We love Stockvideos! Alles so schön bunt hier!

Wir sind bekennende Fans von Stockfotos! Das sind diese gestellten, klischeehaften Fotos, die man oft in der Werbung sieht. Der braungebrannte Best-Ager mit strahlendem Zahnpasta-Lächeln, der mit seiner Frau händchenhaltend am Strand spazieren geht und “Die neue Vitalität im Alter” in der Apotheken Umschau illustrieren soll.

Im Netz kursieren mittlerweile viele Stockfoto-Mems. Wir wollen Euch eine Seite vorstellen, die Stockvideos parodiert: StockVideoStoriesDE wird von dem 24-jährigen Vincent Kunert aus Berlin gemacht.

Unsere Top 5

Die Säcke

Die Verbesserungsvorschläge

Die Blumen

Die Überwachungskameras

Das Toilettenpapier

Drei Fragen an Vincent Kunert, StockVideoStoriesDE

1. Auf Deiner Seite schreibst Du: „Hier lebe ich meinen Zwang, Stockvideos zu parodieren, aus.“ Woher kommt der Zwang, wie bist Du auf die Idee gekommen?
Stockfotos werden ja schon seit längerer Zeit auf diese Weise parodiert. Irgendwann habe ich gesehen, dass das jemand mit einem Video gemacht hat, das wollte ich dann unbedingt selbst probieren. Es ist schon eine Herausforderung, eine gute Idee passend zu einem Video zu haben. Meist entstehen aber einfach während des Anschauens Pointen, auf die ich „alleine“ vermutlich nicht gekommen wäre. Man muss die Gesichtsausdrücke und Gesten, die im Video vorkommen, wirklich nutzen, dann fällt auf, wie unsinnig das Gefilmte eigentlich ist.

2. Du bist eigentlich Comiczeichner. Machst Du das hauptberuflich?
Ja, aber noch nicht so lange, erst seit ein paar Monaten. Jetzt werde ich meinen Blog intensiver betreiben. Ich habe in der Vergangenheit netterweise von ein paar Lesern auf meiner Seite Spenden bekommen (LOLNEIN.com). Wer spendet, bekommt kleine Extras. In meinem Fall darf man neue Comics und Bonuspanel etwas früher sehen.

3. Hat sich schon einmal jemand von den Leuten aus den Stockvideos bei Dir gemeldet?
Nein, aber ein Bekannter eines Schauspielers hat ihn in einem Video erkannt und es ihm gezeigt. Er hat es mit Humor genommen.


Sendung: Zündfunk-Magazin, 25.04.2017, 19.05 Uhr

 

#failoftheweek: Hereinspaziert in mein Hirn!

Facebook forscht an einer Art Gedankenübertragungstechnologie, mit der man Worte aus dem Hirn direkt auf den Bildschirm tippen können soll, ganz ohne Tastatur. Christian Schiffer weiß nicht, ob das eine gute Idee ist und gewährt einen exklusiven Einblick in sein Hirn.

 

Christians Hirn: Meine Gedanken…

Christian: … könnte ich dann also endlich direkt in den Bildschirm kippen, ohne den lästigen Umweg über eine Tastatur. Das ist eigentlich eine tolle Idee, laut Facebook soll es irgendwann möglich sein, 100 Worte pro Minute in ein Smartphone zu tippen, ohne dass man es noch aus der Tasche ziehen muss. Das Problem allerdings ist…

Christians Hirn: … Boa, ey… da muss jetzt langsam mal ne Pointe kommen, sonst pennt mit der Hörer weg und die Redakteurin ist pissed und ach…

Christian: … dass es in meinem Hirn aussieht, wie bei Hempels unterm Sofa.

