ISIS-Karaoke: „Dropping Songs, not Bombs“

Entweder sie machen schlechten Rap oder sie verbieten Musik ganz: IS-Anhänger. Jetzt zeigen sie, dass sie doch Pop-affin sind – allerdings unfreiwillig. Der Twitter-Account ISIS Karaoke sammelt Fotos von IS-Anhängern und beschriftet sie mit bekannten Pop-Zitaten. Das ist ganz schön subversiv – und ganz schön gut.

Der Mann hinter dem Account, ein gewisser Jimmy, hat in einem Interview erzählt, dass er aus einer Laune heraus mit ISIS Karaoke angefangen hat. Und:

“Mel Brooks once said something about laughing at the barbaric (in his case the nazis) and I guess that’s all I’m doing really.”

Dafür, dass Jimmy nach eigenen Angaben Karaoke hasst, hat er ein ziemlich gutes Gespür dafür, was den IS-Kämpfern auf den Fotos wohl grade für ein Song vorschwebt.

Hier eine kleine Auswahl der Tweets:

(Übrigens: Beyoncé scheint hoch im Kurs zu stehen.. aber ob Queen Bey bei dieser Zeile so ein Outfit im Sinne hatte…?)

Nope. Bestimmt nicht.

Dachten wir uns doch!

Krass in den 90ern hängengeblieben!

Im Grunde ihres Herzens sind Dschihadisten halt doch Melancholiker.

Schon den neuen Film gesehen? Soll echt gut sein.

 

#failoftheweek: Datenschutz auch für Drecksäcke!

Hacker haben schon Autos, Herzschrittmacher und Bundestagsrechner gehackt. Nun also ein Fremdgeh-Portal. Seit dieser Woche kann jeder sehen, wer die Seite Ashley Madison nutzt. „Das geschieht den Fremdgeh-Ehepartner nur recht“, sagen jetzt viele oder auch: „Selber schuld!“. Christian Schiffer sieht das etwas anders.

SEX - Very sharp image. Keyboard Keys

Coypright: Colourbox

Die Ehe, ein einziges missglücktes Blind Date, das dann auch noch viel zu lange anhält, im schlimmsten Fall sogar ein Leben lang. Der einzige Ausweg: Eine prickelnde Affäre. Am besten eingefädelt von der Seitensprung-Plattform Ashley Madison, so die zweifelhafte Botschaft eines Werbesports des Unternehmens. 32 Millionen Kunden hatte die kanadische Firma bisher und die Daten dieser 32 Millionen Kunden wurden diese Woche von einer Hackergruppe ins Darknet gekippt. Vorbei ist es mit der fröhlichen Fremdgeh-Stimmung, die Ashley-Madison in seinen Spots verbreitete:

Namen, Geburtsdaten, Adressen, Telefonnummern, Kreditkarteninformationen, sexuelle Vorlieben, Nacktbilder, Dirty Talk –  all das ist nun öffentlich einsehbar. Vor einigen Wochen schon hatte die Hacker-Gruppe Impact Team einen kleinen Teil der Daten veröffentlicht und die Abschaltung der Fremdgeh-Seite gefordert. In einer Stellungname schrieb die Gruppe damals:

„Zu dumm für diese Männer… Aber diese Drecksäcke betrügen ihre Frauen und verdienen keine Diskretion.“ Hacker-Gruppe Impact Team

Das Unternehmen weigerte sich der Erpressung nachzugeben und die Hacker machten ihre Drohung nun war. Und so gibt es jetzt erste Programme, die den Datenklops einfacher durchsuchbar machen, Radiosender informieren Ehefrauen darüber, dass ihre Männer auf Ashley Madison unterwegs waren.

Und ein erster erzkonservativer, republikanischer TV-Moderator und Familienaktivist ist natürlich auch schon als Nutzer der Seite geoutet worden. Die Scheidungsanwälte reiben sich unterdessen die Hände und die Hacker selbst haben sich in einer neuen Stellungname auch an die Nutzer gewandt:

„Lerne Deine Lektion und bessere Dich. Jetzt ist es Dir peinlich, aber Du wirst schon darüber hinwegkommen.“ Hacker-Gruppe Impact Team

Hacker als schwarze Cyberpädagogen? 

