No Jews, no news

Im Süden von Damaskus spielt sich laut UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon derzeit eine „humanitäre Katastrophe von epischem Ausmaß“ ab. Im Flüchtlingslager Yarmouk lebten Schätzungen zufolge 18.000 Palästinenser – davon etwa 3.500 Kinder – bis das Lager von IS-Kämpfern überrannt wurde. Wie viele Flüchtlinge jetzt noch am Leben sind, weiß keiner. Aber der Aufschrei und weltweite Solidaritätsadressen bleiben aus. Kommentar von Christian Schiffer

Yarmouk refugee camp in Damascus

Yarmouk ist ein Bezirk südlich von Damaskus, der syrischen Hauptstadt. Früher haben hier 160.000 Palästinenser gelebt, die nach der Gründung des Staates Israel hierher geflüchtet waren. Heute sind es nur noch etwa 18.000. Nicht nur die IS Truppen greifen hier an, auch das Assad-Regime hat in den letzten Jahren Yarmouk bombardiert, unter anderem mit sogenannten „Fassbomben“, Fässer, in die man Sprengmittel und Metalle füllt und dann per Hubschrauber abwirft.

Mittlerweile hat der Islamische Staat das Gebiet zu 90 Prozent erobert, berichtet wird von alptraumhaften Zuständen: Es fehlt an Wasser, Nahrung und Medikamenten. Frauen und Kinder werden vergewaltigt und versklavt. Es heißt, dass Dutzende abgeschnittene Köpfe zur „Abschreckung“ an Zäunen befestigt wurden. Alleine in dieser Woche sollen 1.000 Menschen getötet worden sein. Yarmouk ist die Hölle auf Erden, doch die Welt schaut weg, so zumindest empfinden es palästinensische Politiker.

Und tatsächlich: Wo sind sie, die Mahnwachen? Die Appelle an die internationale Gemeinschaft? Die empörten Anklagen von Pro-Palästina Aktivisten? Wo sind sie, die Hashtags, die die Welt aufrütteln und die Menschen da draußen sensibilisieren für das Leid in Yarmouk? Nichts dergleichen passiert. Der Grund scheint einfach: In Yarmouk leiden zwar Palästinenser, aber sie leiden nicht unter Israel. No Jews, no news.

Nichts hört man von den Gruppen, die sonst wie eine Monstranz ihre Palästina-Solidarität vor sich hertragen, obwohl das jetzt verursachte Leid ungleich größer ist als beispielsweise im Gazakrieg 2014. Ken Jebsen postet auf Facebook unbeirrt antizionistische Propaganda, zu Yarmouk kein Wort. Ähnlich sieht es aus bei der Friedensbewegung, bei der Partei „Die Linke“, bei diversen trotzkistischen Gruppen und beim Zentralrat der Muslime. Das Hackerkollektiv Anonymous ruft unterdessen zum Cyberwiderstand auf – nicht gegen den IS natürlich, sondern gegen Israel. Dem jüdischen Staat droht Anonymous mit dem „technischen Holocaust“ – was für ein dummes und ekelhaftes Wording.

 

Beim umstrittenen Friedenswinter wiederum erklärt man sich solidarisch, allerdings nur mit ukrainischen Kriegsdienstverweigerern, nicht mit den Menschen in Yarmouk.

Lediglich Evelyn Hecht-Galinski, Publizistin und Grand Dame des deutschen Antizionismus, scheint sich für Yarmouk zu interessieren. Auf Facebook schreibt sie:

Warum ist die Weltgemeinschaft auf dem Auge blind und schweigt dazu, wenn über 1000 vertriebene Palästinenser im Flüchtlingscamp von Yarmuk ermordet wurden?

Ja, warum bloß? Die Antwort hätte sich Frau Hecht-Galinski besser sparen sollen. Sie raunt: Weil der Islamische Staat in Wirklichkeit ein Werk des israelischen Geheimdienstes ist – natürlich!

Yarmouk ist ein weiteres trauriges Symbol für die Gewaltherrschaft des Islamischen Staates und für die humanitären Katastrophen des syrischen Bürgerkrieges. Yarmouk steht aber auch für den moralischen Bankrott der Palästina-Solidarität und für ihre Verlogenheit. „Solidarität ist eine Waffe“ lautet ein bekannter Slogan der deutschen Linken. “ – aber nur, wenn es gegen Israel geht“ müsste man wohl nach dem Drama von Yarmouk ergänzen.

 

 

Kommentieren:

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  1. Dieser erbärmlicher Erregungstext zeigt deutlich, wer das eigentliche Problem damit hat, dass es berechtigte Kritik an Israel gibt -> selbstgerechte Gutmenschen wie der Schreiber „netzteil“.