Christians Hirn: GEILE Pointe, Alter! Geile, geile Pointe! Yessssss!!!!! Elegant angenommen und zack rein das Ding, direkt unter den Giebel!! *Gacker*

Christian: Von den vielen klugen Gedanken, die ich mir den ganzen Tag über mache…

 

Christians Hirn: Habe ich eigentlich eine Hose an? Muss ich überhaupt eine Hose anhaben, wenn ich hier zu Hause die Kolumne schreibe? Wenn aber jetzt aber der DHL-Mann kommt, schaffe ich es mir dann rechtzeitig eine Hose anzuziehen? Wo ist überhaupt die Jogginghose? Lag die nicht im Flur? Das wäre gut, wenn die im Flur liegen würde, sehr gut sogar, dann würde die nämlich genau auf dem Weg zur Wohnungstüre liegen. Aber warum sollte überhaupt der DHL-Mann kommen? Habe ich überhaupt was bestellt? Bei Amazon vielleicht sogar? Gut, dass im Zündfunk niemand weiß, dass ich DAUERND bei Amazon bestelle, diese linkskommunistischen Müslifresser da fänden das nämlich gar nicht gut…Kchkchkch!! Oh man, diese dumme Kolumne jetzt hier! Die muss ja auch noch… Oh Mann, wo ist denn jetzt die fucking Jogginghosen, herrgottnochmal! Soll ich jetzt extra aufstehen und schauen, ob die im Flur liegt. Das wäre ja schon sehr gut.

Christian: …von den vielen klugen Gedanken, die ich mir den ganzen Tag über mache, sind nur die wenigsten es wert, veröffentlicht zu werden.

Christians Hirn: Das ist eigentlich auch egal, weil Facebook nicht alles wiedergeben will, was der Nutzer gerade so denkt, sondern nur die Gedanken, die das Sprachzentrum verlassen, das macht ja dann eigentlich keinen Unterschied zum normalen Sprechen, aber scheiß der Hund drauf!

Christian: Und jetzt kommt Facebook daher und arbeitet an einem Hirn-Computer-Interface…

Christians Hirn: Darf man eigentlich „scheiß der Hund drauf“ überhaupt im Radio sagen? Klettert mir da jetzt wieder die Redakteurin aufs Dach? Gibt’s wieder Emails? Bin ich dann wieder Thema in der Bayern 2-Konferenz? Also kein „scheiß der Hund drauf“, ist jetzt auch nicht so wichtig, scheiß der Hund drauf…

Christian: …das es noch einfacher machen wird, seine Gedanken ins Internet fließen zu lassen, dabei wäre es doch vielleicht sinnvoller, die Leute würden schon heute überhaupt erst einmal ihr Hirn einschalten, bevor sie etwas auf Facebook schreiben…

Christians Hirn: Kniet nieder und verzweifelt! Was. Für. Eine. Pointe. Habe ich zwar ausm Inti geklaut, aber das bekommt ja eh keiner mit… *diabolisches Lachen*

Christian: Ein wenig erinnert die Facebook-Idee an eine Southpark Folge…

Christians Hirn: Staffel 17, Episode 1 um genau zu sein, aber das interessiert hier ja wieder mal niemanden…

Christian: …in der „Shitter“ erfunden wird, ein soziales Netzwerk, in das man direkt seine Gedanken posten kann. Eric Cartman versucht per „Shitter“ der NSA-Überwachung zu entkommen, aber die NSA interessiert sich gar nicht für ihn. Aber in der Tat ist die Sorge jetzt groß, dass Facebook irgendwann auch noch unsere Gedanken liest.

Christians Hirn: Okay, jetzt noch irgendwas mit Datenschutz rein und fertig ist die Laube.

Christian: Der Facebook-Konzern beeilte sich deswegen gleich mitzuteilen, dass es nicht darum gehe, „wahllos Gedanken zu lesen“.

Christians Hirn: Was für ein abgefahrenes Dementi!

Christian: Was für ein abgefahrenes Dementi. Mal sehen, ob sich Facebook daran hält. Aber in Mark Zuckerbergs Gehirn können wir ja leider nicht hineinsehen.

 

Christians Hirn: Heißt es nicht „Kopf“? In den „Kopf“ hineinschauen? Ach, scheiß der Hund drauf.

