Konsumschlacht und Kaufrausch – geht es an Weihnachten auch ohne?

Weihnachtsbeleuchtung an Wohnhaus am BodenseeKitsch und Konsum gehören zu Weihnachten dazu? Oder werden unter den Geschenkbergen die wahren Werte des Festes vergraben? Das wollten wir gerne wissen. Und klar – die Antworten könnten nicht unterschiedlicher ausfallen.  „Ich brauche das ganze Bling Bling“, gibt Janina Mogendorf zu, und wünscht sich Weihnachten aus dem Bilderbuch. Frank Schäfer dagegen feiert das Fest abseits jeglicher Geschenk-Konventionen. Ein Pro- und ein Contra-Kommentar zum Fest:

„Ich brauche das ganze Bling Bling“

Was sollte man Kitsch und Konsum am Weihnachten schon Positives abgewinnen können? Das eine ist in intellektuellen Kreisen verpönt, das andere wird seit Jahren kritisiert. Beides bestimmt trotzdem ungehemmt die Weihnachtszeit, die – gemessen am Kitsch-Aufkommen in den Läden und den Massenbestellungen bei Amazon – auch immer früher anfängt.

Ich bin ein Kind der 80er und für mich gehören sowohl Kitsch als auch Konsum zu Weihnachten. Ich brauche das ganze Blingbling. Es ist ein erhebendes Gefühl für mich, Ende November die Weihnachtsdeko aus dem Keller zu holen und großzügig in der Wohnung zu verteilen. Mein Mann leidet dabei stumm. Ich trauere dafür im Januar den Lichterketten nach, die die Straßen um Weihnachten in ein besonderes Licht tauchen, und mich mit eichendorffschem Staunen durch die Welt gehen lassen.

Ich brauche Symbolik und Traditionen, erst dann fühlt es sich richtig an. Zum Geburtstag gehört eine Torte und „Happy Birthday“, zu Weihnachten Tannengrün, Glitzerkram und „Driving home for Christmas“. Deswegen vergesse ich den eigentlichen Grund noch lange nicht. Im Gegenteil, das ganze Brimborium macht mir deutlich, was für ein besonderes Fest wir da feiern und was für ein Geschenk die Geburt Christi an uns Menschen ist.

Ja, und dann der Konsum. Glühwein und Plätzchen. Ja und? Im September sind es Wein und Zwiebelkuchen. Konsum sollte das ganze Jahr nachhaltig und bewusst sein, das hängt nicht vom Monat ab. Ja, man zahlt für den Glühwein, man zahlt für die Plätzchen. Aber am Ende des Tages ist das, was zählt, nicht die Rechnung, die der Wirt macht, sondern, dass ich mit Freunden zusammen bin und wir die Hände an unseren Tassen wärmen.

Und wo wir gerade bei Rechnungen sind: klar, die ganzen Geschenke. Alles viel zu teuer, alles lenkt vom Wesentlichen ab. Ist das wirklich so? Worum geht es an Weihnachten? Um Menschen. Gott ist Mensch geworden und hat eine wichtige Botschaft mitgebracht: Liebe Gott und deinen Nächsten.

Das tue ich, wenn ich darüber nachdenke, was ich meiner Familie Gutes tun könnte. Und Gutes tun auch Millionen Menschen, wenn sie an Weihnachten viele Euros spenden. Um sich ein gutes Gewissen zu verschaffen? Mag sein, aber es hilft – oder etwa nicht?

Ich kann Menschen verstehen, die im Advent lieber zur Ruhe kommen möchten. Denen alles zu viel wird, für die der vorweihnachtliche Stress eben nur das ist: Stress und keine Vorfreude. Für diese Menschen gibt es viele Ruhe-Inseln im Trubel: Offene Citykirchen, Adventskalender mit spirituellen Impulsen, das Weihnachtsoratorium.

Klingt nicht schlecht, vielleicht begebe ich mich dieses Jahr auf diesen Nischenmarkt der alternativen Weihnacht. Aber zusätzlich brauche ich Kugeln und Glöckchen, Christmas-Songs und Lebkuchen. Und die Bescherung im Kreise meiner Familie. Ist das nicht auch ein Wert an sich?

Zur Autorin: Janina Mogendorf ist Redakteurin bei katholisch.de.

„Fühl`dich frei nichts zuschenken“

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hat mir Weihnachten keine Freude mehr bereitet. Ich fühlte mich unter Druck, jedem ein Geschenk zu besorgen, von dem ich voraussichtlich auch eines bekommen würde, und ich wollte dabei nicht als knauserig gelten, obwohl ich mir eigentlich gar nicht so viel leisten konnte. Ich wollte niemanden enttäuschen, auch meinen Chef nicht, so dass ich lange bei der Arbeit blieb für den Jahresabschluss und dann gehetzt durch überfüllte Fußgängerzonen rannte, nur um nichts zu finden und mit Panik in den Augen die Tage bis zum 24. runterzuzählen. Am Weihnachtsabend war die Enttäuschung dann vorprogrammiert, da die hektisch getätigten Einkäufe oft nicht die Erwartungen erfüllt hatten. Na toll.

Da mir das Weihnachtsfest aber zu wertvoll war, um seine innewohnende Freude aufzugeben, und weil ich den Drang verspürte, den Unterschied zwischen „Schenken“ und „Tauschen“ wieder erlebbar zu machen, habe ich meiner Familie und meinen Freunden eine gezielte Unverschämtheit zugemutet:  Ich wurde ungerecht. Ich habe einem ein Geschenk für 50 Euro gemacht, dem anderen eines für 10 Cent. Ich habe wieder angefangen zu basteln, zu malen, Fotos zu machen und mir Gutscheine auszudenken, die meistens nur ideellen, aber keinen bezifferbaren Wert hatten. Ich habe Figuren aus Getränkedosen, Fotoalben aus Flohmarktbüchern und Weihnachtskarten aus Pizzakartons gemacht, weil ich mein gesamtes Weihnachtsbudget für ein einziges Geschenk verblasen hatte. Und ich habe mir sogar das Recht herausgenommen, Menschen etwas zu schenken, von denen ich nichts bekam und mich beschenken zu lassen, ohne das Geschenk zu erwidern. Das war erst einmal ein Schock für alle.

