Leserzuschrift der Woche: Die Fotoserie „The Holy Trade“

Holy-Trade-1 Janosch Boerckel ist Fotografie-Student aus Bielefeld und wurde während eines Spaziergangs über den Flohmarkt auf das Thema „Glauben“ aufmerksam. An vielen Tisch verkauften die Leute religiöse Objekte – manche von ihnen waren überaus skurril. Janosch nahm das zum Anlass, eine wunderbare Fotoserie mit dem Namen „The Holy Trade“ zu beginnen. Hier gibt es die ersten Bilder daraus zu sehen.

Das sagt Janosch selbst über sich und seine Bilder: Ich habe mich in meiner Arbeit „The Holy Trade“ mit der ursprünglichen Form des Glaubens auseinander gesetzt, und zwar der Religion. In meiner Generation ist der religiöse Glaube veraltet und die Konfessionslosigkeit steigt von Tag zu Tag an. Wenige Jugendliche wenden sich der Religion zu. Das Interesse an ihr ist sehr gering, es findet ein wahrer Wandel statt. Das Zeitalter der digitalen Medien ist hierfür mitverantwortlich. Das Christentum hat hierzulande immer eine Zugehörigkeit geschaffen. Gemeinden und Gruppierungen entstanden unter den Jugendlichen in Jugendgruppen, organisierten Freizeitaktivitäten oder Zeltlagern. Heutzutage findet man Gruppierungen in den sozialen Medien wieder, sei es via Facebook oder Whats app. Die Kirchengemeinde ist somit außen vor und völlig uninteressant.

Janosch Boerckel

Janosch Boerckel (Foto: Tim Dechent)

Ich selbst bin in meiner Kindheit in die so genannte Gruppenstunde meiner katholischen Jugend gegangen und jeden Sommer ins Zeltlager gefahren. Mit dem Teenageralter verlor ich das Interesse an diesen Aktivitäten, weil die Schule wichtiger wurde und die Kirche langweiliger. Als ich eines Tages eine Einladung zur Firmung im Briefkasten hatte, musste ich über die Antwort nicht lange nachdenken und bin somit bis heute nicht gefirmt. Während die Entfernung zur Religion wächst, wächst bei mir auch die Vorstellung des eigenen Glaubens. Für meine Arbeit gab es zwei Ansätze, die mich interessiert haben. Die erste Frage, die ich mir gestellt habe: „Wie verkauft sich Religion heutzutage?“. Die Zweite: „Welchen Charakter haben religiöse Objekte auf uns Menschen?“ Diesen zwei Fragestellungen bin ich auf verschiedenen Flohmärkten in Deutschland nachgegangen, auf denen man authentische, unverfälschte Menschen und deren Objekte vorfindet. Und es stellte sich immer wieder dieselbe Frage: „Wieso verkaufen Sie das?“ Eine weitere Frage nach dem ersten entwickelten Filmmaterial kam auf : „Wer kauft diese Gegenstände und werden Sie überhaupt gekauft?“ Immer mehr musste ich feststellen, dass man so einfach kein Urteil fällen kann und die Thematik durchaus komplexer und umfangreicher ist als gedacht. Somit stehe ich mit den jetzt produzierten Fotos am Anfang einer Bildstrecke, die versucht, manche Fragen zu stellen – und einige von ihnen auch zu beantworten.

Wie findet Ihr die ersten Bilder von Janoschs Fotostrecke? Was bedeuten Euch religiöse Objekte? Schreibt uns und diskutiert mit uns und mit Janosch!

Wir bleiben dran und verfolgen weiter, was Janosch mit seinem Fotoprojekt heraus findet. Neue Bilder folgen bald.

Wer jetzt schon mehr Bilder von Janosch Boerckel sehen und mehr über ihn wissen will – hier geht es zu seiner Webseite: www.jb-photo.de

Bildrechte: Janosch Boerckel

7 Kommentare

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    Rolf 21. Juli 2014 at 08:45 .

    Ja so friedlich hängt er da an der Wand, unser Heiland. Ganz ruhig. Nur wenn wir Ihn in unser Herz lassen, dann gibts aufruhr.

