105 Kommentare

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    Tot-Schlag-Argument(ierer) 26. Oktober 2014 at 02:00 .

    „Hast Du eine Frau?
    oder Kinder?“
    sagte der Normalbürger zum Pfarrer!
    „Wenn Du das nicht hast, dann kannst Du
    bei dem Thema Ehe-Familie-Kinder
    nicht mitreden!!!“

    „Gut“, sagte der Pfarrer,
    „Ich bringe Dich jetzt um!“

    „Warum?“

    „Ich habe beim Thema Mörder mitzureden!
    und muß gemäß Deiner Logik jemanden deshalb umbringen…“

    mfg

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      Herbert Turetschek 26. Oktober 2014 at 20:16 .

      Jesus kann echt lästig sein: Es gibt nicht den geraden Weg! Das was da oben steht, das ist echter Unsinn.

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    Opium fürs Volk 11. Juli 2014 at 08:17 .

    Darf ein Mörder Pfarrer werden?

    Um was zu tun? Um vom Leid zu profitieren?

    Eigentlich ist das doch das übliche Vorgehen der Kirche, Leid erzeugen und dann davon profitieren. Also soll er ruhig Pfarrer werden. Damit muss er nicht mal seine menschenverachtende Einstellung ändern.

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      Julia R. 11. Juli 2014 at 09:00 .

      „Opium fürs Volk“ , so sehe ich das auch, aber nicht nur die Religion ist Opium fürs Volk, und nicht NUR die Religion und deren Oberen profitieren vom Leid. Aber mal ganz ehrlich, ist Dein letzter Satz nicht auch „Menschenverachtend“? Ich glaube, wir, die wir nichts mit der Religion am Hut haben, die Beweggründe eines Menschen sich dieser anzuschließen nicht nachvollziehen können, müssen aufpassen, dass wir nicht in die selbe Kerbe schlagen. In die selbe Kerbe der Intoleranz und Wut auf alles, was nicht unserer Wahrnehmung entspricht…..

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        Herbert Turetschek 11. Juli 2014 at 10:13 .

        …da gibt es noch die Scharmanen, die Wunderheiler, die Wahrsager… Was ist, wenn ein kranker Mensch zum Wunderheiler geht oder seine Kinder dort hin schickt? Wenn wir uns die Gesellschaft anschauen, die es zwar bestraft, wenn jemand seine Tochter oder seinen Sohn nicht gegen Krebs behandeln lässt, sondern zu einem Wunderheiler schickt, aber nichts unternimmt, wenn die selbe Mutter oder der selbe Vater sein Kind nicht gegen eine psychischen Krankheit behandeln lässt (sondern auf die Hilfe von Scharlatanen hofft), dann wird mir regelmäßig übel. Ich höre von Rechten und Linken, das gibt es alles nicht und es bilden sich selbsternannte Gurus, die selbst ausgebildeten Psychotherapeuten erklären wollen, wie es funktioniert und mich macht das wütend, weil ich aus beruflichen Gründen jahrelang mit seelisch behinderten Menschen zu tun hatte (und es nicht mehr hören kann, wenn es einfach so abgetan wird).

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        Opium fürs Volk 11. Juli 2014 at 10:21 .

        Jede menschliche Handlung, auch Altruismus, ist in der persönlichen Bedürfnisbefriedigung begründet.

        Danke für die Rückmeldung Julia. Ich werde mein Handeln diesbezüglich anpassen.

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          Julia R. 11. Juli 2014 at 11:04 .

          Das stimmt, „Opium fürs Volk“! Ich würde Dich ja gern mit einem Namen ansprechen! 🙂 Der Altruismus kann die höchste Form von Egoismus sein. Das findet man gerade in kirchlichen und gar so moralischen Gemeinschaften oft genug! Wird auch oft als Druck – und Machtmittel missbraucht. Da ich selbst als Nonne gelebt habe, und eine große „katholische Vergangenheit“ habe (von der ich mich komplett distanziert habe), kann ich da sehr gut aus eigener Erfahrung sprechen. Kommt, denke ich, auch aus dem Jenseitsdenken und sich mit Gott gutstellen – wollen – Gedanken. Das ist eine Art falsch verstandene Demut. Und auch bei mir kommt da Wut hoch, wenn ich an all die Missstände denke…. Muss aber auch nicht so sein. Es gibt, denke ich, schon Menschen, die so „bei sich“ sind, dass sie einen echten Altruismus, zumindest partiell, leben können. In kirchlichen Kreisen, aber auch die, die dazu weder Gott, noch die Religion brauchen. Ich finde es befreiend, wenn Menschen einfach sind WIE sie sind und WAS sie sind. Weil sie „erwachen“ für sich selbst stehen und sorgen, und dadurch in der Lage sind, mit einer gewissen Toleranz und „Güte“ auf Andersdenkende zu schauen. Aber ich glaube, zu dieser Authentizität zu kommen, ist echt eine Lebensaufgabe 🙂 Ich abreite noch daran … mehr oder weniger erfolgreich 🙂

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            Herbert Turetschek 11. Juli 2014 at 20:02 .

            Mir hat jemand höchste soziale Kompetenz bescheinigt (in einem Arbeitszeugnis eines früheren Arbeitgebers), aber ich fühle mich immer noch nicht hinreichend umgänglich, um genug zurückgeben zu können und ein wertvolles „Rädchen“ in der Gemeinschaft zu sein. Z. Zt. versuche ich mich auf mein Weltprojekt zu konzentrieren, weil mir viele Freunde gesagt haben, du verzettelst dich, wenn du zuviel machst. Wird es mir gelingen?

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    Emsa 9. Juli 2014 at 20:29 .

    ich habe jetzt einige Blogs gelesen, den Film nicht gesehen.
    Mich beschäftigt nun folgendes:
    Wer von euch ist „Betroffen“ als Opfer oder Täter?
    Wer weiß von Opfern und Tätern und unternimmt was?
    Wer schaut weg? Wer schaut hin?
    (Diese Fragen stelle ich mir auch selber)
    Werde ich zum Handelnden oder bleibe ich beim Denken und Reden?

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      Herbert Turetschek 9. Juli 2014 at 20:50 .

      @Emsa. Ich bin Überlebender des sexuellen Missbrauchs bei den Domspatzen im Jahr 1967 und unterhalte mich gern mit dir! Liebe Grüße Herbert

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      Julia R. 9. Juli 2014 at 21:57 .

      Es stimmt alles. Missbrauch und Gewalt ist GANZ schlimm und jeder Betroffene ist lebenslang mehr oder weniger damit beschäftigt. Ja, Aufarbeitung ist Mangelware! Und ja, viele schauen weg. Dennoch bin ich mit Ver-und Beurteilungen sehr vorsichtig. Kann auch keine Meinung dazu haben, ob ein Mörder Pfarrer werden darf. Letztlich habe ich darüber nicht zu urteilen. Aber ich möchte gern alle „Betroffenen“ ermutigen, trotzdem JA zum Leben zu sagen, und das Leben JETZT zu leben. Es kann so destruktiv sein, seinen schlimmen Erlebnissen so viel Raum zu geben. Es ist auch meine Erfahrung, dass den Tätern immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Damit muss man leben, so bitter und demütigend das ist. Aber Überleben (auch inneres Überleben) ist möglich! Wenn einem die Aufmerksamkeit, die man so sehr ersehnt nicht zuteil wird, kann man sich selbst diese Aufmerksamkeit schenken. Erwachsen werden, sich von Erwartungen verabschieden. Vielleicht sich auch vom Sühnegedanke verabschieden. Ich persönlich habe es als so wohltuend erlebt (und erlebe es immer wieder), mit einer gewissen Selbstdistanziertheit die Dinge loszulassen. Bitte versteht mich nicht falsch, ich möchte Euer/Unser Leid in keiner Weise klein reden. Es ist schwer, sehr schwer. Und nur wer selbst betroffen ist, kann erahnen was es heißt damit leben zu müssen. Ich will einfach nur Mut zusprechen, den Blickwinkel mal zu drehen. Wir alle hier sind so privilegiert, allein deshalb, weil wir hier in Mitteleuropa leben dürfen. Wir haben nur dieses eine Leben. Ich möchte es leben, jede kostbare Sekunde. Bitte nicht als „Ratschlag“ verstehen! Ratschläge sind auch Schläge, die weh tun und liegen mir fern. Es ist nur meine persönliche Erfahrung. Ich wage sie zu teilen, weil ich selbst durch die Hölle gegangen bin….

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        Herbert Turetschek 10. Juli 2014 at 07:43 .

        Ja, und ein bisschen Demut täte uns gut! Nicht devotes Verhalten, das meine ich damit gar nicht! Aber was sage ich, der Satz stammt eh nicht von mir, sondern von einer ganz genialen Frau.

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    Hubertus 22. Juni 2014 at 10:31 .

    Ein beliebtes Alltagsspiel besteht darin, sich als Mensch andauernd „Gottes Kopf zu zerbrechen“. Dieses Spiel hat eine unüberschaubar lange Tradition und gipfelt in der Hybris des Bestrebens, wie Gott sein zu wollen. Statt sich jeweils selber als fehlbares Geschöpf zu betrachten und sich als solches anzunehmen, werden häufig fehlerhafte Verhaltensweisen anderer zum Gegenstand kritischer Betrachtungen in den Vordergrund gerückt, wenn es darum geht, eigene positive „Werte“ zu definieren. Anstelle des demütigen „mea culpa“ eines Zöllners im hinteren Teil des Tempels (Lk 18,13) erklingt viel öfter der Ruf: „Haltet den Dieb…!“

    Wer hat das Recht, sich ein Veto anzumaßen, wenn Gott einen Sünder zum Priester beruft!? Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf ihn; s. Joh. 8,7.

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    Basti 21. Juni 2014 at 18:10 .

    Ja, ein Mörder darf Pfarrer werden

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    Der Prediger 14. Februar 2014 at 15:39 .

    Nachdem so viele über mich geschrieben haben, möchte ich mich bedanken. Ich bedanke mich für das Interesse, das dieser Film verursacht hat. Mir kommen viele Gedanken in den Kopf, viele Bejahungen und einige Korrekturen auch. Ja, der Film hat Recht – ich habe eine scheußliche Tat begangen. Übrigens aus Gründen, die ich nach mehr als 4 Jahrzehnten immer noch nicht begreife. Und ich habe das unverdiente Glück gehabt, dass ich einige Jahre nach meiner Inhaftierung erkannt habe, dass den, den wir „Gott“ nennen, ein guter Gott ist. Das ist alles. Weiter nichts. Und das habe ich mir setidem auf meine Fahne geschrieben: Gott ist ein guter Gott. Er liebt uns. Egal, wer wir sind. Ob wir uns Atheisten nennen oder Gläubige oder Andersgläubige. Das ist mein Wissen und mein Glaube.
    Ihr Prediger

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      Christiane 10. April 2014 at 12:15 .

      Lieber Prediger,

      wir danken sehr herzlich für die Offenheit und freuen uns sehr, dass Du bei uns mitdiskutiert hast!

      Herzliche Grüße
      Christiane

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    Markus Lippert 10. Februar 2014 at 23:29 .

