Mit ohne Gott? – Das Buch zu Doku und Blog

 

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„Sieben Einsichten woran man alles glauben kann“ – Antworten auf eine große Frage zwischen zwei Pappdeckeln: Ein Buch, das es ohne Euch, liebe Blogleser, nie gegeben hätte. Ein Buch, das zusammenfasst, was hier in den Kommentarspalten hitzig diskutiert wurde. Ein Buch, bei dessen Lektüre wohl jeder ein bisschen mehr über sich selbst erfährt.

Christiane hatte eine Herausforderung angenommen: Ein Buch über „Woran Glauben?“ schreiben – es gibt überschaubarere Themen. Und gleichzeitig hunderte Blogkommentare ordnen, hochkomplexe Diskussionen entwirren, und schließlich auch noch Antworten liefern. Chapeau!

„Das muss Sie ja jetzt über das Buch schreiben“, könnten die aufmerksameren Leser unter Euch denken. Eva Achinger ist doch selbst Blog-Autorin und BR-Kollegin von Christiane Miethge – da kann Sie das Buch ja kaum verreißen! Ähnlich dachte ich zuerst auch: Was, wenn es wirklich fad ist, nicht lesenswert? Das könnte ich ja nie ehrlich schreiben…

Als ich Christianes Buch gelesen hatte, war diese Sorge sofort verpufft: Ich muss mich nicht verbiegen, um hier ehrlich zu sagen: Es lohnt sich! „Mit oder ohne Gott“ – sieben Einsichten woran man alles glauben kann“ – damit ist Christiane eine Art Screenshot unserer Glaubenslandschaft gelungen. Und das gerade in einer Zeit, in der die Welt so verdammt entzaubert scheint, in ihre kleinsten Teilchen wissenschaftlich zerlegt. Die Autorin vermittelt, was eigentlich so schwer zu greifen scheint. Nämlich das, was den Menschen heute Halt gibt, was ihr Leben mit Sinn erfüllt. Auch dann, wenn es kein Gott ist.

Christiane spricht schon in der Einleitung offen die anfänglichen Sorgen um unser Projekt an: „Wir wollen ja keine Fotos vom letzten Mittagessen. Oder einen Selfie mit der Katze. Wir wollen ganz tief rein in die Psyche der Menschen, bis in die letzte Windung.“ Allein wenn ich in ihrem Buch bloß blättere, kann ich sagen: Wir waren drin, ganz tief drin in den Windungen!

Die Lektüre lohnt schon allein wegen der intimen, ehrlichen Kommentare und Glaubensbekenntnisse. Ein Eintrag aus hunderten kommt von „Gottmagnus“. Er beschreibt seine persönlichen Erfahrungen, seine Diabeteserkrankung: „….besonders schön, sind die Vergiftungssymptome, die einem das Überwesen, der Gott antut, es ist richtig schön, mehrer Wochen lang zu kotzen, halb tot auf dem Sofa zu liegen und darauf zu warten, dass man an einer Ketonvergiftung stirbt oder verhungert, weil der große Gott es gut findet, dass das Immunsystem lebenswichtige Zellen tötet.“

Wie kann ein Gott das nur zulassen? Die drängende Frage der Nicht-Gläubigen wie Gläubigen. Beide Lager – und noch viele dazwischen – haben sich auf unserem Blog ausgetauscht, gezofft. Das Best-Of findet ihm im Buch. Dort warten auch Antworten auf gärende Fragen wie: Erschaffen wir uns Gott im Kopf? Und steckt Religion in den Genen? Christiane hat sich durch dutzende Studien gewühlt, und findet zur unterschiedlichen Religiosität der Menschen: „Bereits mit dem Eindringen der Samenzelle in die Eizelle wird zu etwa 40 – 60 Prozent (je nach wissenschaftlicher Studie) in uns angelegt, wie religiös und spirituell wir sein können.“

Ich bin überrascht – genau wie über diese Erkenntnis auf Seite 50: „Unser Gehirn ist … eine Religiosität- und Spiritualitätsmaschine. Es ist für religiöse Wahrnehmung optimiert. Der Mensch tendiert von Natur aus dazu, seiner Umgebung einen übergreifenden Sinn zu geben.“ Im Austausch mit diversen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen hat Christiane ein theoretisches Fundament gelegt, um die Glaubensfrage zu beantworten. Wie genau die vier Glaubenstypen ticken, die wir mithilfe des CRED-O-MAT, einem wissenschaftlichen Test, aus dem Blog gefiltert haben – zu viel will ich hier nicht verraten.

