Obama kommt – Hochsicherheitstrakt Jerusalem

Morgen ist der große Tag: US-Präsident Obama kommt. Und das heißt für uns: Heute die mobilen Schnitteinheiten nach Jerusalem bringen, ab morgen früh dann erste Live-Schalten, ins Hotel ziehen, weil wir zwei Tage in Jerusalem bleiben und von dort auch nach Ramallah gehen. Wenn der amerikanische Präsident kommt – und ich hatte das ja schon 2008 beim Besuch von George W. Bush erlebt – dann wird Jerusalem zum Hochsicherheitstrakt. Mit dem Auto zu fahren – unmöglich, das reine Chaos und man kommt sowieso nicht dorthin, wohin man will. Also zu Fuß, von einem Hotel aus, das in der Nähe ist und ansonsten nur mit unseren Taxifahrern unterwegs sein. Doch diesmal ist alles anders – leider! Denn bei diesem Besuch übernehmen die amerikanischen Security-Leute die Absicherung der Regionen, wo Obama sein wird. Für uns Journalisten, die wir teilweise genau da sein müssen, wird das ein kleiner Alptraum werden. Denn ich kenne den Unterschied zwischen US-Security und israelischer Security. Mit den Israelis kann man an einer Absperrung verhandeln, falls sie einen nicht durchlassen wollen, obwohl man die entsprechenden Akkreditierungen hat, mit US-Personal – no chance! Ich erinner mich vor drei Jahren bei Dreharbeiten in Washington. Wir drehten im Regierungsviertel, hatten dafür natürlich eine spezielle Genehmigung. Also standen wir vor dem Justizministerium und wollten das Gebäude drehen. Da kamen zwei bullige Sicherheitsbeamte und wollten uns vertreiben. Wir zeigten ihnen die Drehgenehmigung, unsere Journalistenausweise, Akkreditierungen – alles. Ergebnis: Es interessiert sie nicht. Sie sagten uns: Ihr dürft hier nicht auf dem Gehsteig sein und drehen. “Wo dürfen wir dann sein, um zu drehen?” “Auf der Straße!”. “Wie? Auf der Fahrbahn? D.h., wenn ich jetzt einen Meter von dem Gehsteig heruntergehe auf die Fahrbahn zwischen die parkenden Autos, dann ist das ok? ” “Yes, Sir!” – lautete die Antwort. Wir schüttelten den Kopf, taten dies aber natürlich. Doch solche “Sturheit” kennen wir aus den USA nur zu gut. Und oft ist es eben so, daß unsinnigste Entscheidungen unsere Arbeit unmöglich machen. Mal sehen also, was dann ab morgen passiert. Aber: Auch die israelische Polizei ist natürlich eingespannt, wird die ganze Stadt großflächig kontrollieren, absperren, sichern. Und gestern durften wir mal einen kurzen Blick auf die Headquarters der elektronischen Sicherung werfen. Das schaut dann so aus:

 

Und jetzt? Bomben auf Natanz und Fordo?

In den letzten Wochen pendelte ich mehrfach zwischen Europa und Israel beruflich hin und her, das ist einerseits lästig, weil ich nicht nonstop in die aktuelle Berichterstattung einsteigen kann, aber andererseits auch wieder mal erhellend, weil man von Europa aus einen anderen Blick auf den Nahen Osten, aber mehr noch auf die Blickweise der Europäer, der Deutschen auf die Region, in der ich lebe, bekommt. Immer wieder interessant die unterschiedlichen Temperamente zu erleben und vor allem: die häufige Unfähigkeit der Europäer, Deutschen, sich auch nur annähernd in die Alltagssituation der Menschen jenseits des Mittelmeers einzufühlen. Nun muß man verteidigend dazu sagen, daß dies ja auch schwer ist, denn es gibt nun schon mehrere Generationen in Deutschland, die Krieg nur noch aus Erzählungen, Filmen und Büchern kennen, die nicht wissen, wie das ist, in einem Restaurant zu sitzen, eine leere, herrenlose Plastiktüte am Nebentisch zu entdecken und befürchten zu müssen, daß sich da eine Bombe darinnen befinden könnte, die nicht wissen, wie das ist, wenn Bomben, Raketen auf die eigenen Städte und Dörfer fallen, die nicht wissen, wie das ist, wenn die Besatzungsarmee nachts plötzlich eine Razzia durchführt und die eigene Wohnung stürmt und und und… Nein, das ist ja auch schwer sich solche Lebenswelten vorzustellen, wenn man sie nicht kennt (wobei es immer so einen Hautgout hat, wenn man den Menschen da unten trotzdem oder gerade deshalb gute Ratschläge zu geben können glaubt…) Weiterlesen

 

85 Prozent für Romney. UPDATE! mit Audio

US-Amerikanerin und Israeli Eve. Rechte: BR

Das ist Eve. Eve hat eine israelische ID und einen US-Pass. Und sie hat bereits gewählt: Romney -  wie wohl beinahe alle in Efrat. Zur Erklärung: Efrat wirkt wie eine amerikanischen Kleinstadt. Es ist aber eine Siedlung südlich von Jerusalem, im von Israel besetzten Westjordanland.