    Lieber Thomas Berger,

    der Teufel steckt im Detail. Die Aufgabe der Kirchen ist es nicht zu vergeben, genau so wie es nicht Aufgabe der Gerichte ist, freizusprechen. Während es bei den weltlichen Gerichten darum geht, weltliche Gerechtigkeit durchzusetzen, geht es bei der himmlischen Gerechtigkeit darum, Gnade zu erlangen. Die Kirche kann dabei nur helfen, sich auf diesen Gnadenprozess vorzubereiten. Denn der Ankläger, ist, wie Petraus es beschreibt, ein brüllender Löwe, der sucht, wen er verschlingen kann. Demgegenüber steht der, der alleine Vergebung bewirken kann. weil er selbst jede Schuld auf sich gezogen hat. Alleinige Bedingung für den Freispruch: Den Opfertod Jesu für sich persönlich in Anspruch nehmen. Sie sehen, Kirchen können nur Mittler einer Vergebung sein, die eines voraus setzt: Glaube.

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      Ingo 12. Februar 2014 at 00:44 .

      Was für ein wunderschönes Dogma: göttliche Gnade kann nur erfahren wer Christ ist und glaubt. Was für ein blühender Blödsinn. Gott macht seine Liebe nicht daran fest, in welcher Gesellschaft, religiöser Prägung und moralischen Werten wir aufgewachsen sind.

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    Man muss Mörder sein, um Gehöhr zu finden. 9. Februar 2014 at 23:01 .

    Ich bin entsetzt über den ganzen Film. Wie kann man einem Mörder aus niedrigsten Beweggründen ein solches Forum geben. In Deutschland ist scheinbar ein Mord Karriere fördernd. Dem Opfer (im Film als voll verblödetes Landei dargestellt) wir nur Hohn und Spott entgegengebracht. Der Mörder aus der mondänen Großstadt Neuwied wird als deutscher Hannibal Lecter verklärt. Das Opfer kann sich nicht mehr wehren. Alle die an diesem teuflischen Machwerk mitgemacht haben, die die Interessen des Mörder vor die des Opfers stellen sollten sich schämen. Aber man kann damit ja Geld verdienen.

    Um in Deutschland gut zu leben muss man Täter sein. Als Opfer hat man kein Chance. (Als Beispiel fällt mir dazu auch der Nazimörder Filbinger ein, der auch noch eine Bühne als Ministerpräsident erhalten ha. Genauso kann auch das Mörderschwein hier, den Leuten von der Kanzel herunter erzählen was richtig und was falsch ist. Wenn er ehrliche Reue empfunden hätte, würde er sich nicht so darstellen, sonder schweigen.

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      Ingo 10. Februar 2014 at 07:06 .

      Diese Art der Pauschalisierung „In Deutschland …“ hilft nicht wirklich weiter. Ich verstehe, dass manche Straftat für Opfer auch mit Verbüßung der Haftzeit subjektiv nicht gesühnt ist, weil der Eingriff in ihr Leben für sie einfach zu schwerwiegend war. Und es braucht es keines Mordes um Opfer zu traumatisieren., mitunter ein Leben lang.

      Trotzdem müssen wir uns als Gesellschaft die Frage stellen, wie wir mit Menschen umgehen, die nach dem Strafvollzug entlassen werden. Egal ob sie reuig sind oder nicht – und die Frage der schauspielerischen Leistung (Im Film oder im echten Leben) kann dafür kein Maßstab sein. Schlussendlich können wir „wahre Reue“ eh nicht objektiv überprüfen und sie im Zweifelsfall auch nicht erzwingen.

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      Wanda 10. Februar 2014 at 18:43 .

      – keine Frage, leider eine traurige Tatsache: der Taeter findet mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung als das Opfer…

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        Emsa 9. Juli 2014 at 20:05 .

        Ich stimme Wanda zu.
        Diese Erfahrung habe ich persönlich gemacht. Mein Vater hat mich als Kind sexuell missbraucht, hat sich dann bekehrt und seine Sünde bekannt. Wurde dann Lektor in einer evangelischen Kirche, wurde unterstützt von der Kirche.
        Und ich blieb auf der Strecke. Es war keine Kirche da, keine Unterstützung niemand.
        Die Aufmerksamkeit die sog. „bekehrten Tätern“ zukommt ist m.E. nicht in Ordnung. Viel Lärm um nichts. ……

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      Emsa 9. Juli 2014 at 20:12 .

      oder sonst ein Täter, der sich gut verkaufen kann und dann aus seinen Daten auch noch Kapital schlägt und dafür hochgelobt wird.
      Für Todschlag oder Missbrauch oder sonstige Gewaltdaten an Menschen gibt es keine Vergebung, getan ist getan, ist durch nichts rückgängig zu machen, auch nicht durch beichten. ist durch nichts (auch nicht durch Vergebung oder/und Vergebung)aus dem Leben des Täters und Opfers zu streichen.
      Das funktioniert nicht.
      Da wäre ja Gott ein „Automat“. Bekenntis rein , frei von allem. Von Schuld, von Konsequenzen usw….
      Das ist mir alles zu billig.

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        Herbert Turetschek 9. Juli 2014 at 20:43 .

        „Für Todschlag oder Missbrauch oder sonstige Gewaltdaten an Menschen gibt es keine Vergebung, getan ist getan, ist durch nichts rückgängig zu machen, auch nicht durch beichten. ist durch nichts (auch nicht durch Vergebung oder/und Vergebung)aus dem Leben des Täters und Opfers zu streichen.“ Das steht auch in der Bibel so. Und ich sehe das auch so – alles ist richtig, für die Überlebenden wird viel zu wenig getan und sie bleiben einfach auf der Strecke. Schnelle Antworten wird es nicht geben – um mit „Bernardo der Theolog“ zu sprechen!

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    Ernst 9. Februar 2014 at 12:40 .

    Nach längerem Hin und Her möchte ich einen Beitrag leisten, in welchem Bereich ich mich hobbymäßig zuhause fühle. Es geht um Schuld und Sühne. Folgend …

    Ich denke an das Bibelwort „Auge um Auge“ erwähnen (Ex. 21,24), dass allzu oft wegen sprachlichen und inhaltlichen Zusammenhang ein unkontrolliertes Eigenleben angenommen hat.
    Der Text heißt: „Wenn Männer sich raufen und eine schwangere Frau stoßen, so dass herauskommen ihre Leibesfrüchte, aber (sonst) kein schlimmes Unglück entsteht, so muss dem Schuldigen eine Geldbuße auferlegt werden, wie der Ehegatte sie ansetzt, doch er soll nach dem Ermessen der Schiedsrichter geben. Wenn aber ein schlimmes Unglück entstanden ist, so sollst du geben: Lebendige Seele an Stelle von lebendiger Seele, Auge an Stelle von Auge, Hand an Stelle von Hand, Fuß an Stelle von Fuß, Brandmal an Stelle von Brandmal, Wunde an Stelle von Wunde, Strieme an Stelle von Strieme“ (Ex 21,22-24)
    Der Sachverhalt ist klar: Entsteht ein schlimmer Schaden, soll nicht ein Schiedsrichter oder das Volk, aber der Schuldige nach dem Maß des Schadens geben, was er angerichtet hat. Hier geht es also nicht um objektive Strafe für einen Straftatbestand sondern um die Möglichkeit eines Ausgleichs. Außerdem hat die jüdische rabbinische Tradition immer darauf verwiesen, dass als Ersatz für den körperlichen Ausgleich eine Geldzahlung das gebotene Verfahren ist. Nur das europäische Mittelalter hat aus dieser angeblichen Talionsformel (lat. Talio: Vergeltung) teils grausame Körperstrafen herausgedeutet.

    Dann, wenn gegen diese angebliche automatische Gesetzesmechanik des Alten Testamentes auch der Text aus der Bergpredigt bei Mt. 5, 38-39 gegenüber gestellt wird, dann gucken wir den Text auch mal an: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist ‚Auge für Auge, Zahn für Zahn‘. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“.
    Hier erzählt Jesus ausdrücklich, dass die anfängliche Gewalt nicht fortgesetzt werden soll mit Strafaktionen, sondern die Gewalt soll zu einem Ende kommen.

    Die heutige Executive sieht jedoch vor, dass die Gewalt nach Möglichkeit weitergeführt wird, und bei schlimmen Straftaten die Freiheitsstrafe vorgesehen ist. Wie ist denn die Freiheitsstrafe eigentlich entstanden?

    Freiheitsentzug gab es sicherlich schon so lange seit es Menschen gibt. Unsere Vorfahren bauten Tierfallen bzw. Erdlöcher, und da musste ein Verdächtiger bzw. Schuldiger ausharren bis er als Götzenopfer getötet wurde.

    Die Griechen und Römer waren mit ihren Übeltätern nicht zimperlich: sie wurden verprügelt, gefoltert, verstümmelt, verbannt oder getötet. Eingesperrt wurde nur bis zur Verurteilung.

    Es ist im Mittelalter, dass die Klöster die ersten Gefängnisse bauen, so wie wir Gefängnisse kennen: der „Verirrte“ soll sich seiner Sünden bewusst werden und den rechten Weg finden.
    Da Protestanten nicht in katholische Klostergefängnisse eingesperrt werden wollten, gründeten die ersten Städte nach der Reformation ihre ersten Untersuchungsgefängnisse – meistens in den Türmen der Stadtbefestigungen oder in unterirdischen Verliesen der Rathäuser. Hier darben die Häftlinge bis zur Verurteilung.

    Zur gleichen Zeit entstehen die ersten Zuchthäuser um arbeitsunwillige Menschen Arbeitsmoral beizubringen: zuerst in England, dann in den Niederlanden und in Deutschland entstehen sie 1679 zuerst in Lübeck, Bremen, Kassel und Danzig.

    Als die Kirche im 18. Jahrhundert ihre Gefängnisse schließt, werden die Insassen in diesen öffentlichen Zuchthäusern untergebracht, zumeist bestehend aus unverheirateten Frauen, Huren, Bettler, Geisteskranke und schwer erziehbare Jugendliche. Delinquenten aus angesehenen Kreisen erhalten die sogenannte „Festungshaft“, wo der Inhaftierte nicht in einer Zelle lebt, sondern streng bewacht in komfortablen Räumen mit gutem Essen.

    Um 1830 wird in Deutschland die amerikanische und englische Gefängnisreform diskutiert und umgesetzt, wo Häftlinge durch strenge Einzelhaft zur inneren Einsicht gelangen sollen und Entlassene in die Freiheit begleitet werden. Anstaltskleidung und Disziplin stehen im Vordergrund. Psychisch Kranke werden in Heimen untergebracht, Jugendliche kommen gesondert unter, und verurteilte Frauen erhalten ein eigenes Gefängnis.

    In der Weimarer Republik rückt der Erziehungsgedanke noch mehr im Mittelpunkt, verbunden mit einer schrittweisen Lockerungen des Vollzugs.

