Bands in Emojis

Eine Spritze für Jörg Fauser, ein Basketball für Obama und ein Rotweinglas für Sartre: Der Journalist Nils Markwardt hat Emojis für Alles und Jeden gefunden. Er startete mit Philosophen und Schriftstellern. Der Zündfunk hat Emojis für Bands gesucht. #bandsinemojis

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Der Zündfunk sagt: Auch Bands brauchen Emojis!

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Um nur ein paar zu zeigen. Da wären noch einige Bands, die dringend ein Symbols haben sollten: Bright Eyes, Regina Spektor, Beatsteaks, Pussy Riot, Rolling Stones & Co., in 140 Zeichen nicht zu machen.

Die von Nils Markwardt angestoßene Bildersuche hört nicht auf: Auf die Philosophen folgten die Autoren, dann klassische Komponisten, Regisseure, Computerspiele, Politiker.
Schön: die brennende Kippe für Helmut Schmidt:

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Unangemessene Inhalte melden!

Die mittlerweile gelöschte "Braune Karte"

Die mittlerweile gelöschte „Braune Karte“

Rechtsradikale von der Gruppierung „Der Dritte Weg“ haben im Zuge ihrer Kampagne „Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft!“ alle Asylbewerberheime in ganz Deutschland auf einer GoogleMaps-Karte gesammelt.
Zwar haben bereits einige Seiten und Foren dazu aufgerufen, die Seite zu sperren, Google hat bisher jedoch nichts unternommen. die Karte mittlerweile gelöscht – Dank Euch!

Tausende haben mitgemacht:

1. Die „Braune Karte“ bei Google Maps geöffnet,
2. oben rechts auf das graue Rädchen geklickt
3. und dann auf „Unangemessene Inhalte melden“
4. und zwar so oft es ging.
5. Alternative: Karte mit belanglosen Adressen per Mail zugespammt. (Kontakt befand sich links im Kasten. (Danke an Marco Vogt!)

Vielen Dank!

 

#failoftheweek: Und schon ist das Boot wieder mal voll

„Besorgte Bürger“ demonstrieren gemeinsam mit Nazis gegen Flüchtlinge, die Gewalt von rechts steigt rapide. Gleichzeitig wird das Asylrecht verschärft. Whut?! fragt sich Christian Schiffer in seinem Kommentar.

Ein Asylbewerber aus Eritrea, Teilnehmer eines Graffiti-Projekts, posiert am 03.07.2015 in Dresden (Sachsen) mit seiner Gürtelschnalle in Form einer Deutschland-Flagge. Der Dresdner Jugendclub SPIKE gestaltet gemeinsam mit den Asylbewerbern einen Garagenkomplex. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Freital, Tröglitz, Malterdingen, Beselich-Niedertiefenbach, Eschburg. Eine Liste der Schande. Namen von Orten in Deutschland in denen in diesem Jahr gegen Flüchtlinge demonstriert, in denen Asylunterkünfte angegriffen oder Asylsuchende bedroht wurden. Am Dienstag wurde der Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2014 vorgestellt: Um 24 Prozent ist die Zahl rechter Gewalttaten demnach gestiegen, die Zahl der rechtsextremistischen Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte hat sich mehr als verdreifacht.

51 Millionen Menschen waren dieses Jahr weltweit auf der Flucht, so viele wie nie seit dem Ende des 2. Weltkriegs. Etwa 200.000 dieser 51 Millionen Menschen stellen in Deutschland einen Erstantrag auf Asyl. Das ist nicht besonders viel, eigentlich ist es sogar verschwindend wenig, in EU-Ländern wie Schweden, Österreich oder Dänemark gehen pro Kopf mehr Asylanträge ein. Aber natürlich sind das immer noch viel zu viele Flüchtlinge, finden zumindest die Torfköpfe in diesem Land.

Einiges erinnert dabei an die Situation von vor über 20 Jahren

Damals, Anfang der 90er, brannten in Deutschland Asylbewerberheime, es kam zu regelrechten Pogromen. Die Politik reagierte entschlossen – und schaffte gleichmal das Asylrecht ab. Mitbeteiligt an der Verfassungsänderung war auch die SPD, damals eine in Umfragen schwächelnde Partei, erratisch, anbiedernd, von erstaunlicher Prinzipienlosigkeit – liebgewonnene Traditionen, an denen die Partei bis heute unbeirrt festhält. Anstatt sich gegen den rassistischen Mob zu stellen, stachelten Medien und Politik ihn sogar noch an und schwadronierten über „Wirtschaftsasylanten“ von „vollen Booten“.

Und Edmund Stoiber wusste damals: Wer die Hoheit an den Stammtischen bewahren will, der darf nicht zimperlich sein

„Entweder die Volksparteien kümmern sich um das Volk und auch um die Themen – oder sie sind am Ende. Entweder wir behandeln Themen wie Asyl, wir
machen es, das ist ein Thema, das die Leute brennt, oder wir drücken das sozusagen in die intellektuelle Ebene hinein. Dann laufen die Menschen den Volksparteien davon.“ – Edmund Stoiber

Damals allerdings war die Stimmung sehr viel aggressiver als heute – und die Folgen sehr viel dramatischer. Gerade erst hat das Land Brandenburg nochmal ganz genau nachgezählt und festgestellt, dass in den Nullerjahren doppelt so viele Menschen durch rechte Gewalt umgekommen sind, als bisher bekannt war. Die Stimmung mag diesmal nicht so vergiftet sein wie damals, aber ein Muster ist gleich geblieben: Anstatt sich mit den Menschen zu solidarisieren, die zu uns flüchten, versuchen manche Politiker ihnen den Aufenthalt zu verweigern oder zumindest so unangenehm wie möglich zu machen. In Ungarn und in Dänemark soll das Asylrecht verschärft werden, in Hamburg müssen minderjährige Flüchtlinge nach ihrer Ankunft erst einmal ihren Penis vermessen lassen – damit soll ermittelt werden, ob sie auch wirklich minderjährig sind.

