem anderen ist der Kiefer weggeschossen worden. Erst nach einer langen Diskussion ist der eine bereit uns ein Interview zu geben. Verdeckt. Denn sie haben Angst erkannt zu werden. Denn in Syrien gilt Israel oft noch als der Feind.  Falls man erkannt wird könnten bei der Rückkehr Strafen und sogar der Tod drohen. Es sind keine einfachen Deharbeiten für die NDR-Weltbilder (Sendetermin vermutlich 15.10., ab 23:30 NDR). Vor allem als uns der Arzt Dr. Eyal Sela mit in den Operationsaal nimmt. Der Kiefer muss sofort operiert werden. Kein schöner Anblick. Aber Alltag hier. In drei israelischen Krankenhäusern werden syrische Verwundete behandelt. Doch wie kommen die Verletzten da hin? Das sagt man uns nicht. Nur soviel: Der Transport wird von der israelischen Armee über den Golan organisiert.  Und die Behandlung in den Krankenhäusern von Israel bezahlt. Nach der Genesung werden die Syrer zurückgebracht, egal ob es Männer, Frauen oder Kinder sind.

Die Ärzte und das Klinikpersonal geben ihr Bestes. Religion und Politik ist ihnen egal.  Hier arbeiten Israelis,  Araber und Drusen ohne Probleme zusammen. Das erklärt uns auch Dr. Masad Barhoum, der als erster israelischer Araber, das Krankenhaus in Naharija leitet. “Es ist keine Frage der Ehre, sondern es ist unsere moralische Pflicht zu helfen, ein kleiner Tropfen auf dem heissen Stein” sagt er uns am Ende des Interviews. Und auch der Arzt und Chirug Eyal Selal meint am Ende der Operation: “Bevor man Waffen nach Syrien liefern sollte,  wäre es wichtiger medizinische Unterstützung zu liefern. Dann erst sollten größere Entscheidungen fallen.”

 

 

Von Gaza nach Münster

Nor

Ich will Ihnen heute die Geschichte von Nor Abu Khater erzählen. Mein Kollege Peter Münch von der Süddeutschen Zeitung und ich haben Nor vor etwa einem Jahr kennengelernt. Beide haben wir über ihre traurige Geschichte berichtet. Seitdem ist der Kontakt nicht mehr abgerissen. Und nun planen wir Nor einen Wunsch zu erfüllen von dem sie seit über eine Jahrzehnt träumt. Diese Geschichte und die Schwierigkeiten die damit verbunden sind will ich Ihnen heute erzählen. Weiterlesen