    Die Nationalsozialisten sehen nicht mehr die Tat sondern den Tätertyp. Homosexuelle, Kriminelle, Bibeltreue, Sinti, Roma und vor allem Juden werden inhaftiert und ohne Gerichtsverfahren zur planmäßigen Ermordung in die Lager gebracht.
    Als die Gefängnisse in der Nachkriegszeit überbelegt sind mit unqualifiziertem Personal tritt am 1. Januar 1977 das erste Strafvollzugsgesetz in Kraft. Ziel und Aufgabe des Vollzugs ist die Resozialisierung des Gefangenen und der Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten, d.h. der Individualvollzug.

    Das Gefängnis, so wie wir es kennen ist also eine Erfindung der Kirche und war nicht als Strafe gedacht aber als Gnade.

    Bevor ich die Folgen einer Haftstrafe beleuchte, möchte ich klarstellen, dass ein strafprozessual angeordneter Freiheitsentzug temporär die Rechte der Allgemeinheit schützt und dem Gedanke der Sühne dienen soll. Dieser Vollzug der gerichtlich ausgesprochenen Strafe nennt man den Strafvollzug im Gegensatz zu dem Maßregelvollzug, wo psychisch kranke und suchtkranke Rechtsbrecher untergebracht sind.

    Bemerkenswert finde ich den § 3, Absatz 2 des StVollzG, wo steht: „Schädlichen Folgen des Freiheitsentzuges ist entgegenzuwirken.“
    D.h., obwohl der Staat sich bewusst ist, dass eine Haftstrafe neben möglichen positiven Auswirkungen auch negative Auswirkungen vorhanden sind, ist der Gedanke des Freiheitsentzugs immer noch zentral. Dass der Gesetzgeber verlangt, dass der Schaden für die Inhaftierten möglich gering gehalten wird, klingt für mich wie ein Eingeständnis, dass die jetzige Form der Bestrafung nicht ideal ist.

    Was sind denn die möglichen schädlichen Folgen eines Strafvollzugs in einer solchen totalen Institution eines Gefängnisses?

    Nun, mit der uniformen Anstaltskleidung wird von Anfang an verdeutlicht, dass er auch äußerlich als gefährlicher Verbrecher eingestuft wird. Seine Identität verändert sich von einem Moment auf den anderen vom Gros der Bevölkerung außerhalb der Anstalt.
    Die private Sphäre wird dem Gefangenen entzogen.
    Menschen, die von ihrer Veranlagung heterosexuell sind, werden durch das Zusammenleben mit anderen Männern zur Homosexualität gedrängt.
    Der Kontakt zu Angehörigen und Familie wird auf ein äußerstes Minimum beschränkt mit dem Erfolg, dass Partnerschaften oft zerbrechen.
    Die Vielfalt einer natürlichen Welt wird ihnen entzogen.
    Viele Besitzgegenstände werden ihnen weggenommen.
    Für eigenverantwortliche Entscheidungen bleibt kein Raum mehr.
    Gewalttaten sind durch die konzentrierte Masse der vielen Gewalttäter und ihren seelischen Spannungen fast unvermeidlich.

    StVollzG: „Gesetz über den Vollzug der Freiheitsstrafe und der freiheitsentziehenden Maßregeln der Besserung und Sicherung“ – kurz „Strafvollzugesgesetz“ genannt, das am 1. Januar 1977 inkraftgetreten ist.

    Die Isolierung fördert einen Realitätsverlust.
    Die meisten Strafgefangenen fühlen sich vom Staat falsch bzw. unfair behandelt und haben in der Regel wenig Motivation zur Schuldeinsicht. Im Gegenteil – ihr Empfinden, dass Politiker und andere Machtausführende oft korrupt sind verleitet sie dazu, sich extremistischen Parteien zuzuwenden.
    Die Vielfalt der verschiedensten Kriminellen fördert das Erlernen neuer Verbrechen.
    Es ist nachgewiesen, dass die Infektionsrate von Gefangenen mit HIV und verschiedenen Hepatitis-Formen wesentlich höher ist als die der Durchschnittsbevölkerung.
    Es ist nachgewiesen, dass die Verlockung zum Drogengebrauch im Gefängnis erheblich wächst. Schätzungen in den USA gehen davon aus, dass bis zu 90 % aller Insassen irgendwelche Drogen konsumieren.
    Nach einer Inhaftierung wird die Möglichkeit erheblich erschwert, eine Wohnung und eine ehrliche Arbeit zu finden.
    Unschuldige Menschen, nämlich die Familie des Inhaftierten, tragen eine Hauptlast an der Inhaftierung.
    Die Opfer müssen durch ihr Steuerzahlungen für die Inhaftierung mit aufkommen.
    Die Gesellschaft zahlt für die Inhaftierung pro Gefangenen durchschnittlich € 130,00 pro Tag.
    Die Opfer erhalten nicht immer das Gefühl der Genugtuung, geschweige eine Wiedergutmachung.
    Die präventive Strafzwecktheorie erfüllt laut den meisten Statistiken nicht ihren Zweck.

    In wieweit kann Sühne unter diesen Umständen überhaupt erfolgen?

    Nun, zuerst einmal zur Definition von Sühne.
    In vielen Religionen, unter anderem auch im Christentum, ist Sühne der Akt, den ein Sünder vollzieht um mit seinem Gott versöhnt zu werden. Dass laut christlicher Lehre Jesus Christus diese Sühne bereits stellvertretend auf sich genommen hat, macht der Definition kein Schaden.
    Im Strafrecht wird der Strafe eine sühnende Funktion beigemessen. Durch Sühne soll die vom Unrecht betroffene Person Genugtuung erleben.
    Anders ausgedrückt: Die Schuld des Täters soll durch die Strafe gesühnt werden (=Schuldprinzip).
    Die religiöse Definiton von „Sühne“ ist somit der rechtlichen Definition von Sühne ähnlich: Sühne (oder auch Buße) wird als der Akt bezeichnet, durch den ein Mensch, der das Verhältnis zu einem Dritten durch ein vorwerfbares Vergehen verletzt hat, wieder versöhnt wird.

    Sühne: vom althochdeutschen SUONA = Gericht, Urteil, Gerichtsverhandlung, Friedensschluss.
    Sühne ist also eine Wiedergutmachung, eine Genugtuung, eine Leistung für ein begangenes Unrecht oder ein Verschulden.

    Sühne ist also objektiv gesehen vollzogen und erledigt zu dem Zeitpunkt vom Ende der Strafe. Subjektiv kann mit Sühne eine Beseitigung des Schuldgefühls gemeint sein.

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      Wanda 11. Februar 2014 at 02:50 .

      Ernst 12:40
      – bezueglich Deiner Aeusserung: Zitatanfang – Suehne ist also eine Wiedergutmachung…….. eine Leistung fuer begangenes Unrecht oder ein Verschulden – Zitatende.
      – nicht ganz richtig. Dem Schuldigen wird erstens die Wiedergutmachung (des materiellen- oder leiblichen Schadens) auferlegt und er muss zweitens eine Strafe, sei es nun eine finanzielle- oder Haftstrafe akzeptieren. Letztere wegen Gesetzesverstoss.
      Anders waere es ja auch vollkommen sinnlos: eine Straftat wuerde von einem Begueterten einfach derart bewaeltigt, dass er durch seine wirtschaftlichen Mittel Ersatz (oder wie Du schreibst Wiedergutmachung) leistet. Fuer sich persoenlich haette er nichts zu fuerchten…

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    Markus Lippert 8. Februar 2014 at 08:20 .

    Eine wahrlich schaurige Geschichte, weil kaum ein Lichtstreif, keine Hoffnung aufschimmert. Eine Geschichte, in der Gott als ferner Bezugspunkt vielleicht hier und da vorkommt, nicht aber als Handelnder, der durch Rat und Tat die Dinge in die Hand nimmt, so wie er in der Bibel beschrieben wird und wie es Millionen Menschen weltweit bezeugen. Wo Glaube ist, ist aber auch Offenheit, unverkrampfte Liebe, Klarheit und Herzensnähe. Dieses Bild einer lebendigen Gottesbeziehung anzudeuten versäumt der Film, denn es würde ihn völlig anders einfärben. So bilden sich das Geschehen fast ausnahmslos im Dunkeln ab und man fragt sich welche Absicht dahinter steckt, wenn 90 Minuten von solchen Gesichtern handelt. Die Produktion verstärkt damit Klischees über Kirche aber auch über die Sinnlosigkeit des Lebens. Leider gibt es jene Kirche, wie sie hier beschrieben wird. Aber es ist eine tote Kirche. Die lebendige findet vielleicht nicht dort statt, wo die Macher sie suchten oder gerne hätten. Vermutlich wäre es aufschlussreicher gewesen, mehr auf das Wirken des „Predigers“ unter seinen Mitgefangenen einzugehen. Dort beginnt nämlich Kirche, wo Menschen sich ihrer Not bewusst sind und bereit, Gott nicht nur zuzuhören ( Gefängnispfarrer) sondern ihn anzunehmen. Dieser Zustand gehst immer auch mit einer Wesensveränderung einher, wie Luther beschrieb: In tiefster Not und Bedrängnis ein fröhliches Herz. Daran zum Beispiel hätte man einen Christen erkennen können und dran, dass er seine Schuld nicht verbirgt.

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      Eva 8. Februar 2014 at 16:02 .

      Die deutlich Reue kam mir auch zu kurz. Die Rolle des Anwalts, der offenbar auf Publicity aus war fand ich auch undurchschaubar.
      Vielleicht ein kleines Zeugnis, dass er zuletzt den Mord zugegeben, dass Wiederaufnahmeverfahren abgelehnt und tatsächlich Theologie studiert hat und heute im RL als Seelsorger arbeitet.
      Keiner sieht in des Menschen Herz, außer allein Gott Vater/Sohn/Heiliger Geist.

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        Ingo 8. Februar 2014 at 18:23 .

        Das ist ein verbreitetes Missverständnis, dass es öffentlich bezeugter Reue bedarf. Strafe hat mit Reue, Sühne und Vergebung nichts zu tun. Die Tat war die Tat und die Strafe ist die Strafe. Den einzigen Anspruch, den wir an Täter haben können, ist die Einsicht eigenen Fehlverhaltens und in Zukunft im Rahmen bestehender Gesetze zu verbleiben. Reue hat etwas mit dem eigenen moralischen Kompass zu tun und der muss nichts, aber auch gar nichts mit der zugrundeliegenden Tat zu tun haben.

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    B.Bauer 6. Februar 2014 at 18:41 .

    Ein wirklich bewegender und aufrichtiger Film.
    Er hat mir so gut gefallen, dass ich Josep Geissler, Ralf Remberg oder den Gefängnisseelsorger fragen möchte, ob einer von ihnen die Initiative „Lutherlernen“ als „Wettpate“ mit einem Foto und einer kurzen Würdigung unterstützen würde (siehe: http://www.lutherdeutsch.de)?
    Wie könnte ich an die Emails gelangen?
    G.Bauer

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    Eva 6. Februar 2014 at 18:20 .

    Warum sollte ein Mörder, Bankräuber oder sonstiger Krimineller nicht Pastor werden dürfen?
    Mose war ein Mörder und führte Gottes Volk auf dessen Geheiß ins gelobte Land.