 

#failoftheweek: Das Netzwerkzensurdurchsetzungsgesetz

Heiko Maas will endlich etwas tun gegen Hass im Netz. Das ist ein lobenswertes Vorhaben, doch manchmal kann man das Richtige wollen und trotzdem das Falsche tun. Und genau das passiert gerade, findet Christian Schiffer.

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„Es werden weiter zu wenige strafbare Inhalte gelöscht, sie werden nicht schnell genug gelöscht und die Betreiber sozialer Netzwerke nehmen ihre Kunden und ihre Nutzer offenbar nicht ausreichend ernst“, sagte Bundesjustizminister Heiko Maas letztens bei der Vorstellung des „Netzwerkdurchsetzungsgesetzes“. Mit dem „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ soll durchgesetzt werden, dass soziale Netzwerke Hasskommentare effizienter löschen. Denn schlecht ist es, zu schnell zu löschen, schlecht ist es, gar nicht zu löschen, schlecht ist es, das Falsche zu löschen. All das passiert aber zurzeit immer wieder und deswegen wird über die Löschpraxis sozialer Netzwerke seit Jahren diskutiert – zurecht. Schlecht ist es allerdings auch, schlechte Gesetze zu machen.

Netzwerke, die ein wirksames Beschwerdemanagement gar nicht, oder nicht richtig einrichten – insbesondere weil sie strafbare Inhalte nicht, nicht vollständig oder auch nicht rechtzeitig löschen – sollen in Zukunft eine Geldbuße bezahlen von bis zu 50 Millionen Euro, kündigt Heiko Maas an. Eine empfindliche Strafe, für einen kriselnden Konzern wie Twitter sowieso, aber durchaus auch für Dickschiffe wie Facebook. Und hier fangen die Probleme an, denn was wird ein Konzern wohl tun, wenn er Gefahr läuft, 50 Millionen Euro zahlen zu müssen, wenn ihm zum Beispiel mal ein strafbares Posting durchrutscht? Richtig: Der Konzern wird löschen, löschen, löschen und sich die ganze Zeit denken: Ach, lieber einmal zu viel löschen, als einmal zu wenig, treffen kann es dann jeden.

Facebook würde zum Richter über Recht und Unrecht

Statt Gerichte wären es nun Unternehmen, die darüber entscheiden, was strafbar ist und was nicht. Unternehmen, die nicht hehren Idealen wie der Meinungsfreiheit verpflichtet sind, sondern ihren Aktionären.

Und das ist noch nicht einmal das einzige Problem des Anti-Hatespeech-Gesetzes, es ist ein Problem von einem halben Dutzend Problemen. Wer es liest, fühlt sich zurück gebeamt zum Ende der Nuller Jahre, als Ursula von der Leyen Netzsperren einführen wollte, wegen Kinderpornografie und so. Auch damals wurde ein Gesetz auf den Weg gebracht, dass die Meinungsfreiheit bedroht und eine Infrastruktur für Zensur etabliert hätte. Bei dem aktuellen Gesetz hat es gerade einmal eine Woche, seit das Gesetz das erste Mal vorgestellt worden ist, gedauert, bis weitere Straftatbestände hinzugekommen sind.

Es soll jetzt nicht nur dazu dienen, gegen Hasskommentare vorzugehen, sondern zum Beispiel auch die Verbreitung von Pornografie zu unterbinden, ganz so als sei das größte Problem bei Facebook, dass es dort zu viele Nippel zu sehen gibt.

„Es wird zu einem allgemeinen Gesetz zur Bekämpfung von Inhalten, die offenbar nach Auffassung des Ministeriums nicht in soziale Netzwerke gehören.“ Volker Tripp, der politische Geschäftsführer Digitale Gesellschaft e.V.