    Es gehört schon einiges an Chuzpe dazu, aus der offenbar für den Autor nicht ausreichenden Empörung über die Zustände in Yarmouk berechtigter Israelkritik einen Strick drehen zu wollen.

    Ein entlarvender Text.

  2. Pingback: Nah Ost Konflikt | Pearltrees

  3. Was da im Nahen Osten geschieht, ist wirklich schlimm!
    Darüber sollte aber nicht mehr berichtet werden, denn die Gräuel, die dort verübt werden, werden ja wiederum für politische Beeinflussung missbraucht. Man sollte solchem Abschaum keine Bühne bieten! Was nicht in den internationalen Medien erscheint, wird auch nicht mehr veranstaltet werden!

  4. Das Problem der Bezeichnung : Juden , Judentum !
    Ich bin der festen und berechtigten Überzeugung , daß die oben angeführten Bezeichnungen nur von max. 1% der Menschheit halbwegs richtig verstanden werden !
    Wie sollen diese Menschen neutrale verständnisvolle Positionen beziehen ?
    Das Wort “ Jude “ wird auf das reduziert , was man in der NS Zeit vermittelt bekam . Für alles Schlechte ,verwerfliche, habgierige , betrügerische , falsche usw. verantwortlich !
    Vorbereitet durch die jahrtausendelange Propaganda der sogenannten Christlich Römischen Kultur !
    Wer soll “ Gottesmörder “ anders sehen ?
    Die peinlichen Pseudodistanzierungen der selbsernannten “ Gottesvertreter “ ,halten diese Stimmung weiter am Leben .
    Ohne dieses für das „Christentum “ notwendige “ Judenverständnis “ ,
    gäbe es wohl kein “ Christentum “ !
    Wer würde das “ Christentum “ brauchen , wenn in der Jüdischen Gottesauffassung alles vorhanden ist ,was “ Monotoismus “ vorgibt ?
    Wen geschichtlich erwiesen ist , das der neue junge Gott , Rabbi unter Juden war und sich sicher selbst
    lieber getötet hätte , als sich als Gott
    zu ernennen !
    Durch den “ Jungen Gott “ und dessen Ernennung durch die Römische Herrschaft wurde der wesentliche Beitrag für das falsche Verständnis zu “ Judentum “ gesetzt !
    Alles Danachkommende ist das Resultat dieser genialen , bewussten Handlung !
    Wie soll man 2000 Jahre lange Verabreichung von Gehirngiften entfernen ?
    Es ist zu einer Droge geworden !
    Das eigene Versagen , das eines Systhems , einer Religion , einer Politik , einer Idiologie hat einen Schuldigen : “ Judentum “ !
    Es fehlt mir der Glaube , daß sich
    daran nur ein wenig ändert !
    Der Unrechtsstaat ist bis heute nicht zur Vernunft gekommen und hat sein Fehlverhalten erkannt , die Mehrheit betrachtet sich nicht befreit , sondern
    betrachtet sich ungerecht besetzt und an den weiteren “ notwendigen “
    Handlungen behindert !
    Falls ab prompt der Christliche “ Gottesstaat “ alle Anstrengungen aufwenden würde um dem “ Judentum “ seinen Platz zu geben ,
    könnte eine Chance bestehen , daß das verabreichte Gift weicht !
    Gleichzeitig würde sich aber „Christentum “ erübrigen – wer kann das erwarten !?
    Dies ist ein Versuch um aufzuzeigen , daß die vielen Auswüchse und Symptome einer Krankheit wie “ Judophobie “ , Wurzeln haben , die nie bzw. kaum angesprochen werden !
    Wie denn auch in einem “ Gottesstaat“ !?
    Und übrigens die meisten Menschen halten “ Juden “ für eine Rasse !
    Man müsste ihnen erklären , daß sie
    auch Juden werden können !
    Sie könnten zur Jüdischen Religionsgemeinschaft übertreten !
    Sind sie dann auch zu einer minderwertigen „Rasse“ geworden ?
    Viele denen ich diese Frage gestellt habe standen mit offenen Augen und Mund vor mir und haben dümmlich , verlegen gelächelt !
    Wie arm !
    Da sollte geholfen werden !!!!!!!!

  5. „No Jews, no news?“

    Das Thema Yarmouk beherrscht seit Tagen die Nachrichten hier in Deustchland. Egal ob Online-Medien, Tagesschau oder dergleichen. Damit ist die Grundbehauptung dieses Beitrages schon einmal komplett wiederlegt.