    David war ein Mörder und Ehebrecher und wurde zum großen von Gott gesalbten König über dessen Volk.

    Paulus hat als Sauluis Christen verfolgt und sicher auch dem Tod zugeführt und er durfte die maßgeblichsten Briefe an die Gemeinden senden.

    Bei Gott gibt es keine Sackgasse. Die gibt es nur bei Menschen, die meinen, sich ein Urteil über andere bilden zu dürfen oder gar zu müssen.

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      Wanda 8. Februar 2014 at 00:08 .

      Eva 18:20
      – ja, die Kirche erlaubt alles wenn es ihren Interessen dient. Ansonsten aber faehrt sie den Zeigefinger gern und haeufig aus, Heuchelei nennt man das im ueblichen Sprachgebrauch…
      Siehe die christliche Milde gegenueber schuldig gewordenen Klerikern, was den Kindes-Missbrauch anbetrifft. Da wird der Schuldige sogar der weltlichen Justiz entzogen und darf in irgendeiner Gemeinde weitermachen…
      – Was ist ueberigens mit den beruehmten 384 oder 348 Priestern, die angeblich entlassen wurden. Sind die angezeigt und der weltlichen Gerichtsbarkeit ueberantwortet worden ? Wenn nicht, laufen diese Kinderschaender jetzt naemlich frei und und behelligt draussen herum…

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        Eva 8. Februar 2014 at 15:42 .

        Wanda, Deine Verbitterung tut mir leid.
        Bitte verwechsele nicht Kirche mit Glauben.
        Was ein wiedergeborener Christ tun und lassen soll steht eindeutig im Neuen Testament.
        Da steht etwas von Vergebung der Sünden, die Jesus Christus durch sein Opfer am Kreuz zu den Menschen bringt. Da steht: Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein (keiner hat geworfen). Da steht sogar etwas von Feindesliebe, wohl eine der härtesten Herausforderungen für einen entschiedenen Christen.
        Was Gott mit Kinderschändern macht, findest Du in der Offenbarung Kap.21. Dagegen kann kein weltliches Urteil auch nur im Ansatz bestehen.

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          Wanda 8. Februar 2014 at 16:23 .

          Eva, 15:42
          – Gegenfrage : was macht die Amtskirche mit Kinderschaendern? Sich auf deren Strafe im angeblichen Jenseits durch Gott zu berufen ist doch wohl die groesste Missachtung den Opfern gegenueber. In der Zwischenzeit duerfen diese Typen also weiterhin ihr Unwesen treiben und die potentiellen Opfer spielen keine Rolle ?
          Ach ja: Letztere leiden fuer Andere und ausserdem deswegen, weil sie dann im Jenseits mit den Freuden des Paradieses belohnt werden…
          – Schaemen Sie sich eigentlich nicht dieser Antwort ?

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            Eva 8. Februar 2014 at 17:12 .

            Wer so dermaßen missverstehen will, dem kann ich nicht helfen. Leider muss ich diese Erfahrung immer wieder machen bei Nichtchristen.
            Alle anderen Argumente zum Glauben können nämlich argumentativ bearbeitet werden, diese nur schwer, da die rkK ihre eigenen Kirchengesetzte hat.
            Ich persönlich bin weder in der Amtskirche (katholisch) noch in der Landeskirche (ev) sondern in einer Evangelischen Freikirche, wo allein Gottes Wort die Grundlage des Glaubens ist und Jesus Christus das Fundamenht.
            Dieses ewige herumhacken auf den Kinderschändern der rkK bringt doch auch nichts. Nur eigene Konsequenzen.
            Die meisten Missbrauchsfälle finden im Übrigen im Umfeld einer Familie statt. Ferner sollen auch Lehrer und Erzieher oder Krankenpfleger sich schon mal an Kindern vergreifen.
            Sie messen hier mit zweierlei Maß, getrieben durch Ihren dumpfen Hass auf Ihr eigenes Kirchenbild.

            P.S.: Ich schäme mich nicht. Wozu auch?

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          Emsa 9. Juli 2014 at 20:17 .

          das ist ja merkwürdig: Kirche und GLaube trennen?
          Es ist ja schön und gut, was Gott mit Kinderschändern tut, doch was hilft mir das wenn ich selber als „Kind“ betroffen bin?

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    Bernardo der Theolog 6. Februar 2014 at 16:23 .

    Viele Jahre Berufserfahrung als Theologe und aktuelle Gespräche bestätigen mir immer neu: Unter „Sünde“ verstehen die allermeisten Menschen unserer Kultur ein veraltetes, im Grunde unnötig irgendwie mit „Religion“ oder „Glaube“ belastetes und darum missverständliches Wort, das eigentlich nur „schlechte Tat“ meint – und was eine „schlechte“ Tat ist: Das muss dann immer noch definiert werden. Was für die einen „Sünde“ ist, ist es für andere noch lange nicht, oft sogar im Gegenteil: notwendige, freie Tat des Menschen. „Sünde“ – so verstanden – ist ein problematischer Begriff der Moral bzw. der Ethik als dem wissenschaftlichen Nachdenken über Moral und menschliches Handeln.

    An dem vielschichtigen Film kurz erläutert: Herr Geissler ist Sünder im moralischen Sinn. Die Gewissenserforschung, die hier – unrealistisch, aber der Film beansprucht ja keine dokumentarische Korrektheit, also egal … – dargestellt wird, zielt abseits von verschiedenen Interessen der Institution Kirche (z.B. den ‚Fall‘ zu den Akten zu legen ..) vor allem darauf, ob und wie der Häftling Verantwortung für seine Tat übernimmt, evtl. Reue zeigt. Nur dann wäre – das unterstellt das Skript – eine spätere Übernahme eines diplomierten Theologen (das Studium kann ihm niemand verbieten) in den kurchlichen Dienst denkbar und öffentlich darstellbar.

    Ob dem so ist und sein muss oder nicht – darüber diskutieren die Blog – Teilnehmenden differenziert – läuft das Ganze auf eine rein moralische Argumentation i o. Sinne hinaus: Täter muss sich stellen, verantworten, seine Tat bereuen vor einem menschlichen Gericht, dann – so wird vorausgesetzt – könnte das ein Hinweis sein auf Gottes Vergebung ! bzw. diese sogar bewirken (immerhin könnte man „Was ihr auf Erden bindet bzw. löst, soll gebunden bzw. gelöst sein“ im Matthäus – Evangelium so auslegen).

    Was offensichtlich fast niemand denkt, ist nun dies: „Sünde“ meint gesamt – biblisch nicht in erster Linie eine schlechte Tat, die man bereuen könnte, um dann sozusagen wieder akzeptabel zu sein in der Gesellschaft und vor Gott. Sünde meint – am deutlichsten bei Paulus (Römer 7) und in Jesu Umgang mit den „Sündern“! – das gebrochene Leben solcher, die von Geburt an nicht mit sich einig sein können. Welche großen Vokabeln man zur Näherbestimmung dieses Lebens benutzt („Entfremdung“ z. B.) – alle Begriffe bringen nur Aspekte dieser menschlichen Lebensrealität in den Begriff: Leben aus der „Angst“ heraus, zu kurz zu kommen (etwa gegenüber Geschwistern) , nicht zu „reichen“ (etwa den internalisierten Erwartungen seitens der Eltern), „schuld“ zu sein (etwa am frühen Verlust eines Elternteils, an einem ungenügenden emotionalen Rückhalt), am Leben zu verzweifeln (da ist von Kierkegaard was zu lernen), in unerkannten Ängsten zu verkommen usw.

    Im Film wurde diese Dimension von „Sünde“ angedeutet, wenn die Kindheitsbiografien der Beteiligten bebildert und in Worte gefasst werden. Damit wird die schlechte Tat weder vollständig erklärt noch entschuldigt! Im Gegenteil bleibt das Rätsel, warum Menschen aufgrund vergleichbarer Erfahrungen zu schlechten oder guten Taten neigen. Entscheidend ist aber, „Sünde“ überhaupt als eine Art Einfluss, als Macht, als Atmospähre zu verstehen, der niemand mit vorwiegend moralischen Kräften per Wille und Anstand etwa Herr wird. In Genesis 4 wird allerdings Kain von Gott aufgefordert, über die „Sünde“ – hier nun verstanden als lauernde böse Tat, aber eben aus Eifersucht! – zu herrschen. Diese Frage bleibt offen zwischen Israel/ Juden und Kirche/ Christen: Kann Mensch die Sünde beherrschen? Jesus ermutigt nach der Bergpredigt im Matthäus – Evangelium zu einer höheren Gerechtigkeit als die der „Pharisäer und Schriftgelerhrten“ und möchte, dass seine Zuhörenden „vollkommen“ sind wie der „Vater im Himmel“. Das griechische Wort für „vollkommen“ (teleios) meint zunächst aber „aufs Ganze“ und „auf das Ziel“ bezogen, in Verbindung mit dem ganzen Menschen, der sein Ziel nicht aus den Augen lässt. Moralische Reinheit erwartet Jesus offenbar nicht, allerdings bei seinen Jüngern und Jüngerinnen ein Gespür für Heuchelei, eine Sehnsucht, über Klischees und ritualisiertes Recht – Haben – Wollen hinauszukommen.

    Im Sinne des Oberthemas des ganzen Blogs „Woran glauben?“ wäre dies in Kürze mein Beitrag:

    Glauben ist möglicher Weise eine bestimmte Art, das eigene Leben zu verstehen und zu leben und dabei auch die großen Fragen überhaupt zu stellen, von denen – angeblich – viele heute meinen, dass sie völlig unerheblich seien: Was ist das Menschliche am Menschen? Wie kann ich mein Leben bestehen in möglichst großer Klarheit und Wahrhaftigkeit? Wie halte ich mich selber eigentlich aus? Was ist mein Lebensglück im Angesicht der anderen um mich herum? Hat das ganze menschliche Leben einen tieferen Sinn „darüber hinaus“? Oder liegt der tiefe Sinn im bewusst gestalteten Leben hier und jetzt? usw.

    Die Fragen führen uns zusammen. Die schnellen Antworten befriedigen nur die Eitelkeit.

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      Sepp 8. Februar 2014 at 11:45 .

      @Bernardo, Theolog:
      So ein theologisches Geschwurbel sieht man selten! Was bildet ihr Theologen euch eigentlich ein zu behaupten, dass Verantwortung für Verbrechen durch die Beichte aufgehoben werden könne. (Zitat “Was ihr auf Erden bindet bzw. löst, soll gebunden bzw. gelöst sein” ). Wie weltfremd und verbrecherisch muss man sein, um sich mit solch faulen Tricks aus der Verantwortung zu schleichen, und damit die Verbrecher mit Hilfe der Beichte von Schuld frei zu sprechen und an die Kirche zu binden. Die Beichtstühle triefen von Blut, Mord und Verbrechen und gleichzeitig klimpert das Geld im Klingelbeutel …
      Dieses faule Theater hat bald ein Ende und die ohnhin nichtvorhandene Himmelstür wird sich in NICHTS auflösen …

      1. avatar
        Wanda 8. Februar 2014 at 18:30 .

        Sepp, 11:45
        – bingo !