Die Sieldung ist nur ein Beispiel für die gegenwärtige Stimmung. Denn eine Nachwahlbefragung unter US-Amerikanern in Israel hat ergeben, dass 85 Prozent ihre Stimme den Republikanern gegeben haben. Womöglich ist die Entscheidung im Kampf um das Weiße Haus damit schon gefallen. Weiterlesen

 

Interview mit Israels Starjournalistin Dana Weiss

Dana Weiss ist eine der schärfsten und kritischsten Journalistinnen des israelischen Fernsehens. Mit ihr konnte ich über die politische Lage in Israel sprechen….

 

 

Wahlen? Iran! Iran! Iran!

Bin soeben von einem beruflichen Kurztrip aus Europa zurück. Erschreckend zu sehen, welchen Erfolg Neonazis in Griechenland haben, welchen Erfolg wohl Le Pen nun in Frankreich einfahren wird. Sie ist die lachende Dritte nach dem Wahlsieg der Sozialisten: die UMP Sarkozy’s dürfte nun wohl zerfallen. Und wer wird das neuen Sammelbecken der Rechten? Genau! Europa in der Krise: Und vielerorts beginnt der Kontinent zu reagieren wie früher, die Antworten, die “Lösungen”, die angeboten werden, die kennt man schon aus der Vergangenheit! Lernt Europa eigentlich mal was aus seiner Geschichte? Das muss dieser blutgetränkte,  in Teilen rassistische Kontinent jetzt beweisen…

Und während in Paris und Athen und Kiel gewählt wurde, kündigt hier in Jerusalem Netanjahu nun tatsächlich Neuwahlen an. 4. September.

Und es wird im Wahlkampf um soziale Fragen gehen, vor allem. Aber in Wirklichkeit stellen sich hier alle nur eine einzige entscheidende Frage:

Was ist mit Iran? Was will Bibi mit den Wahlen?

Drei Theorien liest und hört man hier:

1. Die Wahlen sind Camouflage für einen Krieg, der für den Sommer geplant ist. Nun wird niemand darüber reden, geschweige denn daran glauben, also kann Bibi in aller Ruhe alles weiter vorbereiten

2. Er läßt sich jetzt ein breites Mandat geben, mit einer möglichen Mitte-Rechts-Koalition, um im Oktober zuzuschlagen, noch vor den US-Wahlen.

3. Er will ein breites Mandat, um nach den US-Wahlen, falls Obama gewinnt, im Notfall allein gegen den Iran vorzugehen. Denn davon sind hier viele überzeugt: in dem Augenblick, in dem Obama die Wahlen gewinnt, wird er den Iran vergessen, wird er Israel fallen lassen und all seine Versprechungen, die er zur Zeit abgibt, werden Null und Nichtig sein. Israel befände sich dann allein in Not und müßte reagieren.

Egal ob eine oder keine dieser Theorien stimmt, die Diskussion zeigt, wie hier allmählich die Nerven blank liegen. Nicht wg. der iranischen Nuklearbedrohung, sondern vielmehr wg. der Ungewißheit, was “Bibibarak” tun werden, denen nun auch von Ex-Premier Olmert verantwortliches Handeln öffentlich abgesprochen wird.

Der bislang größte “Erfolg” Bibis: er hat es geschafft, die Palästinenserfrage von der internationalen Agenda zu nehmen. Nicht einmal Obama spricht noch darüber.  Doch falls er die Wahlen gewinnt…..

More to follow, hier an diesem Ort. Demnächst.

 

 

 

Israelische Kassandras

 

Yuval Diskin - eine israelische Kassandra, Bild: BR
Yuval Diskin – eine israelische Kassandra, Bild: BR

Nun hat auch er zugeschlagen: Yuval Diskin, Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shinbet ( auch “Shabak” genannt) bis 2011, hat am vergangenen Freitag öffentlich vor den “messianischen” Vorstellungen Ehud Baraks und Bibi Netanjahus eindringlich gewarnt! Daß beide eine Angriff auf den Iran planen und diesen eventuell auch durchführen wollen, sei Wahnsinn, unverantwortlich und vor allem: Es würde nicht nur nichts bringen, sondern Israel an den Rand der Katastrophe bringen. Die beiden Männer seien wahrlich nicht die Richtigen, um solche Entscheidungen zu treffen, da sie eben “messianisch” getrieben seien, als von einer “Mission” beseelt, derzufolge sie der Meinung seien, sie und nur sie könnten und müßten das jüdische Volk vor einem zweiten Holocaust bewahren. Damit ist Diskin nun schon der Vierte im Bunde einer Reihe von gewichtigen Sicherheitspersonen, die vor einem Krieg warnen. Schon vor Wochen hat der ehemalige Mossad-Chef Meir Dagan vor solch einem Angriff gewarnt und massiv vor Bibi und Barak gewarnt, letzte Woche hat der aktuelle Generalstabschef der israelischen Armee, Benny Gantz, erklärt, er halte die iranische Führung für rational, er glaube nicht, daß sie eine Bombe bauen werden und es sei für Israel wahrlich kein Kinderspiel, den Iran anzugreifen. Und sein Vorgänger im Amt, Gabi Ashkenasi, hat noch früher klar Position gegen Bibi und Barak bezogen. Und auch Ehud Olmert, Premierminister vor Netanjahu, hat gestern erklärt, daß er gegen einen Angriff sei – was also geschieht hier? Weiterlesen

 

Obama, Netanjahu, Krieg mit Iran – ein Blick hinter unsere Kulissen

Die 1-Million Dollar Frage: Wird Israel Iran angreifen? Und wenn ja, wann? Und wie machen wir dazu Nachrichten? Und was bedeutet das Meeting zwischen Obama und Netanjahu in Washington?