Der Bock ist nun Beauftragter für Gartenbau

Echo Klassik - Ankunft

Dieter Gorny zu Gast in der Harald Schmidt Show – in den 90er Jahren war das, als Gorny gerade den Musiksender Viva aufgebaut hatte, wenig später richtete er Viva dann wieder zu Grunde, sagen böse Zungen.

Irgendwann wird er Cheflobbyist der Musikindustrie – und jetzt ist er Beauftragter für Kreative und Digitale Ökonomie. Ernannt von Siggi Pop seinem Parteigenossen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Das ist ungefähr so, als würde das Bundesfamilienministerium Lothar Matthäus ernennen zum Beauftragten für Ehe und Partnerschaft oder das Bundesinnenministerium Pierre Vogel zum Beauftragten für interreligiösen Dialog. Wenn man sich in der Vergangenheit in Sachen Netzpolitik etwas unsicher war, dann half es genau zuzuhören, wenn Dieter Gorny zu diesem oder jenen Thema etwas zu sagen hatte – das exakte Gegenteil davon war dann meist der mit Abstand sinnvollste Ansatz.

Und dieser Dieter Gorny soll nun das Wirtschaftsministerium in Sachen der Netzpolitik beraten. Laut einem Bericht von Heise er sagt auch gleich, warum:

“Gorny unterstrich, die hiesige Antwort auf das Silicon Valley müsse sich aus europäischen Werten ‘wie geistigem Eigentum und Urheberrecht’ speisen. Das Wohl und Wehe der Musikbranche dürfe nicht ein paar Nerds überlassen werden.” Dieter Gorny

Für Gorny ist “Nerd” offenbar eine Art Schimpfwort. Dabei hätte die Musikindustrie vielleicht mal auf die Nerds hören sollen, als die Anfang des neuen Jahrtausends sagten: “Hey, sorry, liebe Musikindustrie, aber so wird das nichts mit Eurem Geschäftsmodell im Digitalzeitalter!”

Es war der Nerd Steve Jobs, der den Musikmanagern zeigte, wie das so geht mit dem Geldverdienen mit Musik.
Eigentlich bräuchte die gesamte Netzpolitik viel mehr Nerds, denn noch bestimmen dort regelrechte Antinerds, Leute wie Günther Oettinger:

“Netzneutralität, da haben wir wieder – und zwar gerade in Deutschland – Taliban-ähnliche Entwicklungen.”

oder Alexander Dobrindt:

“The digital infrastructure is however far more than purely a technical project.”

Und andere:

“Also, Computer ist für mich mehr so ein ganz einfaches Instrument – wie ein Hammer oder ein Nagel.” Guido Westerwelle

Wenn Nerds mehr zu sagen hätten in Sachen Netzpolitik, Deutschland wäre wohl ein bisschen weiter beim Netzausbau, die Abmahn-Industrie würde sich nicht die Taschen vollstopfen, man würde vielleicht sogar auch mal die ein oder andere Innovationen hervorbringen und müsste nicht immerzu über das böse Silicon Valley lamentieren. Und vielleicht würde man dann in diesem Moment auch an einem Gesetz arbeiten, das freies Wlan eher ermöglicht statt verhindert.

Aber leider haben Nerds recht wenig zu melden, dafür aber Lobbyisten wie Dieter Gorny. Schade, dass es Viva nicht mehr gibt, Boybands und Kirmestechno: Hier wäre Dieter Gorny immer noch am besten aufgehoben.

 

Varoufakis und sein Mittelfinger

varoufakis

 

 

Wer soll Mutti spielen?

drei für merkel

Jennifer, Veronica, Heike – oder gleich Hape Kerkeling?

2017 soll ein Film über Angela Merkels Leben in die Kinos kommen – die Hauptrolle in dem Film über ihr Leben ist aber noch nicht besetzt. Wer wäre die ideale Besetzung für die Kanzlerin in dem internationalen Drama? Veronica Verres, Heike Mataktsch, ein internationaler Star wie Jennifer Aniston – oder gleich Hape Kerlebrinkel?

Vielleicht hat der Drehbuchautor Dirk Kurbjuweit ja auch was mitzureden. Der Journalist vom Spiegel hat in den vergangenen Jahren schon die Bücher “Angela Merkel” und “Alternativlos” veröffentlicht.