  14. avatar
    Chriss 6. Februar 2014 at 13:10 .

    Geht es ums Reinwasch-Prinzip?

    Nein, es geht darum, wie wir mit Leuten wie dem Salisbury Crags Murder leben!! Denn sie leben unter uns und haben selbst noch ein Leben und auch noch Kinder.

    Wie werden wir oder auch die Kinder damit fertig?

    Welcher Ernst schreibt hier?

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      Ernst 7. Februar 2014 at 14:26 .

      Hallo Chris,
      ich bin einfach ein Blog-Teilnehmer, und nenne mich Ernst. Als Handwerker habe ich wenig Kenntnis in religiöse Belange, aber ich interessiere mich für die Frage, wie wir mit solchen Menschen wie der Prediger umgehen.

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        Chriss 8. Februar 2014 at 01:13 .

        Ich lebe in SH und kenne Geschichten über den Salisbury Crags Murder und ich habe mich mit seiner Tochter unterhalten… und es macht mir Angst….

        Es geht nicht um den Film… Es geht um das reale Leben. Der Film wühlt nur alles wieder auf.

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          Ernst 9. Februar 2014 at 11:35 .

          Hallo Chris!
          Sie kennen die Tochter?! Das ist ja spannend. Möchten Sie noch mehr berichten darüber, wie es der Familie damit geht? Denn Sie deuten an, dass Sie da ein wenig Kenntnis haben.. Das würde mich sehr interessieren. Einen schönen Sonntag noch, Ihr Ernst, nicht aus SH.

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        Eva 8. Februar 2014 at 15:52 .

        By the way: Jesus war ein einfachen Handwerker – Zimmermann.

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          Wanda 9. Februar 2014 at 17:57 .

          Eva, 15:52
          – erst einmal gruendlich informieren, denn Dein „By the way“ ist falsch:
          Den einzigen Hinweis den es diesbezueglich gibt, ist das griechische Wort „tekton“ und das bedeutet ganz allgemein und unspezifiziert „Bauhandwerker“.
          – Genau so falsch uebersetzt wie das Wort Jungfrau im Zusammenhang mit der Mutter Jesu. Das im Original ueberlieferte griechische Wort unterscheidet naemlich nicht in seiner Bedeutung zwischen junger Frau und Jungfrau im Sinne von „unberuehrt“. Aber es ueberhoeht und macht sich natuerlich wesentlich besser, wenn die Mutter eines Gottes mirakuloes Jungfrau bleibt. Als Saehnehaeubchen wird die Geschichte dann noch zum Dogma erklaert.
          Heroentypisch dieses ganze mystische Geschmonze…

          1. avatar
            Eva 9. Februar 2014 at 19:11 .

            Bauhandwerker sind auch einfache Handwerker. Schalte mal den Klugscheißmodus aus.
            Sein Vater war Zimmermann und üblicherweise lernten die Jungen damals bei ihren Vätern.
            In meiner Glaubensgemeinschaft ist die ewige Jungfrauenschaft Mariens keineswegs ein Dogma.
            Immerhin berichtet die Bibel von Geschwistern. Dass diese aus einer früheren Ehe des angeblichen Witwers Josef stammen, ist auch nicht im Ansatz erkennbar. Maria war geschätzt 14, als sie schwanger wurde, da dies das zu der Zeit übliche Alter für Frauen war zu heiraten.
            Es ist wohl anzunehmen, dass sie zu dem Zeitpunkt Jungfrau war. Außerdem wäre sie andernfalls nicht die erforderlich reine und sündfreie Mutter gewesen.

          2. avatar
            Wanda 9. Februar 2014 at 20:39 .

            Eva, etwas mehr ueberlegen und nicht nur irgend etwas nachplappern!
            Dir wird jeder einigermasssen informierte Theologe bestaetigen, dass sich das mit dem Zimmermann Joseph zwar eingebuergert hat. Aber die einzige diesbezuegliche Erwaehnung im NT stammt aus der Urschrift in griechisch und als „tekton“. Also, nicht so ueberheblich behaupten oder nimmst Du es mit der Wahrheit nicht so ernst ?

          3. avatar
            Eva 13. Februar 2014 at 18:57 .

            Sich mit Leuten wie Dir zu unterhalten ist nur frustrierend und sinnlos. Daher lasse ich es an dieser Stelle.
            Jemand der auf seinen „Kenntnissen“ herumreitet, andere Erklärungen zu seinen Irrtümern aber geflissentlich ignoriert raubt anderen nur die Zeit! Einschlägige Erfahrung meinerseits.
            Gutes Leben noch – so Gott will.

  15. avatar
    Sepp 6. Februar 2014 at 09:15 .

    Die Intention dieses Films erscheint mir extrem verlogen, so wie die ganze Kirche. Man/frau will suggerieren, dass ein gläubiger Mensch nicht lügen würde und ein Pfarrer schon gar nicht. Wenn am Schluss des Film der Geissler den Mord zugibt, soll das den Eindruck machen, dass wenn jemand Theologie studiert zu 100% der Wahrheit sich verpflichtet. Welch verlogener Blösinn! Die Paffen lügen, betrügen und stehlen, wo sie nur können. Die ganze Kirche ist auf Betrug aufgebaut. Ein gibt keinen Gott, der die Menschen geschaffen hat. Es gibt nur von Menschen in ihrer Vorstellung und Phantasie erfundene Götter, die dazu da sind, jene zun manipulieren, die diese Hirngespinste glauben. Das ist die kirchliche Moral!

    1. avatar
      Ernst 6. Februar 2014 at 11:01 .

      Lieber Sepp,
      ich stimme Ihnen zu. Nach meiner Meinung auch hat die Kirche in der Vergangenheit aber auch in der Gegenwart schon schlimm gehandelt, um das mal milde auszudrücken. Und ich unterstütze Sie in dem Gedanken, dass die Kirche sich ändern muss. Für mich ist jedoch ausschlaggebend, das die EIGENTLICHE Aufgabe der Kirche wichtig und wunderschön ist. Die Theologen nenen es die „Verkündigung des Evangeliums“. Konkret heißt dass, das die Kirche verkündet: „Hey, Leute, entgegen unseren manchmal üblen Erfahrungen gibt es tatsächlich etwas, dass wir in Deutscher Sprache „Gott“ nennen. Und diese Realität „Gott“ liebt uns alle über alles.“ – Ja, das ist nach meiner Meinung die Hauptaussage der christlichen Kirchen, aber auch die Hauptaussage aller Religionen die ich kenne.

      1. avatar
        Ingo 8. Februar 2014 at 17:27 .

        Gott und Glaube hat ja nun zunächst nichts mit Kirche zu tun. „Kirche“ stellt lediglich eine Organisationsform von Glauben dar. Und es gibt derer viele. Und sie wird getragen von einem Querschnitt unserer Gesellschaft, deshalb sollte es nicht wirklich überraschen, dass es gleichermaßen viele weiße wie schwarze Schafe gibt, wie halt auch sonst überall in unserer Gesellschaft. Aber wir neigen dazu manche Gemeinschaften zu überhöhen – besonders wenn sie uns im Alltag mit erhobenem Zeigefinger begegnen – und „Kirche“ gehört dazu. Aber um Gott nahe zu sein braucht man sie jedenfalls nicht. Man kann sich auf sie einlassen, muss aber nicht. Die Botschaft trägt auch ohne eine bestimmte Organisationsform. Und wir können unseren eigenen Kompass von Recht und Unrecht, Schuld, Sühne und Vergebung auch ohne „Kirche“ justieren. Wenn man nun aber den Aussagekern des Films zu akzeptieren bereit ist, dann geht es um die Frage, in weit ein fehlender Mensch in der Lage ist jemals dem moralischen Anspruch, den die Gesellschaft auf *die* Kirche projeziert gerecht zu werden. Und „Pfarrer“ ist hier der Inbegriff moralischer Autorität. Wann verliert man diesen Anspruch? Wenn man lügt, oder nur wenn man dabei erwischt wird? Wenn man stiehlt, oder nur wenn man dabei erwischt wird? Wenn man jemand anderem schadet, oder nur wenn man dabei erwischt wird? Und wenn es ein aktiver Akt war, oder genügt auch schon das „nicht eingreifen“? Wir bewegen uns hier auf gaaaaaaanz dünnem Eis. Wenn wir ehrlich sind ist die Überhöhung, die wir der Kirche als Organisationsform zubilligen eigentlich abstruß und wir sind selbst Schuld daran, dass sie uns immer wieder enttäuscht – ja enttäuschen muss. Die Menschen, die sie tragen sind ein Querschnitt unserer Gesellschaft und nur der Sockel auf die wir sie gestellt haben macht den Sturz tiefer.

  16. avatar
    Ingo 6. Februar 2014 at 03:01 .

    Ich finde es interessant zu lesen, wie hier in dem Blog mit der Frage der persönlichen Schuld und der Frage von Reue und Vergebung umgegangen wird.
    Für mich ist die Frage ob ein Mörder Pfarrer werden kann eine absurde Frage, weil irrelevant. Wir sind alle Mörder. Manch einer aus aktivem handeln, und die Masse von aus aus Unterlassung. Für erstere haben wir uns ein Regelwerk gegeben, das wir über Gesetze zu schützen versuchen. Manche sind besser, manche schlechter und alle zusammen in ihrem Kern dem Zeitgeist unterworfen. Der zweite Bereich ist schwer greifbar auch wenn viele versuchen ihn mittels des Begriffs „Moral“ begreifbar zu machen.
    Jeden Tag sterben in dieser Welt Menschen, denen wir helfen könnten, wenn uns wirklich daran gelegen wäre. Aber weil es einfach ist weg zu schauen tun wir genau dies. Als Regierung, als Gesellschaft, jeder einzelne von uns. Manch einer versucht über karitative Organisationen und auch persönliches Engagement einen kleinen Beitrag zum Besseren zu leisten, aber als Gesellschaft versagen wir. Tag täglich. Wir sind Mörder aus Unterlassung! Jeder von uns, ich eingeschlossen!
    Wer christlichen Glauben in seinem Kern verstehen will benötigt die Einsicht, dass wir alle Sünder sind und alle Vergebung bedürfen. Auch ohne dies in kleine und große Sünden zu unterteilen und bewerten zu wollen und ohne Schuld zu qualifizieren und quantifizieren. Ob wir nun im Detail daran glauben, dass Jesus am Kreuz für unsere Sünden starb und ob und in welcher Weise dies bis heute seine Bedeutung hat – es ist der Dreh- und Angelpunkt christlicher Lehre und liefert wenigstens eine Diskussionsansatz.
    Müssen wir vergeben? Und welche Kriterien legen wir an? Ist es Reue? Ist es Opfern zuzumuten? Warum ja, warum nein? Wir haben in den letzten 100 Jahren als Volk zwei Weltkriege verschuldet. Millionen an Toten und unendliches Leid darüber hinaus. Durften wir um Vergebung bitten? Der Einzelne, wir als Volk? War es gerecht, dass uns diese zuteil wurde? Ist es nur ein Frage persönlicher Schuld? Wo beginnt diese und wo endet sie? Wenn man das tägliche Sterben in der Welt betrachtet, wann greift der Begriff der persönlichen Schuld? Wenn ich mit 18 Jahren das Wahlrecht erlange und „die Falschen“ wähle? Davor schon? Andere Kriterien? Wäscht mich das Spenden nach einer Naturkatastrophe rein von den vorherigen und Nachfolgenden Akt des Mordes aus Ignoranz? Und bedarf überhaupt es des drastischen Begriffs des „Mordes“ um Schuld greifbar zu machen? Mit welchem moralischen recht bestimmen wir wer hier auf dieser Scholle leben darf? „Das Boot ist voll“, „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“ … alles Phrasen.
    Der Film führt uns das schwierige Thema persönlicher Schuld, Reue, Sühne, Vergebung – ja, nein, unter welchen Bedingungen, Wiedereingliederung … alles an einem konkreten Fall festgemacht vor und provoziert Emotionen, Fragen und Antworten – aber schlussendlich führt er uns dennoch in die Irre, weil die Diskussion viel zu oberflächlich, am eigentlichen Thema vorbei geht. Wir bedürfen alle der Vergebung, ob wir nun an einen Gott glauben oder nicht ist dabei irrelevant. Wer ist bestellt zu Richten? Wer hat das moralische Recht? Darf ein Mörder Pfarrer werden? Falsche Frage … als ob dies hinsichtlich der Frage von Schuld, Reue, Sühne, Vergebung auch nur im Ansatz eine Rolle spielen würde.