Schriftzug des Seitensprungportals Ashley Madison

Schriftzug des Seitensprungportals Ashley Madison

Hacker als schwarze Cyberpädagogen, die fehlgeleitete Individuen mit Hilfe drakonischer Strafen auf den rechten Weg zurückbringen möchten. Das ist neu. Bislang gab es Hacker, die ihre Fähigkeiten einsetzten um über kriminelle Methoden an Geld zu kommen. Aber der Gruppe hier geht es nicht ums Geld. Natürlich gab es immer auch viele echte Idealisten unter den Hackern, die Freiheit und Demokratie verteidigen wollten und schwerstes Unrecht an die Öffentlichkeit zerrten. Aber auch darum geht es den Ashley Madison-Hackern nicht. Denn die Sache ist ja: Fremdgehende Männer sind ein Problem für ihre Ehefrauen, eine unmittelbare Gefahr für unsere Demokratie geht von ihnen erst einmal nicht aus.

Grundsätze der Hackerethik

Als vor fast einem Jahr Nacktbilder von Prominenten durchs Netz geisterten und den Voyeurismus der Massen befriedigten, da gaben die Verantwortlichen zumindest noch vordergründig zu Protokoll, durch die Aktion auf Sicherheitslücken bei Apple aufmerksam machen zu wollen. Den Hackern jetzt geht es ganz offensichtlich lediglich um den Spaß und darum, ihre eigenen Moralvorstellungen durchzudrücken. Und um das zu erreichen verstoßen sie gegen einen der wichtigsten Grundsätze der Hackerethik: Private Daten schützen, öffentliche Daten nützen. Denn ob es ihnen gefällt oder nicht: Zu den privaten Daten zählen eben auch die Daten von fremdgehenden Drecksäcken.

 

Dj AlgoRhythm oder: Wo bekomme ich die besten Musiktipps?

Die junge Dame Mercedes zeigt am Mittwoch vor Eröffnung der Funkausstellung in Berlin den ersten Walkman (l) aus dem Jahr 1979. Rechts präsentiert sie das neuste Modell, das bisher noch nicht auf dem Markt ist und in seiner poppigen Aufmachung besonders die Jugend ansprechen soll. Das Gerät wird auf der Elektronik-Messe, die am Samstag (26.8.95) unter dem Funkturm eröffnet wird, erstmals dem Publikum vorgestellt. COLORplus

Nach dem Hype um die neuen und renovierten Dienste Spotify und Apple Music macht der Zündfunk den Alltags-Test: Empfehlen die wirklich meine Musik? Haben die Geschmack? Wer hat die raren Titel? Der Kampf der Giganten: Spotify oder Apple – wer wird der Endboss?

StApple-Music-Logoreaming bezahlt zwar die Künstler noch nicht ausreichend, scheint aber die Musikindustrie zu retten. Zum ersten Mal seit Jahren waren 2014 die weltweiten Erlöse nicht rückläufig, weil der Streaming-Anteil immer höher wird. Spotify und Co. haben es anscheinend geschafft, ein Geschäftsmodell zu finden, das für den Kunden so attraktiv ist, dass er nicht mehr illegal Musik lädt.

 

spot

Wer wird das Rennen machen: Der Platzhirsch Spotify, derzeit weltweit unangefochten die Nummer 1, mit seiner langjährigen Erfahrung im Business? Oder Gigant Apple mit seinen 800 Millionen itunes-Nutzern im Rücken? Musikchef Michael Bartle ist Streaming-Addicts der ersten Stunde – und macht den Test aus User-Sicht.

 

1. Dj AlgoRhythm oder: Wo bekomme ich die besseren Musiktipps?

Der Platzhirsch Spotify und Apple, der Milliardärs-Herausforderer – beide stehen knietief im Mainstream, beide wollen Kasse machen und Streams generieren mit selbst verbrochenen Listen. Die heißen bei Apple „Aufwachen, Chillen, Workout“ oder schon lustiger: „Musik zum Schlussmachen“.