    Hier wütet der IS, wie schon seit Monaten, und begeht weitere Verbrechen. Keine andere Gruppierung wird aktuell mehr angefeinded als der IS, wieso sollte sich das durch ein weiteres Verbrechen noch einmal erhöhen? Und Sie nutzen diese Verbrechen um daraus eine pro-Israel, bzw. anti-Israel-Kritik Kampagne zu machen?

    Weil die Menschen, die schon seit einer langen Zeit mit den Verbrechen des IS Staates konfrontiert werden nicht die Opfer in „Wertklassen“ einteilen (Sie finden ja anscheinend das man mehr bei Palestinensischen Opfern machen sollte als z.B. bei Irakischen), sagt das jetzt plötzlich etwas über Israel und seine Kritiker aus?

    Yarmouk steht ausschließlich für die Gräultaten des IS und nicht für den Bankrott einer Solidarbewegung. Nur jemand, der Menschen in Klassen einteilt und jede Gelegeintheit ergreift politisch anders Denkende zu diffamieren würde so etwas zur Propaganda nutzen. Schämem Sie sich!

  6. Die Behauptung „Aber der Aufschrei und weltweite Solidaritätsadressen bleiben aus“ stimmt doch überhaupt nicht – Sogar in .s.ä.m.t.l.i.c.h.e.n. Nachrichten, egal ob TV Print oder Internet, die ich zurzeit teils absichtlich, teils zufällig rezipiere … wird zurzeit davon berichtet, die UNO und viele Politikerinnen äußern sich u.s.w. – Indizien die darauf hindeuten, dass die Sichtweise der Überschrift von starken antijüdischen Vorurteilen verzerrt ist.

  7. Pingback: Die Hölle von Jarmouk | Patrick Gensing

  8. Ich gebe den Grausamkeiten des IS keine Gewichtigkeit in der Hinsicht Israel/Palästina. Missbrauch das Thema bitte nicht für dein Interesse antisemitische Züge in unserer Gesellschaft zu beweisen.

  9. Dieser Fail der Woche war wirlich ein Griff ins Klo.

    Hier werden zwei Situationen miteinander verglichen, die nur ein einziges Gemeinsam haben, nämlich dass die Opfer Palestinenser sind, sonst aber in mehrerer Hinsicht grundverschieden sind.

    Israel/Palestina ist ein Konflikt mit zwei Konfliktparteien. In Syrien gibt es regierungstreue Truppen, eine säkulare Opposition, zahlreiche islamistische Gruppierungen wie den IS, die Kurden…

    Der Protest gegen Israel hat klare politische Adressaten: die israelische Regierung, die israelische Botschaft in Deutschland, die deutsche Regierung. Beim IS ist das nicht der Fall – schließlich liefern wir ja auch keine atomwaffenfähige Uboote an die Islamisten, oder?

    Zudem handelt es sich bei Israel/Palestina um einen Jahrzehnte alten Konflikt, der entsprechend schon lange die Aufmerksamkeit der Mainstreammedien hat. Yarmouk dagegen war mir persönlich keinerlei Begriff vor eurem Beitrag letzter Woche. Auch ihr habt bisher in keinster Weise darüber berichtet. Eine Suche auf den Seiten des BR ergibt gerade 2 Ergebnisse zu Yarmouk, inklusive diesem hier, siehe http://www.br.de/service/suche/suche104.html?query=yarmouk

    Und dieses lässt somit vermuten, dass es dem Autor wichtiger war, gegen den Teil der Linken zu hetzen, der sich kritisch gegen die israelische Regierung äußert, als tatsächlich auf das Leiden der Palestineser aufmerksam zu machen.

    Inzwischen werden anscheinend erste Demos organisiert, (und auch mit Hashtags versehen, was dem Autor ja besonders wichtig zu sein scheint), siehe http://www.palaestina-solidaritaet.de/2015/04/berlin-15-april-demonstration-yarmouk-retten/

  10. Ich denke die Gründe sind viel einfacher: Weil es den IS einen kalten Furz interessieren würde ob hierzulande Mahnwachen gegen ihn und seinen Terror aufgestellt würden.
    Das ist doch die alte Schiene nur andersrum „Warum protestiert ihr nicht gegen Saddam?“, „Warum protestiert ihr nicht gegen die Sowjets“?
    Das fand alles nicht statt und wird auch nie stattfinden weil es keinen ZWECK hat ein demokratisches Protestinstrument gegen undemokratische Organisationen und Regierungen einzusetzen. Von daher ist es ja eben eine Auszeichnung für Israel als Demokratie, das man glaube mit Protesten tatsächlich etwas bewirken zu können. Wohingegen Proteste gegen die Hamas auf jedem Fall ins Leere laufen. Also das bitte ich ernsthaft zu bedenken bei dieser Argumentation – damit es keine reine Polemik wird.

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