Haschbärchen

 

Pop-Forschung

 

#failoftheweek: Online-Votings sind was für Morkus!

Fast so lange wie es das Internet gibt, gibt es Online-Abstimmungen. Selten ist etwas sinnvolles bei einem Online-Voting herausgekommen. Diese Erfahrung machen gerade die Partyschranken vom Langenscheidt-Verlag. Von Christian Schiffer

Ey, Digga, krass: Die Mumien-Hopser vom Langenscheidt-Verlag wanzen sich gerade ans Netz ran und suchen das Jugendwort des Jahres. Und typisch wie das so ist für Allround-Laien mit Immatrikulationshintergrund failen die dabei episch:

“Vote für das Jugendwort 2014. Wähle aus der Liste der 30 nominierten Wörter deinen Favoriten aus und gib ihm deine Stimme!”

Haha, die Reallifer von Langenscheidt…. Da stehen dann Begriffe wie Teberharzen zur Auswahl oder Assistempel oder Foodgasm. Richtig steil geht aber gerade Fappieren. Ich entsnowde das mal kurz für Euch: Fappieren heißt so viel wie einhandsegeln, ablaichen, schlendern, keulen, spirit Fingers geben, den Delphin lackieren oder 5 gegen Willi. Ich polt das schon. Die bildschirmgebräunten Internet-Randalos vom 4Chan-Forum haben nämlich das OnlineVoting getrollt und “Fappieren” auf Platz 1 gewählt.

Die Laternen vom Duden hätten sich das eigentlich denken können, denn so etwas ist schon drölf mal schief gegangen. 2005 sollte eine Brücke zum neuen Wembleystadion neu benamst werden. Die Gammelfleischpartygänger vom Architekturbüro ließen die Babos aus dem Netz über den Namen für die Brücke abstimmen und die wählten dann Didi Haman nach vorne, einen Fußballer, der für uns Deutsche der Oberbabo ist, aber für die Engländer halt doch nur ein Chabo.

Contrageil verlief auch die verdaddelte Online-Abstimmung von Pril. Bei den Marketing-Blowmos von Pril war mal wieder Gehirnfasching angesagt. Unter dem aldigen Claim “Mein Pril – Mein Stil” sollten die Kunden das Etikett einer Prilflasche pimpen. Ein Hamburger Gripsräver trollte die Evolutionsbremsen von Pril mit dem Vorschlag:

“Pril: Schmeckt lecker nach Hähnchen!”

Der Vorschlag performte, aber die Problemiker von Pril fanden den Claim eher billow:

“Grundsätzlich begrüßen wir auch humorvolle Designs. Eine Variante mit Hinweis auf Hähnchen-Geschmack allerdings hat nicht die besten Voraussetzungen, später zum Sortiment eines Spülmittels zu gehören.” 

So ist das mit den Online-Voting: Erst werden wir Expresschecker aus dem Netz konsultiert, aber am Ende machen die Intelligenzallergiker aus dem Marketing eh was sie wollen. So wird das auch beim Online-Voting für das Jugendwort des Jahres sein. Krass unkrass, das.

“Eine unabhängige Jury bestimmt aus den 15 meist geklickten Wörtern die Plätze eins bis fünf.” 

Write a book – ihr Kompostis vom Langenscheidt-Verlag! Ich hau mich jetzt rein. Bis dann, ihr Apfelsaftgesichter!

 

“Soul Gentleman des Reggae“ – zum Tod von John Holt

John Holt war einer der ganz Großen im Reggae. Am Wochenende ist der Jamaikaner mit 67 Jahren in einem Londoner Krankenhaus verstorben. Noe Noack blickt zurück auf den Erfinder eines eigenen Reggae Sub-Genres – des Lovers Rock. 

Rechte: Charm (Bellaphone)

Rechte: Charm (Bellaphone)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit “The Tide Is High” gelang John Holt ein Welthit. Er hatte die Ballade für sein Gesangstrio The Paragons geschrieben. Mit der Rocksteady-Gruppe war John Holt in der zweiten Hälfte der 60er mit vielen Hits in den jamaikanischen Charts vertreten. Aber erst die gelungene Version von Blondie machte “The Tide Is High” 1980 weltberühmt.

Schon mit zehn, zwölf Jahren fiel John Holt in der Kirche, im Schulchor und später bei Talentwettbewerben in Kinsgston mit seiner samtweichen Stimme auf. Er hing Tag und Nacht am Radio und lauschte seinen Soul-Idolen aus den USA. 1963, mit 16 Jahren, durfte er seine erste Single aufnehmen: “I cry a tear”. Ab 1964 schrieb er mit den Paragons Musikgeschichte. 1970 begann er seine erfolgreiche Solo-Karriere. “Stick by me” war 1972 die meistverkaufte Single in Jamaika. Zum Glück blieb sich John Holt musikalisch immer treu. Seine große Stärke waren die romantischen Balladen.

Selbst in der Hochphase des Roots-Reggae und der Rasta-Songs, die durch Bob Marley und Co. die Vorstellung von Reggae weltweit prägten, blieb John Holt bei souligen Liebesliedern und hatte damit Erfolg. Schon in den frühen 70ern baute sich John Holt ein zweites Standbein in London auf und prägte das romantische Reggae-Genre “Lovers Rock”, das dort entstand und auch von The Clash in einem Song gewürdigt wurde.

Neben unzähligen eigenen Reggaehits wie “Ali Baba” und “Stealing Stealing”  landete John Holt seinen größten Erfolg mit dem Covern von Pop-Hits. Auf seinem Album “1000 Volts of Holt” coverte er unter anderem “Help me make it through the night” von Kris Kristofferson und knackte damit die Top 10 der UK Charts. Seit den späten 70ern schaffte John Holt den Spagat zwischen herzzerreißendem Lovers Rock, tiefem, nicht seichtem Pop-Reggae und sogar Dancehall. Ob in großen Londoner Konzertsälen mit Orchester oder auf kleinen Club-Bühnen, mit seiner einmaligen Stimme überzeugte er jedes Publikum. Sogar bei der  jungen Dancehall- und Jungle-Massive durften seine Hits nicht fehlen. Sein “Police And Helicopter” von 1983 wuchs sich zur weltweiten “Ganjahymne” aus.