Merkel aus Bild geschnitten. Aber warum?

Ausschnitt aus "HaMevaser" ohne Merkel Foto: haaretz.com

Die Suche nach einer Erklärung für das Verschwinden der Bundeskanzlerin beginnt in Bnei Brak, in der Werbeschule für ultraorthodoxe Studenten. Noam hat dort gelernt. Für ultraorthodoxe Juden haben Kampagnen ihre ganz eigenen Gesetze. Sie müssen auf die Abbildung von Frauen verzichten – selbst bei Shampoo-Reklame. Weiterlesen
 

Terror-Attacke in Tel Aviv

Heute ganz früh am Morgen: Ich bin dem Weg in unser ARD-Studio. Wir wollten  auf den Golan fahren, über Situation dort nach dem israelischen Luftangriff auf iranische und libanesischen Kämpfer berichten. Doch dann geht nichts mehr: Strassen sind abgesperrt, überall heulen Sirenen. Panisch laufen Menschen über den Highway. Mitten in Tel Aviv hat ein Attentäter Menschen niedergestochen. In der Buslinie 40. Ich sehe Menschen auf der Strasse liegen, die von Sanitätern behandelt werden. Ein Mann wird stark blutend auf einer Bahre vorbei geschoben. Viele fürchten jetzt, dass es wieder eine Welle von Terror-Attacken gibt. Diesmal von Einzeltätern.

 

Bloß nicht entschuldigen

bennettNatürlich, es geht immer ums Ganze im Wahlkampf. “In was für einem Land wollen wir leben?”, fragt auch Naftali Bennett, Chef der nationalistischen Siedlerpartei “Jüdisches Heim”. Er will die Israelis vor die Wahl stellen: In einem Land, das stolz ist. Oder in einem Land, das sich ständig entschuldigt.     Weiterlesen

 

Erlebnisse eines Israel-Korrespondenten

Ein Dorf in der Nähe von Salzburg. Weihnachten in der Heimat.  So ein richtiges Weihnachten: Kalt, Christbaum, Mette in der Nacht. Wunderschön. Aber dann: Glühwein an der Bar nach der Kirche. Nette Gespräche. Eine riesige Gruppe aus dem Westen Deutschland macht sich breit. Anscheinend immer hier. Man unterhält sich. Ich erzähle irgendwann, dass ich in Israel arbeite. Betretenes Schweigen, die Stimmung kippt. Dann fragt einer: “Sind Sie etwa Jude.”  Das wars dann für mich. Der zweite Glühwein wurde auf dem Zimmer getrunken.

Wenige Tage später. Zurück in Tel Aviv. Es ist Schabbath. So gegen sechs Uhr. Sauwetter. Einladung bei einem guten Freund in der Shenkin Strasse. Vorher noch kurz in den Supermarkt. Eine letzte Besorgung. Da gehe immer hin. Die Besitzerin ist eine nette alte Damen. Plötzlich kommen drei Haredim, religiöse Juden vorbei, ziemlich aufgeregt. Zornig. “Was seid Ihr für Juden” schreien sie. “Ihr entehrt den Schabbath”. Dann sind sie schnell wieder weg.

Mitte Oktober. Flüchtlingslager Shuafath. Im Osten Jerusalem. Krawalle. Und wir sind mittendrin. Wir versuchen von der einen Seite, hinter die Sperranlage zu kommen. Um die steinewerfenden palästinensischen Jugendlichen zu filmen. Mein Kameramann, die Producerin und ich springen in einen Kleinbus.  Draußen brennen Reifen, Tränengasschwaden liegen in der Luft. Auch hier, im Bus, kippt die Stimmung: “Ihr seid doch israelische Spione, haut ab” rufen uns einige Frauen zornig entgegen. Dank unserer palästinensischen Producerin gelingt es so gerade die Menschen zu beruhigen.

 

 

Der Feind in meinem Bus – eine Multimediareportage

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Ein Hahn kräht. Eine schwarze Straßenkatze huscht vorbei. Sonst ist es still und dunkel im palästinensischen Dorf Kufr Al Dik, wenn der Familienvater Attah Saleh aufwacht. Um vier Uhr in der Früh muss er aufstehen, damit er es bis halb neun zur Arbeit in Tel Aviv schafft. Täglich. Der Grund: Ein Checkpoint liegt auf seinem Arbeitsweg. Da muss er erst einmal durch.     Weiterlesen

 

Furcht vor dem Terror – Auswandern oder bleiben?

Nach Aussagen des Chefs der Jewish Agency Natan Sharansky erwartet Israel dieses Jahr bis zu 15.000 Neueinwanderer aus Frankreich. Mehr als doppelt so viel wie 2014. und das fünffache von 2013.Was sind die Gründe? Einige Erklärungen in meinem Tagesthemen -Stück vom Montag Abend.

 

Flucht und enttäuschte Hoffnung rund ums Mittelmeer

Syrische-Frau-in-Libanon

Einen Tag vor Silvester waren es rund 770 Flüchtlinge an Bord der “Blue Sky M”, am Neujahrstag dann 450 Männer, Frauen und Kinder an Bord der “Ezadeen”: Ausgesetzt auf dem Mittelmeer von skrupellosen Schleppern, auf der Flucht vor dem Krieg in Syrien.

blueskymWährend die europäische Politik keine Antworten auf die Nöte der Flüchtenden findet, werden wir auch in diesem Jahr über das Schicksal der Menschen berichten, die ihre Heimat verlassen und auf dem Weg nach Europa ihr Leben riskieren müssen.

