Das Peng! Collective hackt AstroTV

peng - ei

Vor zwei Wochen hat das Berliner Peng! Collective die Sendung von AstroTV gehackt – und wurde sofort vom Sender abgemahnt. Seitdem beschäftigt sich die halbe Republik mit dem zwielichtigen Konzept des Senders: AstroTV ist eine bizarre Mischung aus Esoterik, Wahnsinn und knallharter Abzocke. – Von Sophie Dezlhofer –

„Wir finden, Astro-TV sollte die Sendelizenz entzogen werden, denn das, was hier stattfindet, ist Betrug!“

Hier spricht ein Clown. Und der hat die Nase voll. Von dem Esoterikkanal Astro-TV. Dort hat er das Karma des Moderators gereinigt, eine Wiedergeburt eingeleitet und ihm ein rohes Ei auf den Kopf gehauen. Live, im Fernsehen.

Der Clown ist Amit Jacobi und Mitarbeiter des Peng! Collectivs. In dem Anwaltsschreiben, das das Kollektiv daraufhin erreichte, heißt es:

„Sie haben einen Ihrer Aktivisten bzw. Sympathisanten in einer Sendung von ‚AstroTV‘ unter Vorspiegelung einer falschen Identität auftreten lassen. Der Auftritt des angeblichen ‚Zauberers‘ endete damit, dass über dem Moderator von ‚AstroTV‘ ein rohes Ei vergossen wurde. Dieser Vorgang erfüllt den Tatbestand des Hausfriedensbruchs und der Sachbeschädigung.“

Die mitgeschickte Unterlassungserklärung hat Peng! nicht unterzeichnet. Stattdessen haben sie dazu aufgerufen, sich bei der Medienanstalt Berlin Brandenburg für den Entzug der Sendelizenz von AstroTV einzusetzen.
Das Peng! Collectiv ist eine Gruppe aus Künstlern, Journalisten und Handwerkern und arbeitet seit zwei Jahren zusammen.

Was dürfen Firmen, welche Verantwortung haben sie? Was darf die Politik? Fragen wie diese ziehen sich durch ihre Aktionen. Im Dezember 2013 simulierten zwei Peng-Aktivisten eine Ölkatastrophe auf der Bühne des „Shell Science Slam“ in Berlin. Shell hatte junge Wissenschaftler eingeladen, ihre Ideen zum Thema Erneuerbare Energien vorzustellen. Die Präsentation eines Motors, der die Luft reinigen statt verschmutzen sollte, endete in einer riesigen Sauerei – und das Video vom besudelten Shell Slam schaffte es bis in die amerikanischen Medien.

Jean Peters, Politikwissenschaftler und Gründungs-Mitglied des Kollektivs, über die Intention ihrer Aktionen:

„Die Zivilgesellschaft wie wir sie momentan kennen, ist oft so, dass die Journalisten sehr stark recherchieren, neue Informationen ans Licht bringen, und dann steht die da gut und doppelt gesichert in der Zeitung oder im Internet und die Leute sind beeindruckt, aber wenn da kein Spektakel drum herum ist, dann wird das vielleicht auch nicht so sehr zünden, wie man sich das gewünscht hätte, und gar nicht so viel politisch bewegen. Wenn eine Künstlergruppe etwas ausstellt, ein Theaterstück macht, etwas so verarbeitet, dass es auch ästhetisch interessant ist, dass Bilder geschaffen werden, dass Momente geschaffen werden, die einen auf eine Art und Weise inspirieren, dann ist es in dem oft linksliberalen Theaterkontext interessant, kommt aber auch da wieder nicht drüber hinaus. Und wir sagen, lass uns das mal zusammendenken. Jetzt vereinen wir die Kräfte, wir recherchieren gut, machen journalistische Arbeit, wir versuchen das ästhetisch interessant zu machen und dadurch entstehen dann eben die verschiedenen Peng-Aktionen.“ Jean Peters

Auf der Berliner Netzkonferenz Republica im letzten Jahr stellten sie als Google-Mitarbeiter neue Produkte der Familie „Google Nest“ vor – unter anderem die Drohne „Google Bee“, die auf Kinder aufpasst.

Zu Weihnachten verschickte Peng im Namen von Angela Merkel Grußkarten mit der frohen Botschaft, dass Abschiebung christlich sei und die CDU einen Rechtsruck dringend nötig hätte.

Wer denkt nicht an das Zentrum für politische Schönheit, das für viel Wirbel sorgte, als es im November die Mauer-Gedenkkreuze in Berlin abschraubte, um auf die Situation der europäischen Flüchtlinge aufmerksam zu machen. Das Peng! Collective sucht – wie das Zentrum – nach neuen Formen politischer Kampagnen, und lässt sich dabei von den Mitteln der Kommunikationsguerilla inspirieren. Erst kürzlich arbeitete Peng mit den amerikanischen Shootingstars der Aktivistenszene, mit den Yes Men, zusammen.
Jean Peters sieht auch die Gefahr der Aktionskunst:

„Wenn man zu sehr in die Kunst geht, dann droht immer die Gefahr, dass es als Geste verpufft. Und dass man sagt: Ach, das ist ja eine schöne Geste gewesen, aber das war ja Kunst. Und das habe ich auch beobachtet als ich mit den Leuten von Google gesprochen habe, die haben das immer wieder versucht zu betonen: „Das war ja Kunst“, eben in genau diesem kommunikationsstrategischen Plan.“ Jean Peters

Google hat die Aktion auf der Republica 2014 nicht weiter gejuckt. Anders verhält es sich im Fall AstroTV: Der Fernsehsender erzeugte mit seiner Unterlassungsklage nur noch mehr Aufmerksamkeit für den Betrugsvorwurf von Peng. Dutzende Male wurde das von YouTube gelöschte Video vom Clown bei AstroTV auf unterschiedlichsten Plattformen wieder hochgeladen.

In nächster Zeit werden Peng ihr KnowHow und ihre Ideen eher in den Dienst von großen NGOs stellen und im Hintergrund bleiben. Denn zu bekannt wollen die Aktivisten ihr Kollektiv gar nicht machen:

„Als wir anfingen, kamen natürlich viele Leute und sagten: Mensch, tolle Marke! oder: Boa, wisst ihr, wie viel Geld ihr damit machen könnt?“ Aber das sind eben Triebfedern, die sind eine Gefahr, wenn man das zu ernst nimmt. Wenn man auf unsere Website geht und einen Reload macht, sieht man, es ist immer eine andere Schrift, immer eine andere Farbe, das Team wird bei jedem Reload neu zusammengewürfelt, da sind immer neue Menschen, die es gar nicht gibt. Es geht uns nicht darum, die Marke Peng zu etablieren und ganz berühmt und bekannt zu werden, sondern wenn das irgendwann mal zu bekannt wird, dann lösen wir uns auf und nennen vielleicht anders oder machen andere Sachen.“ Jean Peters

 

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