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    Rolf 12. Juli 2014 at 10:45 .

    Hallo Janosch.
    Ich bin heute über einen Trödl-Flohmarkt gegangen und wie auf Deinen Bildern nach Zeichen des Glaubens zum verkauf geschaut.
    Es gibt reichlich, Kreuze, Bilder, Engel, Buddha, Ikonen. Ein bunter Mix der Weltreligionen.
    Die Devotionalien des Glaubens nicht mal mehr als Schmuck im eigenem Heim erwünscht. Und wohl auch nicht als Erinnerungs-Mahnstück was der Glaube von einem fordert.

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    Rolf 10. Juli 2014 at 09:38 .

    Glaube im Wandel?

    Wir Kinder der Neuzeit nach dem II. Vatikanischem Konzil kennen nur diese veränderte Kirche und ihre Haltung zur Welt. Die Kirche davor hat auch anders Ausgesehen, hatte ander Einstellungen und Vorstellungen von sich und den Gläubigen. Und das geht schon seit der Zeit der Apostel so- allein die Aufspaltung der Christen in römisch-katholisch, lutherisch-evangelish, russisch-und griechisch Ortodox, Kopten oder Arianer zeigt die Vielfältigkeit des Christlichen Glaubens.
    Wir betrachen heute die Ikonen der Ostkirche mit Anerkennung, trotzdem waren die Bilddarstellungen eine zeitlang im byzantinischem Kaiserreich verboten, getreu 2.Mose 20-4
    Du sollst dir kein Gottesbild anfertigen. Mach dir überhaupt kein Abbild von irgendetwas im Himmel, auf der Erde oder im Meer.
    Trotzdem kann man auf den Bildern von Janosch die religiöse Volkskunst sehen.
    Unsere schönen, bunten Kirchenfenster dienten einst dazu den vielen analphabeten die Geschichten der Bibel und deren Akteure darzustellen.
    Die Weihnachtskrippe verfolgt das gleiche Ziel. Das geschehen der Bibeltexte den Menschen nahe bringen. Zur Zeit läuft eine Sonderaustellung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, Die Gumbertusbibel-Bilderpracht der romanik
    ( http://www.gnm.de/ausstellungen/aktuell-und-vorschau/die-gumbertusbibel/ )
    So sehr ich die Zielsetzung achte, dem unkundigen die Bibel zu vermitteln, so sehr frage ich mich auch ob dies in Gold und Silber geschehen muss?
    Vielleicht sind all die Kreuze, Bilder, Anhänger, Hausaltäre und Skulpturen eine Mahnung/Erinnerung. Ein erinnern an die Richtschnur, Moral, Wertvorstellung der Bibel die den Menschen Orientierung geboten hat. In unserer Welt -und gerade in Deutschland- wird versucht dies haarklein durch Gesetzte und Verordnungen zu regeln. Von daher ist die „Neue Bibel“ vielleicht das Gesetztbuch, welches ohne Bilder und Darstellungen auskommt

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    Janosch Boerckel 28. Mai 2014 at 16:44 .

    Hallo Julia,

    ich stimme dir auf ganzer Linie zu, das der Wandel etwas gutes, etwas neues mit sich bringt und bringen muss. Es ist eine interessante Entwicklung. Wie ich im Text beschrieben habe ist meine Vorstellung vom eigenen Glauben mit der Entfernung zur Religion gewachsen. Diese Veränderung und der eigene Gedanke von einem Glauben ist für jeden sehr wichtig, denn wie du beschrieben hast ist Glauben immer auch eine Sinnsuche.

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    Janosch Boerckel 28. Mai 2014 at 16:12 .

    Hallo Steffi,
    schön das dir die Fotos gefallen. Es ist schwer eine einzelne Antwort auf diese gestellten Fragestellungen zu finden. Zu der Frage wie sich Religion heutzutage verkauft hat sich nicht sehr viel verändert, jedoch kommt das auf die Glaubensrichtung an.