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      Ernst 6. Februar 2014 at 11:04 .

      Hallo Ingo,
      ich begreife wenn Sie meinen, dass der Film am Thema vorbeigeht. Und Ihr Grund dieser Kritik mag daran liegen, dass Sie in Ihrem Verständnis von Schuld und Sühne wesentlich weiter sind als viele anderen Menschen. Ich finde diesen Film wichtig und gut, damit Menschen einen ersten Schritt in die Richtung machen, bei der Sie schon angekommen sind. Danke, dass es Sie gibt.

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    DieterM 5. Februar 2014 at 23:23 .

    Die Testfrage an welchen Gott ich glaube ist für mich immer diese:
    Würde/ haette er auch Hitler vergeben ???
    Genau da scheiden sich die Geister…
    Ich denke, dass viele da genauso schnell wie sie den Mörder verurteilen nichts mit diesem Gott zu tun haben wollen…
    Und leider bezeugt die Bibel genau diesen Gott, der dem vergibt, der umkehren will und der keinen Unterschied macht zwischen Steuersuendern, Mördern und Politikern, weil sie nach dem Neuen Testament alle Sünder sind und der Vergebung bedürfen…
    …wozu es uebrigens eigentlich keiner Kirche und keines Priesters bedarf..
    Im uebrigen…
    Wunderbarer Film,
    Gratulation, dass so etwas wertvolles im TV noch gesendet werden darf.

  18. avatar
    Ingrid 5. Februar 2014 at 22:31 .

    Der Film hat mir gezeigt und fühlbar gemacht, was es bewirken kann, wenn man(ich) Menschen, egal welchen Alters, ernst nimmt und sich selbst traut offen auf sie zuzugehen.
    Ich glaube, es lohnt sich, das tagtäglich zu probieren!
    Als Mensch, Christin und Erzieherin bin ich,hoffentlich ausreichend, tägich dabei!?

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      Christiane 5. Februar 2014 at 22:34 .

      Liebe Ingrid,
      danke für Deinen Kommentar. Magst Du ein bisschen mehr über Deinen Glauben erzählen? Wie genau lebst Du ihn?
      Herzliche Grüße
      Christiane

      1. avatar
        Ingrid 5. Februar 2014 at 23:34 .

        Liebe christiane,
        mir ist das Glauben von Gott an sie/ihn/egal, wohl geschenkt worden. Meine Großmutter hat mich mit ihrer ehrlichen, weltoffenen Art geprägt, genau wie meine Eltern. Nie wurde ich eingeengt im Denken und Entwickeln meiner Haltung. Aber Angebote habe ich bekommen und anscheinend zum richtigen Augenblick nutzen können. Ich bin in eine evangelische Schule, Wichernschule in Hamburg, gegangen. Mein Vater hat sich in den Kirchenvorstand unserer Gemeinde wählen lassen, woraufhin ich die unterschiedlichsten Einblicke in die Institution Kirche erhielt und später selbst im Kirchenvorstand meiner Gemeinde aktiv die Jugendarbeit untertützte.Die Macken, Machtgelüste und was es sonst noch bei Menschen gibt habe ich dort wahrgenommen. Meinen Kindern konnte ich anscheinend ein ganz gutes Vorbild sein jedenfalls sind sie fröhlich und tolerant. Meinen Glaube an die Menschen und an Gott kann nichts erschüttern. Dafür bin ich echt dankbar!

        Gute Nacht und liebe Grüße

        Ingrid

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          Eva 8. Februar 2014 at 15:49 .

          Schönes Zeugnis. Danke. Grüße innerhalb Hamburgs.

  19. avatar
    Christian 5. Februar 2014 at 22:07 .

    Vor der Vergebung steht das Bereuen. Davon war im Film nicht die Rede. Schade

    1. avatar
      Olaf 5. Februar 2014 at 22:09 .

      naja, das fand ich von den beiden Hauptdarstellern gut gespielt…

      Wie soll ein pathologisches Subjekt Reue „spielen“…

      Meines Erachtens eine der Kernaussagen des Films…

      1. avatar
        Peterg 5. Februar 2014 at 22:15 .

        Hat er wirklich bereut? Ich fand die Wendung sehr plötzlich am Ende. Warum hat er seine Show nicht durchgezogen. So einer wie er ändert sich doch nicht plötzlich.

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        Christian 5. Februar 2014 at 22:33 .

        Das „pathologische Subjekt“ ist aber im „echten Leben“ Pfarrer geworden. Bleibt zu hoffen, dass der echte Pfarrer anders mit seiner Vergangenheit umgegangen ist. Und wenn das tatsächlich der Fall ist, dann bringt er Erfahrungen mit, die ihm sicherlich sehr hilfreich sein können.

    2. avatar
      Christiane 5. Februar 2014 at 22:12 .

      Aber hat er nicht bereut? Jedenfalls zum Schluss?

      1. avatar
        Olaf 5. Februar 2014 at 22:16 .

        Die Süffisanz seiner Körprsprache fand ich angemssen… ein kranker Straftäter, welcher die maximale Härte des Gesetzes (=Gesellschaft… meinetwegen auch „Kirche“) erfahren muss…

      2. avatar
        Christian 5. Februar 2014 at 22:27 .

        @ Christiane, Reue war, wenn überhaupt, nur angedeutet am Ende. Es war aber nicht Thema des Films. Es war immer nur von Vergebung die Rede, als müsse Gott oder die Kirche einfach mal so vergeben. Hat sich der Täter wirklich mit seiner Schuld auseinandergesetzt? Er hat doch vielmehr ständig versucht, nicht darüber zu sprechen. Dies wäre für mich, sollte ich darüber befinden, ob er Pfarrer wird, entscheidend.

    3. avatar
      Ernst Ludwig Ganzert - Produzent von "Der Prediger" 5. Februar 2014 at 22:36 .

      Jan Josef Geißler bereut am Ende, getötet und nicht früher zu Gott gefunden zu haben. Es war ein langer Weg für ihn dorthin, aber er ist ihn gegangen. Wer ihm auf dem Weg zur Reue geholfen hat, seine Gespräche mit Remberg, die Bibel, die Begegnung mit den Eltern des Opfers, mit dem Leid, bleibt offen. Dass Reue Voraussetzung für Vergebung ist, dürfte ohne Zweifel sein.

  20. avatar
    Klaus 5. Februar 2014 at 22:00 .

    Es ist wohl schwierig mit so einem Gott – der zwar ein Gebot erlässt „Du sollst nicht töten!“, aber selbst mordet was das Zeug hält, Massenmorde begeht, unschuldige Kinder mordet, aufhetzt zum Völkermord – über Vergebung und Sühne zu sprechen. Ich glaube, dass die Monotheisten zu einem falschen Gott beten.

    1. avatar
      Thorsten Neumann - Produzent von "Der Prediger" 5. Februar 2014 at 22:08 .

      Die Frage, ob er Pfarrer werden darf oder nicht, ist die eine Seite der Medaille aus der Sicht einer großen Institution. Aber geht es nicht auch darum, wie wir selbst dazu stehen, wenn etwas nicht wieder gutzumachendes geschehen ist? Wenn jemand Strafe verbüßt hat, welche Chancen hat er noch in der Gesellschaft?

      1. avatar
        Peterg 5. Februar 2014 at 22:48 .

        Wäre es nicht viel wichtiger „aktiv“ zu werden, um irgendwann verziehen bekommen zu können. Das heißt, sich bei der Familie entschuldigen. Etc. Anderen Menschen helfen – ohne gleich die Privilegien eines Pfarrers zu bekommen.

        1. avatar
          Thorsten Neumann 5. Februar 2014 at 22:54 .

          Ich glaube, es gibt Verbrechen, die kein einzelner Mensch vergeben kann. Schließlich ist ein Leben beendet worden. Natürlich wäre es schön, wenn echte Reue da ist, und ein Geschädigter vergeben kann. Aber ich denke, das darf man den Opfern nicht zumuten, dass man das von ihnen erbittet. Ich würde da ganz schön negativ reagieren, glaube ich. Die Vergebung, die ein Gläubiger Mensch spürt, ist eine Sache zwischen Gott und ihm selbst.

  21. avatar
    Matthias 5. Februar 2014 at 21:58 .

    Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: „Du sollst nicht töten; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein.“ Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha! der ist des Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr! der ist des höllischen Feuers schuldig. (Matthäus 5,21f). Demzufolge: ja.

    1. avatar
      Michael 5. Februar 2014 at 22:19 .

      Ja, auch wenn es auf den ersten Blick überraschend ist.
      Aber auch Paulus war vorher ein Mörder – und eben Saulus.
      Daß zur besten Sendezeit ein solch anspruchsvoller Film
      zum Thema Schuld usw. im Fernsehen heute laufen kann,
      ist hoffentlich irgendwie sogar ein schönes Zeichen für unsere
      Öffentlichkeit, ob sie sich nun atheistisch oder christlich oder
      jüdisch oder muslimisch bezeichnet.

      1. avatar
        Olaf 5. Februar 2014 at 22:26 .

        DANKE Michael!!!

        Irgendwo/irgendwann hat mal jemand das „wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein“ geschrieben…

        Wir haben einen Staat mit Gesetzen… eine Straftat wird dadurch geahndet… wird sie dadurch menschlich getilgt ? Ich weiss es nicht?!?

        Welchen Wert hat/hätte eine Absolution durch eine kirchliche Instanz… mag sein, dass dies manchen wichtig ist

    2. avatar
      Ernst 6. Februar 2014 at 11:11 .

