Musiker, legt Euch mit den Labels an!

Torten

Von den Streaming-Einnahmen bleibt am Ende kaum etwas für die Künstler übrig. Schuld daran sind aber weniger Spotify und Co. als vielmehr die großen Musiklabels. Zeit für einen Aufstand.

Drei Jahre ist es jetzt her, da weigerten sich die Black Keys ihr Album beim Streamingdienst Spotify anzubieten. Das kann man verstehen, denn so richtig viel verdient ihr Künstler nicht am Streaming-Boom. Beispiele: Für 10000 Streams gibt es gerade einmal 10 Dollar, das zumindest hat einmal die Band Grizzly Bear per Twitter behauptet:

Krümelbeträge, über die sich Radiohead-Frontmann Thom Yorke schon ein paar mal aufgeregt hat und viele andere auch. Unter ihnen auch David Byrne von den Talking Heads:

“Das Internet wird alle Kreativität aus der Welt heraussaugen! (…) Es gibt keinen Grund, weshalb die Künstler sich mit den Bedingungen arrangieren und auf jeden technologischen Zug aufspringen sollten.” David Byrne

Es ist seltsam, denn eigentlich müsste für Euch ja mehr rumkommen bei Spotify. 120 Euro im Jahr zahlen die 15 Millionen Premiumkunden weltweit bei dem Streamingdienst für Musik, das ist mehr, als die meisten von uns früher für CDs ausgegebene haben, damals im Vor-Internetzeitalter.

Wo bleibt das Geld?

Die Frage ist also: Wo bleibt das Geld? Schon immer gab es den Verdacht, dass es vielleicht ja die Labels sind, die sich zu viel von den Einnahmen abknapsen und genau dieser Verdacht hat sich mittlerweile erhärtet. Eine Studie der Unternehmensberater von Ernst & Young erläutert genau, wo die zehn Euro landen, die man bei Spotify monatlich für Eure Musik zahlt.

So sieht es aus:

• 2,08 Euro gehen an Spotify
• 1,67 Euro gehen an den Fiskus
• 1 Euro geht an Eure Verwertungsgesellschaften
• und 4,56 Euro landen bei den Labels!

4,56 Euro für die Labels! Für Euch bleiben von den 10 Euro gerade einmal 0,68 Cent! Es sind vor allem die drei Major-Labels, die von Spotify profitieren und denen wohl auch ein kleiner Teil des Streaming-Anbieters gehört. Und die, – um Sven Regeners berühmt gewordene Wutrede zu zitieren – die pissen Euch ins Gesicht!

Etwas zurückhaltender formuliert es die internationale Gesellschaft für Musikwirtschaftsforschung diese Woche:

“Zusammenfassend kann also konstatiert werden, dass die Labels und hier vor allem die Major-Labels vom expandierenden Musikstreamingmarkt profitieren, wohingegen die Musikschaffenden (InterpretInnen sowie UrheberInnen) kaum einen finanziellen Nutzen daraus ziehen können.”

Die großen Musiklabels wie etwa Sony Music machen satte Gewinne, anders übrigens als Spotify.

Das größte Stück vom Streaming-Kuchen

Wieso versucht ihr Euch nicht einen Teil des Gewinns zu holen, den ihr miterwirtschaftet? Warum legt ihr Euch nicht endlich mit Euren Labels an und fordert ein größeres Stück vom Streaming-Kuchen? Wo ist sie, die tausendfach in die Welt getwitterte Empörung? Wo bleiben sie, Eure hingebungsvoll formulierten Rants? Und warum zum Henker, muss Euch eigentlich Billy Bragg, dieser altlinke Singer-Songwriter auf seiner Facebook-Seite erklären, wie das Business läuft?

“Das Problem mit dem Business Model beim Streaming ist, dass die Verträge noch aus der analogen Zeit stammen, als die Musiklabels noch einen großen Aufwand hatten, was die Produktion und den Vertrieb von analogen Tonträgern angeht. In Schweden haben die Künstler erkannt, dass das Problem eher mit den Major-Labels zu tun hat als mit den Streaming Services und sie haben sich für neue Verträge engagiert. Genau das sollten britische Künstler auch tun.” Billy Bragg

Beschwert Euch, liebe Musiker! Ihr habt allen Grund dazu. Aber beschwert Euch richtig! Und: Bei den Richtigen!

 

Auch Jamaika legalisiert

MARCH FOR THE LEGALIZATION OF THE MARIJUANA IN SAN SALVADOR

Während in Deutschland – und vor allem in Bayern – die Rauschmittel-Gesetze selten gelockert und eher vehementest angewandt werden, hin und wieder auch übertrieben wie kürzlich in Regensburg, legalisiert der Rest der Welt Marihuana etappenweise.

Wer hätte gedacht, dass Jamaika, die Insel der Rastafari und des Ganjas, bislang nicht dazu gehörte – jedenfalls legalisiert Jamaika ab sofort den Besitz von kleineren Mengen Marihuana. Kleinere Mengen, das bedeutet bis zu 2 Unzen – das sind etwa 57 Gramm!