Dabei wäre es gar nicht mal so kompliziert Regelungen zu finden, die Hatespeech zurückdrängen, ohne gleichzeitig die Meinungsfreiheit zu gefährden. Sinnvoller als wie wild zu löschen und zu filtern, wäre es, diejenigen ausfindig zu machen, die beispielsweise auf Facebook hetzen. Das geht, allerdings müsste man die sozialen Netzwerke endlich dazu verpflichten, besser mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten. Das könnte über eine Kontaktstelle bei den Netzwerken passieren, die 24 Stunden am Tag erreichbar ist und die Ermittler bei ihrer Arbeit unterstützt. An den Landesgerichten beispielweise könnte man zudem spezielle Kammern einrichten, mit Juristen, die auch speziell ausgebildet sind. Klar, das könnte Geld kosten, aber Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit muss man sich auch mal leisten.

 

 

#failoftheweek: Eine Frage, die Martin Schulz nicht beantworten muss

Tja, da hat sich Martin Schulz diese Woche aber ein echtes Problem eingehandelt. Mit 100 Prozent wurde der ehemalige Bürgermeister von Würselen auf dem SPD-Parteitag zum Parteivorsitzenden gewählt. Das ist Rekord: Selbst für Kurt Schumacher stimmten 1948 nur lächerliche 99,71 Prozent der Delegierten, SPD-Übervater Willy Brandt musste sich 1966 gar nur mit mickrigen 99,36 Prozent zufrieden geben. Aber 100 Prozent! Das sieht natürlich trotzdem etwas doof aus, erinnert ein wenig an Kim Jong Il oder DDR. Und vielleicht hat deswegen der CSU-Europapolitiker Manfred Weber diese Woche gleich mal die große Kommunistenkeule ausgepackt. Im Bayerischen Rundfunk sagte er:

„Die große Frage, die Martin Schulz beantworten muss, ist eigentlich: Wie hält er es mit den Kommunisten?“

Kommunisten?! Ja, er hat wirklich Kommunisten gesagt. Dabei sind die Kommunisten heute nur noch so etwas wie die unförmigen Schulterpolster unter den politisch Aktiven: ziemlich Eighties, sehr aus der Zeit gefallen, keiner will mit ihnen gesehen werden – aber sie sind eben auch ziemlich irrelevant.

Nicht mal Sahra Wagenknecht kann man wohl noch als echte Kommunistin bezeichnen und auch Bodo Ramelow konnte als Ministerpräsident bisher dem Impuls widerstehen, mal schnell die thüringische Wirtschaft zu verstaatlichen.

1994 fachten CDU und FDP die Angst vor einer Zusammenarbeit der SPD mit der damaligen PDS an. Die legendäre „Rote Socken“-Kampagne schreibt deutsche Wahlkampfgeschichte. Und auch wegen dieser Kampagne ist Rudolf Scharping heute nicht Altbundeskanzler, sondern nur Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer.

Und was 1994 funktioniert hat, das funktioniert auch 2017 noch, so denkt offenbar die Union, die bisher kein rechtes Mittel zu finden scheint gegen den Schulz-Hype. Deswegen verbreitet sie Manfred Webers Kommunisten-Frage munter durchs Internet.

Das Ding ist nur: Es gibt kaum eine Frage, die uninteressanter wäre als die, wie es Martin Schulz mit den Kommunisten hält. Genauso könnte man Martin Schulz fragen, ob Geha oder Pelikan besser ist, ob nun Pietro oder Sara im Recht ist und warum hier eigentlich Stroh rum liegt. Man mag die Linkspartei aus vielen Gründen unappetitlich finden, aber man kann dieses Unbehagen auch ohne Kalter-Krieg-Rhetorik rüberbringen. Vor allem aber gäbe es ja wirklich wichtige Fragen, die Martin Schulz mal beantworten müsste. Total exotische Fragen, wie die nach seinem Programm zum Beispiel oder die nach seinen doch recht seltsamen Personalentscheidungen. Denn das ist es, was die Bundesrepublik heute von der DDR damals unterscheidet: Auch Parteivorsitzende, die 100 Prouzent bekommen, müssen gute Argumente haben für das, was sie tun – und tun wollen.