Spotify hat weniger Humor und macht die Schubladen „Chilliger House“ „Hot and Trendy“ oder „Deutschrap Royal“ auf – diese Listen sind extrem erfolgreich. Hier findet man natürlich kaum raren Afro-Funk oder ein seltenes Postpunk-Teil. Die Listen erinnern an den lokalen Dudelfunk oder ans Universal-Warenhaus mit CD-Abteilung.

Beide Dienste liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wenn ich bei einem beliebigen Lieblingskünstler starte und Neues entdecken will. Apple gibt mir auf dem Handy zu Hot Chip weitere Videos, Spotify bringt unter „ähnliche Künstler“ in der mobilen Version Metronomy, The Rapture und LCD Soundsystem – das hab ich schon gewusst, aber weirdere Infos weiß Deejay AlgoRhythm nicht, etwa dass Hot Chip Arthur Russell verehren und mit Robert Wyatt gespielt haben. Das steht weder bei Spotify noch bei Apple Music.

Wer hat die besseren Kuratoren? Am Ende noch Wettbewerbs-Vorteile für den Platzhirsch: Zwar hat sich Apple Music genau die vertrauenswürdigen Marken von Pitchfork bis Rolling Stone ins Boot geholt, die Spotify dicht gemacht hat – nur sind das bisher einfach blanke Playlisten und keine Texte zum Mitlesen und Weiterstöbern. Bei Spotify sind dagegen immer noch all meine „echten“ (ja, sind sie das?) Freunde unterwegs – und ich folge lieber den exquisiten Geschmäckern von Jonathan Fischer, Marianna Barth oder Kaline Thyroff als einer Playlist aus dem Ramschladen des Mainstreams.

2. Hard To Handle oder: Wer macht es mir am leichtesten?

Der Musiknerd – ein Gewohnheitsvieh: In der mobilen Version finden wir uns noch besser bei Spotify zurecht. Das Schwarz-grün ist uns ans Herz gewachsen, die Songs laden schneller, springen schneller an als bei Apple. Aber: Das Inhaltsverzeichnis mit Schubladen wie „Heute“, „Momente“, „Musik“ und „Bibliothek“ springt uns nicht wirklich an. Auch uncool: Wir haben noch immer nicht geschnallt, wie man auf dem Handy Songs in Playlisten hin- und herschiebt. Wann immer man einen neuen Song einer Playlist hinzufügt, landet er auf dem letzten Platz – und erst in der Desktop-Version kann ich ihn an die gewünschte Stelle ziehen. Freunde, da müsst ihr nachbessern, denn es geht doch bei Musik immer auch um: Dramaturgie, Baby!

Apple bietet auch keine atemberaubendes Killer-Feature – oder ist es nur gut versteckt? Immerhin haben die Silicon Valley-Jungs den Bibliothekars-Vorteil: Ich habe mit Apple Music eine All-in-one-Lösung mit meiner Download-Bibliothek – sofern ich früher schon bei itunes war, kann ich meine digitalisierten Schätze mitnutzen. Denn beide Player haben zwar einen ähnlich großen und nahezu allumfassenden Musik-Katalog. Aber weder Spotify noch Apple konnten bisher die Rechte an den Beatles erwerben. Und logo, Element Of Crime wirst du da aus ideologischen Gründen genauso umsonst suchen wie längst verschollene Bands wie die Kosmonautentraum oder die legendären Würzburger und Schweinfurter 80er Jahre Combos Sticken In oder Suzi Cream Cheese. Die hat nur yours truly: der Zündfunk.

Alles in allem: Bei der Usability ein klares Unentschieden. Beide Multimillion-Dollar Companys können auf die besten Programmierer zurückgreifen und Halb-Nerds wie wir sind mit Abstrichen im Großen und Ganzen zufrieden.