Flüchtlinge, das Thema beschäftigt die ARD-Hörfunkkorrespondenten rund um das Mittelmeer. Deshalb haben wir Flüchtlingsgeschichten aus Griechenland, Italien, Marokko, Israel und dem Libanon zusammengetragen. Hier alle fünf Hintergrund-Beiträge zum Nachhören:

Montag: Thomas Bormann über syrische Flüchtlinge in Griechenland
ARD-Studio Istanbul

Dienstag: Christian Wagner über afrikanische Flüchtlinge in der Wüste Israels
ARD-Studio Tel Aviv

Mittwoch: Björn Blaschke über syrische Flüchtlinge im Libanon
ARD-Studio Kairo

Donnerstag: Tilmann Kleinjung über die Hoffnungen von Flüchtlingen auf Sizilien
ARD-Studio Rom

Freitag: Alexander Göbel über Flüchtlinge in Marokko
ARD-Studio Rabat

Afrikanische-Flüchtlinge

 

Das Jahr der Entscheidung – Eine Richtungswahl

Vorab: Ihnen allen ein erfolgreiches Neues Jahr! ich hoffe, sie begleiten unseren blog weiter mit so viel Interesse!

Am 17. März wird in Israel schon wieder gewählt. Zum 20. Mal seit Staatsgründung! Und Einer kämpft wieder einmal um sein politisches Überleben: Premierminister Benjamin Netanjahu. Einst als König von Israel bezeichnet, dann politisch angeschlagen, schon abgeschrieben, nun von seinem Likud trotz heftiger innerparteilicher Kritik unangefochten als Spitzenkandidat nominiert. Der Politik-Profi Netanjahu ist ein gewiefter Strippenzieher. Uns ein großer Taktiker, selbst im politischen Haifischbecken  Israel, wo Koalitionen und Loyalitäten schnell entstehen und zerbrechen. Netanjahu hat alles überstanden: Zwei mäßig erfolgreiche Gaza-Kriege, das von ihm zerstörte wichtige Verhältnis zur Obama-Regierung, die fehlenden sozialen Reformen, einige Affären auch. Das mit den Palästinensern nicht einmal mehr über Frieden gesprochen wird geht da fast schon wieder unter. Das ständige Warnen vor der iranischen Bedrohung konnte immer Vieles übertünchen. Netanjahus Bilanz ist bescheiden. Seine Popularität auch (nur 30 Prozent der Bevölkerung unterstützt seine Politik). Dennoch gilt der begnadete Redner Netanjahu wieder als Favorit für das Amt des Premierministers. Seine Partei führt die Umfragen an, mit 24 von 120 Sitzen.  Netanjahus Vorteil ist die Schwäche der zersplitterten Opposition. Die fällt gerade nur durch eine Negativ-Kampagne auf, mit dem Slogan “Alles, nur nicht Bibi”. Und versucht mit Partei-Zusammenschlüssen die inhaltliche Leere zu überbrücken. Der Chef der Arbeitspartei Jitzak Herzog bildet nun ein Bündnis mit der von Netanjahu gefeuerten Justizministerin Zipi Livni. Die Beiden wollen im Amt des Premierministers rotieren. Doch solange der Ex-Finanzminister Yair Lapid, der auch Chef werden will, dem Bündnis nicht beitritt, dürfte es nicht reichen. Auch weil man mit den religiösen und rechten Parteien nicht koalieren will. Sagt man zumindest. Und Netanjahu ist bekannt dafür, das er immer wieder ein Ass aus dem Ärmel ziehen kann. Das hat der rechte Flügel in seiner Partei gerade zu spüren bekommen. Eines ist sicher: Es wird spannend werden in den nächsten beiden Monaten.

 

Drei Rückblicke auf den Sommer 2014

Welche Erlebnisse bleiben vom Jahr 2014? Die Reise mit Netanjahu in die USA war interessant. Der Besuch des Papstes in Jordanien, Palästina und Israel fand viel Interesse. Aber im Rückblick war der Sommer, der Gaza-Krieg bestimmend für unsere Arbeit. Für Israelis und Palästinenser dagegen sind die Folgen der militärische Auseinandersetzung bestimmend für ihr Leben.

Doron Tregermann ist noch einmal zurückgekehrt in den Kibbutz Nahal Oz, in Israel. Dort war wenige Tage vor der endgültigen Feuerpause, Ende August sein Sohn Daniel bei einem palästinensischen Angriff getötet worden. Wie kann das Leben weiter gehen?

Tregermann

Mahmud Al Shafe hat mit seiner Familie das Haus in Beit Lahija, im Gaza-Streifen bei einem israelischen Angriff verloren. Seine Hoffnung: Erdbeeren exportieren nach Europa, um wieder aufzubauen. Warum verkauft er nicht auf dem Markt in Gaza?

Mahmud

Insgesamt hat unsere Arbeit Hörer in Deutschland auch in diesem Jahr bewegt, geärgert oder ratlos gemacht. Die stärksten Reaktionen kamen auf einen Bericht über die junge Palästinenserin Abeer, aus Gaza-Stadt. Abeer hatte bei Angriffen auf Schedschaija in Gaza ihren Elektrorollstuhl verloren. Hörer wollten spontan helfen. Und das hat am Jahresende auch funktioniert.

Abeer

 

Wo Adventssonntag schon am Samstag ist

Eine Kirche in einem alten Fabrikgebäude; Stahlträger und Rolltore. Das Haus in Tel Aviv liegt gleich hinter der Zentralen Busstation. Zur Gemeinde gehören ausschließlich Gastarbeiter.

Gastarbeiter gehören in Israel mittlerweile zur größten christlichen Gemeinschaft. Sie kommen von den Philippinen, aus Indien, Sri Lanka oder aus Afrika. Ihre gemeinsame Sprache in der Kirche ist Hebräisch. Ihre Gottesdienste fallen häufig auf einen Samstag. So war das auch im Advent.

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