Nur, eines muss ich gestehen: Wir lagen falsch. Falsch mit der anfänglichen Sorge „Glaube“ könnte zu intim sein, um sich darüber im Blog auszutauschen, um daraus eine „Mitmach-Doku“ zu basteln. Christianes Fazit dazu: „Überall Gesprächsbedarf – in der U-Bahn, im Café, in der Arbeit, beim Picknicken an der Isar … Nur geht es dabei selten um die klassische Religion und oft um einen Glauben auch ohne Gott.“ Christiane schreibt weiter: „Ich bin mir inzwischen sicher: Glaube, Religiosität und Spiritualität gibt es auch ohne Gott und Überbau im Himmel. Selbst unter den rationalsten Atheisten.“

Als ich Chrisiane Buch ausgelesen hatte, fiel mir auf: Auch sie hat während des Schreibens eine ganz persönliche Glaubenreise unternommen. „Mich hat unser Blog, die Auseinandersetzung mit den vielen verschiedenen Zuschriften sehr zum Nachdenken gebracht. Ich bin konsequenter geworden in meinem Leben. Und: Ich glaube nicht mehr an die Oberflächlichkeit des Internets, eher an die unglaublichen Möglichkeiten, die durch die Vernetzung mit anderen besteht… in dieser Hinsicht ist das Internet tatsächlich eine Art unsichtbare Religion.“

Wer sich auf „Mit oder ohne Gott – sieben Einsichten, woran man alles glauben kann“ einlässt – dem wird es ähnlich gehen wie Christiane und unseren Blogleserinnen und Bloglesern. Um die Fragen nach dem eigenen Glauben, um die Fragen nach einem sinnstiftenden Element im Leben kommt man bei dieser Lektüre kaum herum.

Und es gibt noch etwas, das dieses Buch besonders macht: Es steckt nicht nur voller Gedanken und Thesen, sondern auch voller Videos. Kapitel für Kapitel tauchen QR-Codes mit Links zum Filmmaterial auf. Die komplette „Woran Glauben?“ – Doku seht ihr am 1. November 2014 um 19:00 im Bayerischen Fernsehen.

 

5 Kommentare

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    Herbert Turetschek 24. Oktober 2014 at 11:57 .

    …natürlich auch von mir: Viel Erfolg für Dich und das Buch!

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    Kathrin 20. Oktober 2014 at 14:28 .

    Liebe Christiane, liebe Eva,
    Ich finde das Buch wunderbar. Es ist ja Eure Idee – und super, beim Capuccino-Trinken so wachsam und einfühlsam sein zu können….
    Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, häufig geschmunzelt, öfter laut gelacht und machmal sehr viel nachgedacht. Ich habe mich natürlich auch gefreut, dass ich meinen Blog, in dem ich meine innersten Gedanken geschrieben habe, wiedergefunden habe. Und an der richtige Stelle!
    Somit möchte ich auch danke sagen – für den Blog und für das Buch – und ich freue mich schon riesig auf Euren Film – und bin sehr gespannt, was wir das neues erfahren können!

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      Christiane 20. Oktober 2014 at 22:39 .

      Liebe Kathrin,

      vielen Dank Dir für Dein positives Feedback. Das freut uns natürlich sehr! Wir sind gespannt, was Du zum Film sagst…

      Viele Grüße,
      Christiane

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        Herbert Turetschek 23. Oktober 2014 at 11:59 .

        Hallo Christiane,

        hab Dir eben ein Mail geschickt!

        Liebe Grüße
        Herbert 🙂

        1. avatar
          Herbert Turetschek 26. Oktober 2014 at 08:36 .

          Danke! 🙂

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