3. Turn me on oder: Wer hat den besten Schnickschnack?

Michael Bartle testet die Spotify Running-App

Oh my Goodness: Eine mobile Running-App für die Quantify Yourself Schwambos, die sich auf dein Tempo einstellt – ist das dann doch ein Killer-Feature-Plus für Spotify? Tatsächlich ist das eine nette Geschichte, aber lauf ich tatsächlich nicht schneller um den Block als Bloc Party es mir vorgeben? Aber Spotify kann noch mehr: Seit ein paar Wochen heißt es dort: Wordy Rappinghood, der schwedische Streamer bietet internationale und ARD-Podcasts. Ich kann jetzt tatsächlich auf dem Fahrrad Thomas Meyerhöfer im Talk hören. So seltsam wie entzückend, dass unser in Pension gegangener Bayern 2-Starmoderator plötzlich auf Spotify herausschnurrt. Aber nicht nur das: Vom Serial-Fan-Podcast bis zu Jimmy Kimmel und Jon Stewart gibt es Audio- und Videopodcasts: ein echter Gewinn.

apple music

Was sich Spotify mühsam zusammenklauben musste, hat Apple mit seinem itunes-Podcast-Center schon lange. Aber nicht nur das: Die Kalifornier haben entweder richtig Geld in die Hand genommen oder ihre Marktmacht ausgespielt: Im Radio-Reiter finden sich BBC-Kollegen wie Zane Lowe mit Daily Shows, aber auch Musikhelden wie St. Vincent oder Josh Homme, die dort teilweise wirklich klasse Radioformate senden. Natürlich kann man das, wann immer man will und WLAN hat, nachhören.

Und? Wer ist jetzt der Endboss?

Immer noch weint unser Herz den tollen Spotify-Kuratoren „Any Decent Music“, „Blue Note“, „Shuffler FM“, „Pitchfork“ und all den anderen tollen Apps hinterher (nicht, weil wir besonders beleidigt wären, weil auch unsere eigene App damit gestorben war – unseren eigenen Geschmack kennen wir ja …). Genau hier haben wir früher in Hülle und Fülle neue und alte Musik entdeckt. Schade, dass Spotify diese Apps mit dem Argument, sich auf das mobile Geschäft konzentrieren zu wollen, abgeschafft hat.
Apple hat einen Teil dieser Kuratoren angeworben – schafft es aber noch nicht, Wort und Ton miteinander zu verschmelzen. Es bleibt die reine Playlist. Dafür hat Spotify noch meine besten Musik-Freunde!

Streber statt Streamer

Aber: Wenn man sich erstmal vom Anbiederungs-Playlist-Müll der Mister-Null-Acht-Fünfzehns, der Deejays Al-Go-Rhythms nicht hat abschrecken lässt, wird schnell klar: Beide Dienste sind leider geil!

Sowohl Spotify als auch Apple Music sind längst mehr als nur Streamer, eher sind sie große Streber: Mit teilweise tollen Radio-Shows, Videos und Jogging-Funktionen werden sie zu gigantischen Medien-Jukeboxen, beides Endbosse, die nach und nach versuchen werden, die anderen Konkurrenten vom Markt zu drängen. Jetzt müssen nur noch die Künstler fair bezahlt werden – aber das ist wieder eine andere Geschichte, liebe Labels.

zuendfunk

 

Den Zündfunk findet Ihr auch auf Spotify!

 

#Landesverrat: Retrowochen in Deutschland

Markus Beckedahl und Andre Meister von Netzpolitik.org

Deutschland liegt mit halb Europa über Kreuz, manch ein Beobachter meint eine neue Form von Nationalismus ausmachen zu können, da passt es dann auch ins Bild, dass plötzlich wieder die Rede vom „Landesverrat“ ist. Gestern lieferte die Bundesanwaltschaft ihren Beitrag zu den Retrowochen in Deutschland, als bekannt wurde, dass sie gegen den Blog Netzpolitik.org wegen der Veröffentlichung interner Dokumente des Verfassungsschutzes ermittelt hat. Seitdem ist die Empörung groß, gleichzeitig hat eine Welle der Solidarität das Netz erfasst:

Der Blogger Mario Sixtus ruft etwa dazu auf, die IBAN-Nummer von Netzpolitik.org trenden zu lassen – und tatsächlich teilen viele Menschen die Bankverbindung des Blogs, um Spenden einzusammeln.