      Hallo Matthias,
      dass nenne ich gute biblische Logik. Und stimme dem 100 % zu. Dennoch wird es ein weiter Schritt sein, bis (Christen-)Menschen diese Prinzip „Wir sind alle im gleichen Boot“ erkennen und umsetzen. Ich vermute, dass in uns Menschen der Drang noch zu groß ist, mit dem Zeigefinger auf andere zeigen zu müssen, um uns selbst zu entlasten. Aber, so meine Vermutung richtig ist, ist auch dieses Verhalten OK. Nämlich menschlich.

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    Thomas 5. Februar 2014 at 21:57 .

    Erstmal: Guter Film mit richtig starken Darstellern. Kompliment Lars Eidinger und Devid Striesow. Klasse gespielt.
    Zum Thema: Die Tatsache, dass die Kirche darüber diskutieren muss, ob man verzeiht, ist einer der Gründe, warum ich diesen verlogenen Club verlassen habe.
    Ist Verziehen nicht ein elementarer Teil des christl. Glaubens? Warum also müssen dann die Repräsentanten dieses Vereins dann, wenn sie diesen Glauben für alle sichtbar vorleben können, noch darüber diskutieren, ob sie überhaupt verzeihen wollen? Und diese Menschen wundern sich noch, wenn immer mehr Menschen ihren Verein verlassen?
    Das Thema des Films dürfte für die Vertreter der Kirche überhaupt keine Frage sein, sondern einfach ein klares JA.

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    JB 5. Februar 2014 at 21:57 .

    Einige der großen Gestalten der Bibel waren Mörder. Mose (er erschlug einen Ägypter), David (er tötete den Mann seiner schönen Nachbarin, mit der er ein Kind gezeugt hatte), indirekt auch Paulus (er war beim Tod des Stephanus anwesend und bewachte die Siebensachen der Mörder, er sagt später von sich, daß er Gefallen am Mord gehabt habe).
    Insbesondere Davids Psalmen lassen erkennen, was Buße, Umkehr und Vergebung bedeuten.

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    Sepp 5. Februar 2014 at 21:55 .

    Der Film war Schwachsinn und das dauernde Gesülze über einen Gott, der existieren würde und verzeiht, ist leicht zu durchschauen und soll wohl vordergründig die Verbrechen der Kirche reinwaschen. Ob Mörder Priester werden dürfen ist wurscht. Ich bin der Meinung (Änderung der Redaktion), dass Priester Mörder und Kinderschänder sind und unzählige Kinder in den Selbstmord getrieben haben und die Kirche mit ihrer Vertuschungspraxis dies weiter tut!

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      Christiane 5. Februar 2014 at 22:31 .

      Aber hat der Film nicht auch gezeigt wie schwierig das Phänomen „Glaube“ und „glauben“ ist? Was ist das eigentlich? Was ist daran echt? Wie leicht kann man sich hinter einem angeblichen Glauben verstecken – mit allen Vorteilen, die das mit sich bringt.

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        Olaf 5. Februar 2014 at 22:44 .

        naja… VORTEILE….

        einen „Glauben“ zu leben oder sich verstecken…. geht es dabei um Vorteile?

        Opportunistisch (wie der Täter) selbiges zu nutzen… UND es zuzulassen, dass die Eltern ein weiteres mal leiden mussten…

        danach halbherzig zu „bereuen“…

        DAS war für mich Signal des Films… lasst uns die „OK-opportunistische Kirche“ gründen … SORRY (will niemenden verletzen)

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      Edgar 5. Februar 2014 at 23:02 .

      Es wurde m. E. an einigen Stellen schon etwas zu dick aufgetragen, aber man sollte auch bedenken, dass es ein Film ist, keine Dokumentation.

      Vergebung entsteht nur aus tätiger (=aktiver!) Reue, nicht aus einem bloßen Anerkenntnis der Schuld, die man auf sich geladen hat.. Von daher hat JJG am Ende des Films nicht mehr getan als den ersten Schritt, indem er nicht nur RR seine Schuld gesteht, sondern auch ankündigt, auf eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu verzichten, die ihm vermutlich durch das Geschick seines Anwalts einen Freispruch eingebracht hätte.
      Er stellt sich also seiner Tat und nimmt die Konsequenzen bereitwillig auf sich, obwohl er sie wohl vermeiden könnte.

      Kann ein solcher Mensch nach Verbüßung seiner Tat Priester werden? Die Frage ist deutlich schwieriger zu beantworten als die Frage, ob Gott einem Menschen seine Blutschuld vergeben kann, denn da lautet die Antwort eindeutig, dass dies unter bestimmten Umständen möglich ist. Ich bin so ehrlich, einzugestehen, dass ich mich nicht sonderlich wohl bei dem Gedanken fühlen würde, einen rechtskräftig verurteilten Mörder als Gemeindepfarrer zu haben. Andererseits sagte Jesus, dass Gott mehr Freude empfindet über einen Sünder, der aufrichtig bereut und Buße tut als über zehn Gerechte im Himmel.

      Die Frage ist also nicht, ob Gott vergeben kann, sondern ob wir vergeben können. Nicht nur unseren Mitmenschen, sondern auch uns selbst, in unserem tiefsten Inneren.

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      Ernst 6. Februar 2014 at 11:33 .

      Hallo Sepp,
      Du empörst Dich. Vielleicht auch zu Recht. Aber stell Dir mal vor, Du hast Recht – die Kirche und der Film ist verlogen … Ist es dennoch nicht ein netter Gedanke, dass Menschen sich ändern können, sei es mit Gott oder ohne? Auch wenn Sie sagen „Menschen können sich nicht so verändern“, wäre es nicht ein schöner Traum? Ich persönlich träume gerne. Unsere ganzen Wissenschaften sind vorhanden, weil der Mensch träumt … Ihc wünsche, auch Sie mögen von Schönem in dieser manchmal schlimmen Welt träumen ..

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    Peterg 5. Februar 2014 at 21:50 .

    Ist die Frage wirklich – darf ein Mörder Pfarrer werden. Sollte es nicht vielmehr heißen, was hat die Kirche da zu richten? Wieso wird sie als Moralinstanz bei einem weltlichen Verfahren ernst genommen? Ob jemand ein Recht auf ein neues Verfahren hat, sollte doch nur Frage von Recht und Ordnung sein, nicht Frage der Kirche. Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter. Warum wurde das im Film nicht thematisiert? Wollte da jemand die Kirche gut weg kommen lassen?

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      Sepp 5. Februar 2014 at 22:16 .

      Das sehe ich auch so! Der Film ist sicher von der Kirche lanciert und soll ihr zuschreiben, noch ein moralisches Mandat zu haben, das sie nach den sexuellen Übergriffen und deren noch immer andauernde Vertuschung längst verloren hat. Siehe heutigen UNO Bericht zum Missbrauch.

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      Thorsten Neumann 5. Februar 2014 at 22:40 .

      Das war ganz sicher nicht die Intention des Films. Hier geht es um die eigene Verantwortung, wenn etwas Unwiderrufliches geschehen ist. Wie ist dann ein Weiterleben möglich? Das ist ganz persönlich und sollte nicht für eine Institution gelten. Viele strukturelle Fehler haben Missbrauch möglich gemacht. Es gibt dafür viele Verantwortliche. Diese Fälle gibt es in Kirchen, aber auch in viele andere Institutionen.
      Im Film geht es allein um persönliche Schuld. Und für mich ist da auch die Frage, wie unsere Gesellschaft mit Schuldigen nach einer Haftstrafe umgeht. : welche Chance sollen Straftäter nach Verbüßung ihrer Strafe haben, ist ein Neuanfang möglich?

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    Anna 5. Februar 2014 at 21:45 .

    Geistreicher Film. Ok, wir halten fest – er hat sie umgebracht und heute ist er Pfarrer. Ist ihm damit vergeben?

    1. avatar
      Olaf 5. Februar 2014 at 21:50 .

      Hmmm… ich war nach dem Film der Meinung, dass hier einige Kommentare losgehen… aber es gibt wohl mehrere Meinungen, oder ich bin „HIER“ falsch… umd darüber zu diskuttieren…

      1. avatar
        Christiane 5. Februar 2014 at 21:56 .

        Lieber Olaf, natürlich bist Du hier richtig. Hast Du eine Frage zum Film?
        Herzliche Grüße, Christiane

        1. avatar
          Olaf 5. Februar 2014 at 22:01 .

          Hallo Christiane,

          Frage(n) habe ich wenige… ich sehe die „Kirche“ eher als eine „Institution“ dieser Gesellschaft..

          Mir ist recht egal, wer woran glaubt, meines Erachtens soll und muss die Kirche einiges an der eigenen Moral und Wertvorstellung machen; offensichtlich ist dazu in den vergangenen Jahren einiges schief gelaufen.

          Es soll Menschen geben, welche die Werte der „Kirche“ ernsthaft brauchen… obwohl christliches Handeln und Denken meiner Meinung nach keiner solchen Institution braucht…

          1. avatar
            Christiane 5. Februar 2014 at 22:09 .

            Wenn wir die Kirche mal weglassen. Hört dann das Glauben auf? Oder geht es vielleicht ohne sie weiter? Wie siehst du das?

          2. avatar
            Olaf 5. Februar 2014 at 22:14 .

            GROSS Worte… Glauben, Kirche, Gott… wer’s mag…

            Ich definiere „christliche“ Werte als Teil unser Gesellschaft… bin auch sicher, dass „solch Institutionen“ vilen Menschen Halt geben, was auch gut ist.

            Verzeihen und vergeben kann man/frau sicher in fast jeder Situation, wenn der „Sünder“ Einsicht zeigt und an eigenen Fehlern arbeitet

          3. avatar
            Christiane 5. Februar 2014 at 22:25 .

            Grosse Worte für wichtige Themen. Und warum sollten wir aufhören darüber zu sprechen, wenn sich immer weniger Menschen der christlichen Kirche zugehörig fühlen? Was gibt Halt, wenn man sich nicht mehr einer „solchen Institution“ zugehörig fühlt. Das interessiert mich. Und über allgemeine Überzeugungen wie Humanismus etc. hinaus. Ganz konkret.

          4. avatar
            Olaf 5. Februar 2014 at 22:37 .

            @brChristiane…

            Ich denke, unsere Gesellschaft befindet sich seit Jahren im Wandel…. Die „Kirche“ (egal ob kath, ev. oder islam, orthodox, etc) sollte m.E. Werte spiegeln.

            Brauche ich ein „Haus mit hohem Turm“ um zu wissen, wann und wie ich moralisch gut handel? Ich denke nicht!

            NATÜRLICH bieten solche „Häuser“ vielen Menschen Hilfe im Alltag… und das ist gut so

            Die „kirche“, welche viele auf der Lohnabrechnung sehen, halte ich für ein falsches Modell…. „Führungskräfte“ dieses Genres haben in dn letzten Jahren Vertrauensvorschuss von ca 2014 Jahren verspielt…

          5. avatar
            Christiane 5. Februar 2014 at 22:44 .

            Was wäre aus Deiner Sicht die bessere Alternative? Ich meine das jetzt als ehrliche Frage: Woran lohnt es sich in unserer heutigen Zeit zu glauben? Woran glaubst Du?

          6. avatar
            Olaf 5. Februar 2014 at 22:52 .