Inzwischen hat sich meine Verwandtschaft aber daran gewöhnt und fängt schon genauso an. Wer keine Zeit zum Geschenke besorgen hat, der lässt es eben bleiben und hat dafür am Weihnachtsabend gute Laune. Wer wenig oder kein Geld hat, verschenkt eben witzige Kleinigkeiten oder beginnt einen Wettbewerb um das sinnbefreiteste Utensil unter 5€ auf dem Gabentisch. Wer viel verschenken möchte, erzeugt keinen Zwang zur Reaktion beim Beschenkten; Tante und Oma dürfen sich voll ausleben, ohne schlechte Gewissen zu erzeugen! Und wer viel bekommt, kann sich von Herzen freuen, auch wenn er selbst nichts verschenkt hat. Keiner schenkt mehr, um etwas zu bekommen, sondern jeder schenkt nur noch um etwas zu verschenken! Das einzelne Geschenk wird persönlicher und wichtiger, weil der Berg an Überflüssigem schrumpft. Die Kinder können plötzlich genauso tolle Geschenke wie die Erwachsenen machen. Es fühlt sich alles wieder wie schenken an.  Weihnachten wird wieder erlebbar! Und ich glaube, meine Familie ist mir sogar ein wenig dankbar, dass ich uns vom Zwang der Schenkerei befreit habe.

Also fühl dich frei! Denn du bist es. Mach lieber einem Menschen am Weihnachtsbaum eine richtige kleine Freude als allen Menschen eine Pseudofreude! Wenn du die Menschen um dich herum liebst, dann brauchst du ihnen nichts zu schenken – und wenn du sie nicht liebst, dann doch erst recht nicht. Nimm dir das Recht, Erwartungen zu enttäuschen! Denn du hast es. Und vor allem hast du es verdient, dein Weihnachten zu genießen, ohne Zwang und Geschenkepreisvergleich. Es ist erst mal ein wenig anstrengend, aber zumindest in meiner Familie hat es sich gelohnt. In diesem Sinne: frohes Fest!

Zum Autor: Frank Schäfer ist Mitglied der „Jesus Freaks“, einer freikirchlich-charismatischen Gruppe, die sich in Deutschland in eigenständigen Gemeinden organisiert.

 

Ein Kommentar

  1. avatar
    vera 22. Dezember 2013 at 20:58 .

    Ich habe vor kurzem eine Taufe miterlebt und mir bei den Geschenken für den Täufling wirklich viele Gedanken gemacht und in den unterschiedlichsten Geschäften doch recht teure Geschenke gekauft. Wirklich sehr feine Geschenke (lederne Babyschühchen mit Namen „Birdy“ (Assoziationen zum „Heiligen Geist“ nicht ausgeschlossen), ein Rosenkranz aus einem Spezialatelier aus der Schweiz etc.)
    Natürlich schreibt man auch eine Karte. Irgendwie erwischte ich eine sehr schöne, die aber ganze zehn leere Seiten enthielt… das war aber ein Versehen. Und nun musste ich die Seiten füllen. Was nun schreiben?
    Ich machte mir viele Gedanken – Brainstorming wurde betrieben und viel gegoogelt:
    Ich schrieb auf der ersten Seite direkt den Täufling an, so als würde sie schon lesen können (und als wäre sie schon Volljährig)… Ich erzählte ihr von ihrer Mutter, wie sie heute – also im Jahr 2013 – so wäre, was sich seit der Geburt bei ihr verändert hätte, wie glücklich die Eltern über sie wären, wie sie selbst mich anschauen würde, wenn ich ab und an zu Besuch vorbeischauten würde. Die nächste Seite beschriftete ich mit Ihrem Taufspruch. Auf der übernächsten ging ich auf Ihren Namen ein, die Bedeutung des Namens. Die darauffolgende Seite enthielt Angaben zum Tag der Taufe… Welchen Heiligen feiert die Kiche an diesem Tag? Welcher Papst amtiert in diesem Jahr? Was meint das „Jahr des Glaubens?“ etc.
    Die folgenden Seiten enthielten dann noch Wünsche. („Was ich Dir wünsche…“ wählte ich hierbei als Überschrift).
    Kurz und gut: Diese Karte wurde mein eigentliches Geschenk an den kleinen Täufling.
    Die Mutter bedankte sich bei mir vor allem für diese Karte, nicht für die teuren Geschenke.
    Und erst durch diese Karte wurde mir selbst bewusst, wie wunderbar es sei kann, sich einfach einmal hinzusetzen um einem Menschen zu schreiben/sagen, was man sich so über ihn/sie denkt – bzw. in diesem Fall: was man ihm/ihr für die Zukunft wünscht.
    Das war ein Geschenk, wie ich es vorher noch nie gemacht hatte. Es war einfach sehr persönlich. Ich hoffe jedenfalls, dass dieser junge Mensch diese Karte später einmal lesen wird und sich darüber freuen kann… die Eltern taten es jedenfalls.
    Besonders an Weihnachten kann man sicherlich in ähnlicher Weise Geschenke machen. Worte können manchmal etwas sehr Magisches an sich haben! Aber nur dann, wenn sie ehrlich gemeint sind.

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