Aber auch Organisationen wie der Chaos Computer Club melden sich zu Wort. Der CCC hat sogar einen Preis für Geheimnisverrat ausgelobt:

„Teilnehmer sind aufgerufen, sich an die Journalisten, den CCC oder Whistleblowing-Plattformen Ihrer Wahl zu wenden. Wir freuen uns auf Einreichungen in den Themenbereichen:
– Geheimdienste und Massenüberwachung, samt kommerzieller Partnerfirmen,

– verdeckte Ermittlungen und Verbindungspersonen,

– Rekonstruktion geschredderter Akten,

– Unterstützung und Duldung rechtsradikaler Terroristen,

– Überwachungsvorgänge missliebiger Oppositionsparteien.“

Ebenfalls eingeschaltet hat sich die Rechercheplattform „Correctiv„: Die Seite ruft zum kollektiven Landesverrat auf und hat die Dokumente online gestellt, wegen derer gegen Netzpolitik.org ermittelt wird.

„Keinen Journalisten, der seinen Beruf ernst nimmt, kann diese Attacke kalt lassen.“

Nur vereinzelt gibt es auf Twitter gegensätzliche Stimmen, etwa die der ehemaligen Bundesministerin Kristina Schröder:

Insgesamt ist die Solidarität aber überwältigend. Und das ist wichtig, sagt Linus Neumann, der früher für Netzpolitik.org geschrieben hat:

„Dass die Solidarität aus den üblichen Kanälen wie dem Chaos Computer Club oder der netzaffinen Bürgerbewegung kommt, war natürlich zu erwarten. Was aber sehr erfreulich ist, ist die sehr starke Solidarität der etablierten Journalisten. Mir ist einfach kaum ein Artikel untergekommen, der dieses Vorgehen in irgendeiner Form für gerechtfertigt hält. Und das gibt den beiden Beschuldigten Kraft und Mut, sich nicht einschüchtern zu lassen.“

Mindeststrafe für Landesverrat: ein Jahr Gefängnis

Einschüchtern lassen sich die Köpfe hinter Netzpolitik.org offenbar nicht. Trotzdem: Die Mindeststrafe für Landesverrat ist ein Jahr Gefängnis – das ist nichts, was man einfach so abtun kann. Und die Drohkulisse der Ermittlungen könnte einen verheerenden Schaden anrichten, sagt Linus Neumann:

„Meine erste Reaktion war: Was für ein Ritterschlag für diese Redaktion! Da habe ich mich erstmal gefreut für die Kollegen. Auf den zweiten Blick muss man sagen, dass das schon eine sehr üble Geschichte ist, da werden sehr schwerwiegende Anschuldigungen erhoben. Und was mich besonders besorgt macht, ist die Signalwirkung für andere potenzielle Whistleblower. Die wissen jetzt, dass mit der Bundesregierung in diesem Bereich nicht zu spaßen ist.“

In Deutschland werden Whistleblower sehr viel schlechter geschützt als beispielsweise in den USA. Und auch sonst scheint es, dass die Meinungs- und Pressefreiheit in anderen Ländern als höheres Gut empfunden wird als hier, sagt die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger:

„Hier in Deutschland wird schon der Staat und das, was er macht, was Behörden tun, sehr geschützt. Ich glaube, wir sollten zwischen der Verletzung von Dienstgeheimnissen und Landesverrat trennen. Bei Landesverrat geht es nicht um harmlose Organigramme vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Deswegen ist das hier absolut überzogen und es ist so wichtig, dass alles getan wird, damit solche Formen von Verfahren nicht zu Einschüchterungen führen.“

Signalwirkung für potenzielle Whistleblower

Immerhin sind durch den Vorstoß der Bundesanwälte Themen wie Informationsfreiheit, Whistleblower-Schutz und Pressefreiheit wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt. Wie es mit den Ermittlungen an sich weitergeht, ist unterdessen nicht ganz klar. Gerade hat die Bundesanwaltschaft bekannt gegeben, dass sie erst einmal ein Gutachten abwarten möchte. Bis dahin sollen die Ermittlungen vorerst ruhen.