    Beispielsweise verkauft sich der Buddhismus stark über dekorative Objekte die natürlich auch oft zu einem Statussymbol und einer Art „Lifestyle Objekt“ werden. Yoga wird oft in den Zusammenhang mit den Buddhismus gebracht und erhält immer mehr Anhänger in Deutschland und ist ein teil dieser spirituellen Kultur.

    Natürlich wird auch ganz klar das Internet eingebunden und es gibt kaum eine größere Gemeinde die keine Webseite oder ähnliche Plattformen für das Werben nutzt. Jedoch gibt es noch den direkten Kontakt zu den Personen in Form von Ständen in Fußgängerpassagen, an denen man sich informieren lassen kann einen Flyer bekommt.

    Von daher kann ich dir nicht eine Antwort geben sondern viele.

    Ähnlich verhält es sich mit der Beziehung zwischen religiösen Objekten und uns Menschen. Manche Menschen sehen diese Gegenstände als reine Dekoration,
    sei es ein Engel, Shiva oder Buddha, andere dagegen nutzen diese Gegenstände um ihren Glauben auszudrücken. Manche Menschen haben eine Bibel in ihrem Bücherregal stehen andere lesen jeden Tag in dieser.

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    Julia R. 27. Mai 2014 at 08:26 .

    Du schreibst:
    „Das Interesse an ihr ist sehr gering, es findet ein wahrer Wandel statt. Das Zeitalter der digitalen Medien ist hierfür mitverantwortlich.“
    Genau diesen Satz hörte ich schon vor 30 Jahren, als ich begann mich mit Religion zu beschäftigen. Nur, dass es da nicht die digitalen Medien waren, sondern die steigende Zahl der Fernsehprogramme. Ich lese immer wieder im Kontext: früher war alles besser und die Jugend, die noch in die Kirche ging, sowieso…
    Macht uns diese Entwicklung Angst? Halten wir deshalb an religiösen Symbolen so fest? Ich finde es prima, dass immer mehr Menschen die Kirchen verlassen. Nur wenn man „altes“ ablegt, kann neues entstehen. Die Tatsache, dass die Kirchen und christlichen Jugendgruppen keine Rolle mehr spielen, zeigt ja, dass es etwas zu verändern gilt. Ich finde es z.B. auch prima, dass sich u.a. durch die digitalen Medien unsere Sprache verändert. Es entsteht eine neue Grammatik und neue Wortkreationen schmücken den Duden. Es verändert sich stetig alles, und das ist aus meiner Sicht gut so. Denn nur so gibt es Weiterentwicklung. Der Mensch sucht soziale Netzwerke und braucht sie essentiell. Weil man uns heute nicht mehr so viel „vormachen“ kann und der Mensch aufgeklärter ist, bilden die Menschen eben andere Gemeinschaften, die nicht mehr von einer festen Hierarchie geprägt sind. Die Herausforderung sehe ich nicht darin, den Glauben und die Religion aufrecht zu erhalten, sondern diese neue Art von Gemeinschaften und Ideologien so zu gestalten, dass sie uns Menschen nützen und bereichern. Glaube ist ja Ausdruck von Sinnsuche. Und den Sinn des Lebens kann heute zum Glück jeder für sich finden, man muss sich keiner Religion mehr anschließen.
    Deine Fotos dokumentieren für mich genau diesen Wandel. Ich sehe in den Bildern den Wunsch sich zu befreien. Ganz tolle Bilder und ein interessantes Projekt! Toll, dass wir darüber diskutieren können. Freue mich auch auf mehr!

  7. avatar
    Steffi 26. Mai 2014 at 15:21 .

    Lieber Janosch,

    das sind ja großartige Bilder, die Du da gemacht hast. Du schreibst, dass Du Dir zwei Fragen bei Deiner Arbeit gestellt hast: “Wie verkauft sich Religion heutzutage?“ und „Welchen Charakter haben religiöse Objekte auf uns Menschen?“ Wie sind denn Deine Antworten auf diese beiden Fragen?
    Auf jeden Fall freue ich mich bald mehr von Dir zu sehen.

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