 

Nebenjobber in der Werbeindustrie

Pepsi

Martin Scorsese bekommt 70 Millionen Dollar für einen Werbespot mit Brad Pitt, Leonardo DiCaprio und Robert De Niro. Nicolas Winding Refn streicht eine Million für einen Mercedes-Clip ein. Große Firmen subventionieren die Popkultur – zumindest die großen Künstler. Eine Geschichte erfolgreicher Pop-Nebenjobber in der Werbeindustrie. Von Sammy Khamis

Pompös. So kennt man Karl Lagerfeld – nicht nur als Designer, sondern auch als Regisseur. Mit Pharell Williams, Cara Delevingne und Geraldine Chaplin dreht er eine Kaiser-Franz-und-Kaiserin-Sissi-Geschichte in der Jetztzeit. Fast acht Minuten lang.

Die Werbeindustrie hat das Storytelling, das Erzählen von Geschichten für sich entdeckt, meint Andrea Bassermann von der Münchener Werbeagentur “Hello”. Die Werber bedienen sich dafür vor allem in der Popkultur. “Aber das ist nichts Neues”, erklärt Bassermann. “Ich erinnere mich an die 80er Jahre und die großen Kampagnen, die damals noch im Fernsehen, vor allem auf MTV liefen. Michael Jackson und Pepsi waren damals ja riesengroß.”

Knapp 60 Millionenen Views und fast 30 Jahre später ist Michael Jackson mit der Abwandlung seines Songs “Billy Jean” immer noch ein Werbehit, an dem sich andere Popgrößen messen lassen müssen. Andrea Bassermann sieht in der Verbindung von Pop und Werbung, also Kultur und Kommerz, kein Problem: “Immerhin subventionieren Künstler so ihre eigenen Projekte.” Genau dieser Satz soll auch am Set zu diesem Werbespot gefallen sein.

Nicolas Winding Refn, Regisseur des Neo-Film Noir “Drive”, will mit dem sehr ansehnlichen Gehalt von einer Million für einen Mercedes-Clip seinen neuen Film produzieren. Wirkliches Storytelling hat Refn in diesen Spot nicht gepackt, aber so sei es nun mal in Deutschland, ist Andrea Bassermann von “Hello” überzeugt: “Gerade etablierte Marken, die nichts wirklich Neues mehr auf den Markt bringen – und sehr viel Geld haben -, holen sich große Namen, um ihre bekannten Produkte zu veredeln.”

Edel. Das ist auch dieser Spot von Regisseur Jake Scott, der eigentlich Musikvideos für Lily Allen dreht. Er hat eine Geschichte um eine Flasche Whiskey gesponnen – und dafür Jude Law und Giancarlo Giannini vor die Kamera gespannt.

Das Internet ist voll mit Hochglanz-Kurzfilmen, gedreht von den Größen Hollywoods, musikalisch ausgestattet von den Bigshots der Popmusik und aufgestyled vom Who-is-Who der Schauspiel-Superstars. Die kosten sehr viel Geld und werden vor allem im Internet abgespielt. Auch wenn Facebook und Youtube mittlerweile Geld verlangen, damit Werbung nach oben gespült wird, und Blogger sich bezahlen lassen, um Werbeclips zu verbreiten: Das alles ist immer noch günstiger, als lineare Werbung im Fernsehen zu schalten.

Aber wer geht noch ins Fernsehen? Vor allem in Deutschland sieht man Harn-Arznei und Prostatamittel. “Es gibt die Maslowsche Bedürfnispyramide”, erklärt Andrea Bassermann. “Grundbedürfnisse hat jeder, da braucht man keine große Geschichte drumherum spinnen. Storytelling funktioniert, aber klassische Reklame wird immer bleiben. Zum Beispiel für so Sachen wie Wurstsalat.”

PS: Es gibt unzählige Beispiele für das Zusammenspiel von Pop und Werbung. Aber ein musikalisches darf dabei nicht fehlen [und nein: Es ist nicht Red Bull!]. Die amerikanische Autoindustrie versucht sich mit Hilfe der Popmusik aus der Krise zu werben – das akustisch beeindruckendste Spektakel liefert Beck mit seiner David Bowie-Adaption von “Sound and Vision”.