Die antisemitischen Europäer? Cathrine Ashton und die toten Kinder

Sind die  Europäer nun Antisemiten oder nicht? Das ist hier in Israel keine Frage mehr des “ob”, sondern nur noch des “wieder” oder des “wie sehr”…

Cathrine Ashton hat diese Diskussion ausgelöst…..

 

Bitte nicht schießen!

Am Strand von Gaza.

Das Dach des Al Mashtal Hotels in Gaza-Stadt. Bild: BR

In Gaza-Stadt hat im vergangenen Jahr ein neues Hotel eröffnet: Das Al Mashtal. Es wird von einer spanischen Hotelkette verwaltet. Eigentümer ist aber ein palästinensischer Millionär und Philanthrop namens Munib Al Masri mit Wohnsitz in Ramallah. Das Hotel ist das edelste im Gaza-Streifen. Die Ausstattung ist üppig und entspricht dem internationalen Fünf-Sterne-Standard. In dem Gasthaus erlebt man die perfekte Illusion. Hier gibt es am Nachmittag Schwarzwälder Kirschtorte zum Kaffee. Dienstbare Kellner lesen dem Gast jeden Wunsch von den Lippen ab. Der Kunde ist König, im wahrsten Sinne, denn es gibt – bei 222 Betten – oft nur einen Gast pro Nacht. Trotzdem wird der Hotelbetrieb aufrecht erhalten. Ein ziemliches Zuschußgeschäft für Herrn al Masri.

Pomp in Gaza.

Die Empfangshalle. Bild: BR

Spätestens als ich auf den Balkon meines Zimmers im achten Stock trete, läßt sich die Illusion vom sorgenlosen Luxusleben mitten in Gaza nicht mehr aufrecht erhalten. Da leuchten mir vom Dach des Eingangsbereichs die Buchstaben “UN” entgegen – und etwas weiter hinten die Lettern “EU” (auf dem Foto nicht zu sehen). Zwei Hubschrauberlandeplätze? Einer für Ban Ki Moon, der andere für Catherine Ashton? Nein. Es ist der Versuch des Hotels, sich gegen Luftangriffe zu schützen und den Piloten der israelischen Armee zu signalisieren: Auf dieses Gebäude bitte keine Rakete abschießen! In dem Hotel finden öfter Veranstaltungen diplomatischer Vertretungen der EU oder von UN-Organisationen statt. Westliche Ausländer, die für diese Organisationen arbeiten, haben in dem Hotel Büros gemietet. Tatsächlich hatte der Eigentümer im Gaza-Krieg im Januar 2009 zwei Raketen-Treffer zu beklagen. Damals war das Hotel allerdings noch nicht in Betrieb.

Es sitzt sich schön im Al Mashtal. Wenn sich Israel und der Islamische Dschihad allerdings gegenseitig angreifen wie in der vergangenen Woche, dann wird es auch im Schutz der Buchstaben “UN” und “EU” ungemütlich. Denn wer weiß, ob sich die israelischen Piloten davon beeindrucken lassen? – Übrigens kann man sich nicht einmal mit einem Glas Bier beruhigen. Das gibt es natürlich nicht im Al Mashtal wie im ganzen Gaza-Streifen. In der Minibar wird Beck’s alkoholfrei offeriert. Oder man schlürft in der Lobby ein gepflegtes Täßchen Pfefferminztee.

Blick von der Terrasse des Hotels. Bild: BR