Aus Angst vor möglichen Sanktionen durch die USA, scheiterten frühere Legalisierungs-Bemühungen. Nachdem auch in Amerika immer mehr Bundesstaaten sich für die Entkriminalisierung einsetzen – mehr als 20 Bundesstaaten erlauben Marihuana zu medizinischen Zwecken, Colorado, Washington und jetzt auch Alaska legalisieren den persönlichen Gebrauch -, hat Jamaika jetzt nachgezogen.

In diesem Sinne:

 

Crowdfunding für den “Amen Break”

The Winstons 1969“Amen Brother” haben The Winstons 1969 getrommelt. Das vier Takte lange Schlagzeug-Solo “Amen Break”, der berühmteste Drum-Beat aller Zeiten, ist wie Olivenöl beim Italiener – es steckt überall mit drinnen.

Der 130 bpm flotte “Amen Break” gefällt auch Oasis, Rammstein, Aphex Twin, Nine Inch Nails und Trilliarden anderen Funk-, Rap- und Soulmusiker – sie alle sampelten den “Amen Break”.

Darum müssten die Bandmitglieder von The Winstons eigentlich reich sein. Tatsächlich aber haben sie keinen Cent gesehen. Der Schlagzeuger Gregory Coleman, der den Beat 1969 eingespielt hatte, ist 2006 obdach- und mittellos gestorben. Richard Lewis Spencer, der Kopf der Band, hat erst vor sechs Jahren erfahren, dass “Amen Break” so begehrt ist, als sich jemand höflicherweise am Telefon um die Rechte für das Sample bemühte.

Richard L Spencer

Martyn Webster DJ aus Großbritannien und großer Fan der Winstons und dachte sich: Ich möchte dieser Band etwas zurückgeben. Liebe, klar. Aber vielleicht auch ein bisschen Geld? Er rief eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben mit dem Ziel, wenigstens 1000 Pfund einzusammeln. Diese Geste kam in den letzten Tagen so gut an – zu den Unterstützern zählt auch Blondie! -, dass bis zum heutigen Abend 13.050 Pfund zusammengekommen sind. Und vielleicht werden es noch ein paar mehr. Richard Lewis Spencer ist jedenfalls gerührt, wie Martyn auf der Kampagnen-Seite berichtet:

“What an interesting 24 hours that has been!
On Sunday evening I spoke for the first time with Richard on the phone, and I can pass on that he is very excited about the whole thing, and is loving following the adventure as it unfolds as much as I am too!
Goldie has retweeted the link which will hopefully help the word even further, and this morning I was rather surprised to see that is has been featured on Rollingstone magazine website. We’ve also hit another important milestone of £10,000 which is crazy, to think it has already raised 10 times more than I originally hoped!
The Facebook page www.facebook.com/amenbreakbeat is getting busier, people are already discussing which is the best amen based tune (good luck trying to work that out, there’s far too many!)
Thanks again for the support, please keep donating and sharing! Martyn”

 

Das Peng! Collective hackt AstroTV

peng - ei

Vor zwei Wochen hat das Berliner Peng! Collective die Sendung von AstroTV gehackt – und wurde sofort vom Sender abgemahnt. Seitdem beschäftigt sich die halbe Republik mit dem zwielichtigen Konzept des Senders: AstroTV ist eine bizarre Mischung aus Esoterik, Wahnsinn und knallharter Abzocke. - Von Sophie Dezlhofer -

“Wir finden, Astro-TV sollte die Sendelizenz entzogen werden, denn das, was hier stattfindet, ist Betrug!”

Hier spricht ein Clown. Und der hat die Nase voll. Von dem Esoterikkanal Astro-TV. Dort hat er das Karma des Moderators gereinigt, eine Wiedergeburt eingeleitet und ihm ein rohes Ei auf den Kopf gehauen. Live, im Fernsehen.

Der Clown ist Amit Jacobi und Mitarbeiter des Peng! Collectivs. In dem Anwaltsschreiben, das das Kollektiv daraufhin erreichte, heißt es:

„Sie haben einen Ihrer Aktivisten bzw. Sympathisanten in einer Sendung von ‘AstroTV’ unter Vorspiegelung einer falschen Identität auftreten lassen. Der Auftritt des angeblichen ‘Zauberers’ endete damit, dass über dem Moderator von ‘AstroTV’ ein rohes Ei vergossen wurde. Dieser Vorgang erfüllt den Tatbestand des Hausfriedensbruchs und der Sachbeschädigung.“

Die mitgeschickte Unterlassungserklärung hat Peng! nicht unterzeichnet. Stattdessen haben sie dazu aufgerufen, sich bei der Medienanstalt Berlin Brandenburg für den Entzug der Sendelizenz von AstroTV einzusetzen.
Das Peng! Collectiv ist eine Gruppe aus Künstlern, Journalisten und Handwerkern und arbeitet seit zwei Jahren zusammen.