            Christiane 5. Februar 2014 at 22:44 . Permalink

            Was wäre aus Deiner Sicht die bessere Alternative? Ich meine das jetzt als ehrliche Frage: Woran lohnt es sich in unserer heutigen Zeit zu glauben? Woran glaubst Du?

            Christiane – wieso Alternative? Warum soll Glaube und Kirche zwingend zusammen gehören?

            ich bin weder Freund noch „Feind“ der etablierten Kirchen… habe Pfarrer/Priester erleben dürfen/müssen… manche waren tolle Menschen… andere weniger

            Auch wenn ich bewusst keiner Kirche angehöre, halte ich die Werte wichtig, welche durch selbige publiziert werden… machen selbstverständliche Werte deshalb die Kirche(n) wertvoll???

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            Christiane 5. Februar 2014 at 23:00 .

            „Auch wenn ich bewusst keiner Kirche angehöre, halte ich die Werte wichtig, welche durch selbige publiziert werden… “
            Welche konkreten Werte sind das für Dich? Und: Glaubst Du auch ohne Kirche an Gott? Falls nicht – woran dann?
            P.s. Ich möchte hier gar nicht urteilen ob die Kirche „wertvoll“ ist oder nicht. Mich interessiert woran die Menschen glauben – ob nun mit Kirche oder ohne, ob nun mit Gott oder nicht.

          8. avatar
            Olaf 5. Februar 2014 at 23:11 .

            Christiane 5. Februar 2014 at 23:00 . Permalink

            “Auch wenn ich bewusst keiner Kirche angehöre, halte ich die Werte wichtig, welche durch selbige publiziert werden… ”
            Welche konkreten Werte sind das für Dich? Und: Glaubst Du auch ohne Kirche an Gott? Falls nicht – woran dann?
            P.s. Ich möchte hier gar nicht urteilen ob die Kirche “wertvoll” ist oder nicht. Mich interessiert woran die Menschen glauben – ob nun mit Kirche oder ohne, ob nun mit Gott oder nicht.

            Christiane – braucht es eine Kirche, um an „Gott“ zu glauben – ich denke NICHT

            Menschen sind soziale Wesen, dafür braucht es wohl sowas wie „spielregeln“… andere nennen es Gesetze….

            Aber zurück zum Film… Woher diese Pacht auf MORAL… ist ein Priester ein besserer Mensch? Blödsinn!!! Jeder sozial engagierte Mensch steht auf selbiger Stufe, wenn es selbstlos geschieht; vollkommen egal ob mit Studium und/oder (ggf ohne) Anerkenntnis einer Institution wie einer Kirche.

            Ein Mörder ist ein kranker Mensch, der vor sich selbst und die Gesellschaft von selbigem geschützt werden muss…. Krankheiten kann man heilen, und wenn es zig Jahre dauert. Moralisch verwerfliche „Ideale“ werden leider in der heutigen Zeit glorifiziert…

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      Thorsten Neumann - Produzent von "Der Prediger" 5. Februar 2014 at 22:01 .

      Ich glaube, Vergebung ist nicht etwas, was wie eine Mechanik funktioniert. Er ist Pfarrer und deswegen ist ihm vergeben, das funktioniert bestimmt nicht.
      Das geschieht erst, als er sich wirklich am Ende seiner Schuld stellt. Er hat sich also eingestanden: ja ich bin wirklich Schuld an dem Tod eines Menschen. Die Vergebung Gottes kann er erst da wirklich für sich annehmen.

    3. avatar
      Ernst Ludwig Ganzert - Produzent von "Der Prediger" 5. Februar 2014 at 22:13 .

      Ob er Vergebung erfahren hat, wird er am Ende nur selbst wissen. Und Gott. Die Institution Kirche und die Menschen, die dort arbeiten, haben ihm nur geholfen, den Weg dorthin zu finden. So würde ich das sehen.

      1. avatar
        Peterg 5. Februar 2014 at 22:54 .

        Warum braucht es die Kirche auf dem Weg dorthin? Ist ein echter menschlicher Wandel nicht ehrlicher, wenn er aus sich heraus geschieht und statt in ein religiöses Leben in ein Leben führt, in dem der Dienst am anderen Menschen über allem steht. Und damit meine ich jetzt nicht Pfarrer sein. Es gibt zu viele Pfarrer, die nur an sich selbst und an Gott denken – aber eben nicht an die Mitmenschen.

  27. avatar
    heike 5. Februar 2014 at 20:44 .

    Sündenvergebung ist kein Reinwaschprinzip… Gott hasst die Sünde. .. aber nicht den Sünder. Und wenn Vergebung ernst gemeint ist, muss sie für JEDEN gelten. Buße ist notwendig dazu. Und Buße heißt eigene Fehler wirklich zu erkennen. Gott sei Dank beurteilt das Gott und nicht der Mensch.
    Allerdings weiß ich nicht, ob ein Pfarrer jegliche Sünde schon mal begangen haben darf…. wegen der Gemeinde, nicht wegen Gott.

  28. avatar
    Ernst 4. Februar 2014 at 17:30 .

    Hallo Lilalisa, ob die Kirche ein „Reinwasch-Prinzip“ verkündigt, bin ich nicht sicher. Wenn ein Mörder nicht in den Himmel kommt, wie ist es dann mit einem Bankräuber, einem kleinen Gauner, einem Durchschnittsmenschen, der manchmal viel Mist macht, oder einen höchst moralischen Menschen, der jedoch nicht an einen Gott glaubt? Und, falls Jesus wirklich recht hat, indem Gott alle Menschen dieser Erde, egal welcher Hautfarbe, nationalität oder moralischen Anstandes, als seine Kinder ansieht, warum sollte er einige seiner Kinder im Himmel holen, und andere Kinder nicht?

    1. avatar
      lilalisa 4. Februar 2014 at 18:10 .

      1) Verkündigt die Kirche ein „Reinwasch-Prinzip“ – nun, wenn dann doch jeder in den Himmel kommt, der beichtet und sich zu Gott bekennt, dann ja irgendwie schon, oder? Ich dachte immer das Konzept der Sünde ist vor allem wichtig, damit man eine Orientierung hat wie man sich richtig oder falsch verhält – mit der dazugehörigen Strafe „Fegefeuer“. Wenn ein bisschen beichten genügt und die Sünden sind vergeben…..nun dann kann man doch erst nach Lust und Laune sündigen und hinterher beichten, dann ist alles wieder gut.
      2) Warum holt Gott einige seiner Kinder in den Himmel und andere nicht? – Nun aus meiner Sicht sollte er natürlich alle holen (wenn es ihn denn gibt, woran ich doch sehr zweifle, aber das hier am Rande). Und die Menschen sollten sich auch unabhängig von ihm gut verhalten. Aber weil wir Menschen eben nicht immer gut sind, brauchen zumindest viele von uns eben eine äußere Begrenzung – und das funktioniert aus meiner Sicht nur, wenn man so ein bißchen Angst hat vor dem Fegefeuer. Sonst macht das ganze Sündenkonzept keinen Sinn und man kann es gleich weglassen.

  29. avatar
    De Benny 4. Februar 2014 at 17:23 .

    Also wer schon an den ganzen Sünden-Kram glauben möchte, der sollte dann auch die ganze bittere Pille schlucken: Wer sündigt kommt nicht in den Himmel.

    Daß Du das nicht verstanden hast, glaub ich Dir. So ist das nämlich grundfalsch.

    Sich dann durch Absolution wieder “reinzuwaschen” ist doch dann eine Mogelpackung.

    Man wird nicht durch die Absolution reingewaschen. Die Absolution bekommt man, wenn man bereut und Buße tut, im katholischen KOntext spricht man von einer „Zerknirschung“, wenn ich recht informiert bin.

    Und die ganze Sache ist eigentlich recht genial.

    Entweder man glaubt an die Geschichte mit der Sünde gar nicht erst. Dann ist halt alles irgendwie schon okay und erklärbar. Oder hinzunehmen. Dann kann man nicht mehr sagen, ein Mord wäre falsch (=Sünde) oder sonst ein Übel. Man würde das Böse in der Welt nicht mehr als solches bezeichnen können (wenn Du jetzt schlimme Tat statt Sünde sagst benutzt Du nur einen anderen Begriff, das ändert aber nichts, dann bist Du immer noch im Sünden-Denken).

    Die andere Möglichkeit ist, daß man die Sünde – das Böse – ernst nimmt, als wirklich schlimme Sache. Und zwar nicht nur Mord, sondern auch Diebstahl, Lügen, was immer Dir einfällt. Dann hast Du aber das Problem, daß so ziemlich jeder davon betroffen ist. Dann müßte ja jeder mit schlechtem Gewissen rumlaufen. Und man könnte auch jeden mobben wegen seiner Sünden. Momentan tut man das gerne bei Bankern, zum Beispiel. Man versucht sich auch da rauszuwinden indem man sagt: Ich bin ja nicht so schlimm, ich habe nur gestohlen, nicht gemordet, oder nur gelogen, nicht gestohlen etc… Diese Möglichkeit ist also auch nicht sehr praktisch, entweder man macht sich was vor, oder man erhebt sich ungerechtfertigter Weise über die anderen, oder man macht sich selbst fertig aufgrund seiner Taten.
    Was meinst Du wie ein Mörder, der wirklich bereut, unter seiner Tat leidet? Wie ginge es Dir wenn Du wüßtest, Du hast jemanden umgebracht?

    Der Ausweg liegt in der Vergebung: Man bereut und bekommt Vergebung zugesprochen. Damit ist nicht alles wieder gut. Das Übel ist in der Welt, das Opfer getötet oder bestohlen, es hat zu Leid geführt, das man – selbst bei Lügen – nicht mehr ganz aus der Welt schaffen kann. Aber man hat die Möglichkeit zu einem Neuanfang. Das ergibt nur Sinn, wenn man wirklich von Herzen bereut. Ansonsten ist es fromme Übung, um irgend einem Bild zu entsprechen. Das gibt es sicher auch, aber davon rede ich nicht.

    Und von daher gedacht ist es für mich schon verwunderlich, daß die Frage gestellt wird: Natürlich kann ein Mörder Pfarrer werden. Wieso auch nicht?

    Die andere Frage ist, ob er auch in den Job übernommen wird. Von einer christlichen Gemeinde ist zu erhoffen, daß auch sie die Vergebung aufbringt, aber nicht jeder ist überall einsetzbar. Da spielen dann gewöhnliche menschliche Ängste mit, die ja auch begründet sein können (was, wenn er nochmal mordet?). Aber das trifft auf jeden anderen Beruf auch zu. Ein Pfarrer ist kein „besserer“ Mensch als andere, deshalb kann auch jeder Pfarrer werden, der die Voraussetzungen erfüllt. Umso mehr, wenn er eine Berufung verspürt.

  30. avatar
    lilalisa 4. Februar 2014 at 12:38 .

    Also dieses Reinwasch-Prinzip hab ich noch nie kapiert. Also wer schon an den ganzen Sünden-Kram glauben möchte, der sollte dann auch die ganze bittere Pille schlucken: Wer sündigt kommt nicht in den Himmel. Sich dann durch Absolution wieder „reinzuwaschen“ ist doch dann eine Mogelpackung.

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