Und der Bundestag hat gerade erst ein Gesetz verabschiedet, damit Flüchtlinge effizienter abgeschoben werden können.

Populismus statt Humanismus: So sieht sie dann wohl aus, die Politik für all die „besorgten Bürger“ da draußen.

 

#failoftheweek: Tausche Roaming gegen Netzneutralität

Telefonieren und Surfen im Ausland ist unglaublich teuer. Das soll sich bald ändern. Zu verdanken haben wir das unserem EU-Kommissar Günther Oettinger. Doch Günther Oettinger wäre nicht Günther Oettinger, wenn die Sache nicht einen Haken hätte. Kommentar von Christian Schiffer

 

Vor fünf Jahren lacht das Netz über das Englisch von Günther Oettinger, 2014 wird dann genau dieser Günther Oettinger EU-Kommissar für Digitalwirtschaft. Die Befürchtungen waren damals groß: Ausgerechnet der Oettinger? Ausgerechnet der stockkonservative Ex-Ministerpräsident von BaWü? Er, der noch nie aufgefallen war durch allzu große Lobbyresistenz und auch nicht durch übermäßige Netzaffinität? Dieser Oettinger sollte nun in Europa für die Netzpolitik zuständig sein? Viele machten sich Sorgen, es gab einige Kritik und auch ein bisschen Gelächter. Doch nun, fast ein Jahr später kann man sagen: Günther Oettinger hat sie alle überrascht. Er ist nämlich ein noch viel schlechterer EU-Kommissar als auch seine ärgsten Kritiker es für möglich gehalten haben.

„Netzneutralität: da haben wir wieder grade in Deutschland Taliban-ähnliche Entwicklungen. Da ist die Netzgemeinde, da geht’s um perfekte Gleichmacherei. Und da heißt es, die böse Industrie!“ – Günther Oettinger

Datenschutz, Urheberrecht oder Netzneutralität: Mit der Zuverlässigkeit eines mittelständischen Autozulieferes aus Esslingen vertritt der Netz-Kommissar vor allem Positionen der Industrie, sprich der Telekommunikationsunternehmen. Und wenn man sich seinen Terminkalender etwas genauer ansieht, kann das kaum jemanden überraschen.

Ein Herz für Lobbyisten

Die Nichtregierungsorganisation Transparency International hat herausgefunden, dass sich der Kommissar vor allem mit Unternehmen und Verbänden trifft. Mit Managern von der Deutschen Telekom, der British Telecom oder Alcatel geht er zum Abendessen, Bürgerrechtler hingegen kommen so gut wie nie vorbei an seiner Vorzimmerdame. So erklärt sich dann vielleicht auch, was Günther Oettinger dann so in der Öffentlichkeit von sich gibt. Mitte März zum Beispiel, auf einer Veranstaltung des Bundesfinanzministeriums, malte Oettinger in schillerndsten Farben folgendes Szenario an die Wand: Irgendwann wird es selbstfahrende Autos geben und dann kommt von rechts ein Auto und es knallt, weil der eigene Roboter-Wagen nicht schnell genug reagiert. Und schuld daran ist natürlich die Netzneutralität, weil wichtige Verkehrsdaten nicht rechtzeitig durch das Internet gepumpt werden:

„Da geht’s um unser Leben. Ist es wichtiger, dass im Auto…  – hinten rechts hockt die sechsjährige Tochter und lädt sich Musik runter, YouTube. Links hockt der neunjährige Bengel und macht irgendwelche Games. Ich finde, YouTube, Herunterladen, hat ein paar Sekunden Zeit. Aber Verkehrssicherheit – und ein paar andere fallen mir ein – sollten von der Netzneutralität, von diesem Taliban-ähnlichen Thema abweichen dürfen.“ – Günther Oettinger

In der Welt von Günther Oettinger herrscht also permanentes Verkehrschaos. Und das nur, weil irgend so ein Bengel auf seinem Handy Killerspiele zockt. Schuld daran: Irgendwelche Taliban aus diesem Internet, die finden, dass jedes Datenpaket im Netz gleich behandelt werden sollte. In der realen Welt allerdings hat Netzneutralität mit Verkehrssicherheit in etwa so viel zu tun wie schwäbischer Kirschmichel mit afghanischen Kaymak. Denn selbstfahrende Autos werden auf keine Internetverbindung angewiesen sein. Nie wird Netzneutralität daran schuld sein, dass irgendwer irgendwem  irgendwo reinfährt

Diese Woche hat Günther Oettinger nun verkündet, dass in Deutschland die Roaming-Gebühren wegfallen werden. Das ist einerseits natürlich großartig, so kann man bald auch im Ausland auf der Rückbank endlich Killerspiele zocken und YouTube schauen, ohne danach gleich eine seiner Nieren im Darknet feil bieten zu müssen. Das Problem ist nur: Dafür soll die Netzneutralität aufgeweicht werden.

Wie auf dem Wochenmarkt in Balingen wird das eine gegen das andere getauscht: Das EU Parlament bekommt von Oettinger die Roaming-Abschaffung, dafür hört es auf, in Sachen Netzneutralität so rumzustressen. Das freut die Telekommunikationsriesen, denn bald können sie endlich Überholspuren im Internet verkaufen. Und Günther Oettinger kann mit einem guten Gefühl in sein nächstes Hintergrundgespräch gehen.