Was dürfen Firmen, welche Verantwortung haben sie? Was darf die Politik? Fragen wie diese ziehen sich durch ihre Aktionen. Im Dezember 2013 simulierten zwei Peng-Aktivisten eine Ölkatastrophe auf der Bühne des “Shell Science Slam” in Berlin. Shell hatte junge Wissenschaftler eingeladen, ihre Ideen zum Thema Erneuerbare Energien vorzustellen. Die Präsentation eines Motors, der die Luft reinigen statt verschmutzen sollte, endete in einer riesigen Sauerei – und das Video vom besudelten Shell Slam schaffte es bis in die amerikanischen Medien.

Jean Peters, Politikwissenschaftler und Gründungs-Mitglied des Kollektivs, über die Intention ihrer Aktionen:

„Die Zivilgesellschaft wie wir sie momentan kennen, ist oft so, dass die Journalisten sehr stark recherchieren, neue Informationen ans Licht bringen, und dann steht die da gut und doppelt gesichert in der Zeitung oder im Internet und die Leute sind beeindruckt, aber wenn da kein Spektakel drum herum ist, dann wird das vielleicht auch nicht so sehr zünden, wie man sich das gewünscht hätte, und gar nicht so viel politisch bewegen. Wenn eine Künstlergruppe etwas ausstellt, ein Theaterstück macht, etwas so verarbeitet, dass es auch ästhetisch interessant ist, dass Bilder geschaffen werden, dass Momente geschaffen werden, die einen auf eine Art und Weise inspirieren, dann ist es in dem oft linksliberalen Theaterkontext interessant, kommt aber auch da wieder nicht drüber hinaus. Und wir sagen, lass uns das mal zusammendenken. Jetzt vereinen wir die Kräfte, wir recherchieren gut, machen journalistische Arbeit, wir versuchen das ästhetisch interessant zu machen und dadurch entstehen dann eben die verschiedenen Peng-Aktionen.“ Jean Peters

Auf der Berliner Netzkonferenz Republica im letzten Jahr stellten sie als Google-Mitarbeiter neue Produkte der Familie „Google Nest“ vor – unter anderem die Drohne “Google Bee”, die auf Kinder aufpasst.

Zu Weihnachten verschickte Peng im Namen von Angela Merkel Grußkarten mit der frohen Botschaft, dass Abschiebung christlich sei und die CDU einen Rechtsruck dringend nötig hätte.

Wer denkt nicht an das Zentrum für politische Schönheit, das für viel Wirbel sorgte, als es im November die Mauer-Gedenkkreuze in Berlin abschraubte, um auf die Situation der europäischen Flüchtlinge aufmerksam zu machen. Das Peng! Collective sucht – wie das Zentrum – nach neuen Formen politischer Kampagnen, und lässt sich dabei von den Mitteln der Kommunikationsguerilla inspirieren. Erst kürzlich arbeitete Peng mit den amerikanischen Shootingstars der Aktivistenszene, mit den Yes Men, zusammen.
Jean Peters sieht auch die Gefahr der Aktionskunst:

„Wenn man zu sehr in die Kunst geht, dann droht immer die Gefahr, dass es als Geste verpufft. Und dass man sagt: Ach, das ist ja eine schöne Geste gewesen, aber das war ja Kunst. Und das habe ich auch beobachtet als ich mit den Leuten von Google gesprochen habe, die haben das immer wieder versucht zu betonen: „Das war ja Kunst“, eben in genau diesem kommunikationsstrategischen Plan.“ Jean Peters

Google hat die Aktion auf der Republica 2014 nicht weiter gejuckt. Anders verhält es sich im Fall AstroTV: Der Fernsehsender erzeugte mit seiner Unterlassungsklage nur noch mehr Aufmerksamkeit für den Betrugsvorwurf von Peng. Dutzende Male wurde das von YouTube gelöschte Video vom Clown bei AstroTV auf unterschiedlichsten Plattformen wieder hochgeladen.

In nächster Zeit werden Peng ihr KnowHow und ihre Ideen eher in den Dienst von großen NGOs stellen und im Hintergrund bleiben. Denn zu bekannt wollen die Aktivisten ihr Kollektiv gar nicht machen:

„Als wir anfingen, kamen natürlich viele Leute und sagten: Mensch, tolle Marke! oder: Boa, wisst ihr, wie viel Geld ihr damit machen könnt?“ Aber das sind eben Triebfedern, die sind eine Gefahr, wenn man das zu ernst nimmt. Wenn man auf unsere Website geht und einen Reload macht, sieht man, es ist immer eine andere Schrift, immer eine andere Farbe, das Team wird bei jedem Reload neu zusammengewürfelt, da sind immer neue Menschen, die es gar nicht gibt. Es geht uns nicht darum, die Marke Peng zu etablieren und ganz berühmt und bekannt zu werden, sondern wenn das irgendwann mal zu bekannt wird, dann lösen wir uns auf und nennen vielleicht anders oder machen andere Sachen.“ Jean Peters