#failoftheweek: In nur drei Schritten zum perfekten Talkshow-Eklat

Eigentlich wollte ZDF-Moderatorin Marietta Slomka mit ihren Gäste über die wichtigsten Themen des Wahlkampfs diskutieren, doch dann kam es zum Eklat: Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel verließ nach einer Attacke von Andreas Scheuer noch während der Sendung das Studio. Leider gibt es Indizien, dass dieser Eklat kalkuliert war. Das geht besser, findet Christian Schiffer und hat sich auf die Suche gemacht nach historischen best-practice-Beispielen. 

weidel-wahlsendung-zdf

SCHRITT 1: Wann mach ich’s?

Als 1985 Willy Brandt Heiner Geisler in einer Talkshow mit Joseph Goebbels verglich, blieb Kohl sitzen. Als Gerhard Schröder in der Elefantenrunde nach der Wahl 2005 totalen Stuss verzapfte („Wir müssen die Kirch doch mal im Dorf lassen…“), blieben alle sitzen. Und auch die Journalistin Gabriele Krone-Schmalz blieb am Ende doch noch sitzen, als sie sich bei Maischberger mit den anderen Diskutanten über Russland stritt („Machen Sie ihre Sendung alleine!“).

Was lernen wir daraus? Sitzen bleiben hat Würde.

Und wenn nicht, brauchst du schon einen wirklich guten Grund, um eine Talkshow zu verlassen. Als Wolfgang Bosbach vor einigen Wochen nach einem Streit mit Jutta Ditfurth mitten in der Maischberger-Sendung einfach ging, da wusste jeder: Der Mann ist ehrlich erschüttert, schließlich sind Talkshows sein natürlicher Lebensraum. Die Schlangenhalsschildkröte verlässt nicht wegen irgendeiner Petitesse ihre Brutplätze in Papua-Neuguinea, Wolfgang Bosbach verlässt nicht wegen einer Petitesse eine Talkshow und du solltest das auch nicht tun.

 

SCHRITT 2: Wie mach ich’s?

Du kannst deinen Talkshow-Eklat natürlich mit extra-coolen Understatement würzen. Wie der ehemalige Know-How-Moderator Joachim Bublath, nach dem Motto: „Ne, sorry ich will mich mit Nina Hagen nicht über die Entführungen durch Außerirdische, Engel und Satan austauschen, deswegen gehe ich jetzt und wünsche allen Beteiligten noch viel Vergnügen.“ Aber ganz ehrlich: besonders effektvoll ist das nicht. Wer zum Beispiel erinnert sich noch an den kreuzbraven Abgang von Campino 1997 aus der Talkrunde „3 nach 9“? Eben.

Niemals Vergessen: Wir sind hier immer noch beim Fernsehen! Und das braucht Action. Was man gut machen kann: Schütte Deinem Kontrahenten Wasser über das Sakko. Oder noch besser: Pack den Hammer aus.

Screenshot YouTube

Oder am allerbesten: Schnippe Deinen Slip in Richtung einer zukünftigen Bundeskanzlerin.

SCHRITT 3: Die Nachbereitung

Raus aus dem Studio – dann muss geerntet werden! Dein Abgang muss sich tief eingraben in das deutsche Fernsehgedächtnis, die sozialen Netzwerke müssen glühen, die Bild-Schlagzeile hast du am besten schon vorformuliert. Was hilft: Authentizität. Die Leute wollen es spüren, dass du es ernst gemeint hast. Mach dich rar, sei öffentlich beleidigt, tauch ein paar Wochen ab, häng dich vor die Playse oder lies ein gutes Buch, aber vor allem: renn nicht gleich wieder in die nächstbeste Talkshow! Gib Mangel – lass das Publikum spüren, was es an dir hatte! Wenn sich herausstellt, dass du dem Publikum egal bist, dann bleibt dir immer noch ein Ausweg, nämlich: Spiel das Opfer! So wie Eva Hermann, die es schaffte,  bei Kerner aus einer Sendung geworfen zu werden.

Und gib den Medien die Schuld! Dem Moderator! Dem System! Damit liegst du immer richtig: denn wer dich einlädt, der ist selber schuld.

 

 

#failoftheweek: Warum der Wahl-O-Mat nervt

Kurz vor der Bundestagswahl ist er da: Der Wahl-O-Mat. Und mit ihm kommen seine Geschwister, der Steuer-O-Mat, Sozial-O-Mat, Agrar-O-Mat und der Digital-O-Mat. Mindestens. Mittlerweile will uns eine ganze Armada von digitalen Wahlhelfern sagen, wo wir unser Kreuz machen sollen. Das nervt, findet Christian Schiffer.

„Wir wählen CDU!“ – das sang 1972 der Schlager-Moderator Dieter Thomas Heck. Und warum wählen wir alle CDU? Na, weil, nun … äh weil , die SPD hat halt so viele Minister ausgetauscht! Und außerdem, dem Dieter Thomas Heck, dem vertrauen wir, der kennt sie ja so gut, die deutsche Seele. Deswegen: CDU, CDU, was denn sonst CDU!
„Wir wählen CDU“, zackfeddich: Wahlentscheidung. So einfach ist das heute natürlich nicht mehr und zwar nicht nur, wenn man CDU-Wähler ist.

Die moderne Gesellschaft kennt zwar Superfood, Bananentupperdosen und Zehenschuhe, aber klassische Milieus kennt sie nicht mehr. Deswegen ist das komplizierter geworden, mit dem Wählen.

Gut eigentlich, dass es heute nicht nur Dieter-Thomas Heck gibt, sondern auch das Internet und damit eine ganze Armada an digitalen Wahlhelfern, die nur darauf warten, einem die richtige Partei ans Herz zu legen. Neben dem All-Time-Classic Wahl-O-Mat gibt es auch den Wahl-Swiper, das Wahl Navi, den Bundeswahl-Kompass, den Digital-Check und weil das Internet keine Obergrenze kennt, kommen noch eine Reihe von speziellen Wahl-O-Maten dazu, etwa den Steuer-O-Mat, den Sozial-O-Mat, den Agrar-O-Mat und den Digital-O-Mat. Schade eigentlich, dass es noch keinen Wahl-O-Mat-O-Mat gibt, der einem hilft, den richtigen Wahl-O-Maten zu finden

All diese Dienste haben so ihre Probleme und es sind die gleichen, die der Wahl-O-Mat eigentlich schon immer hatte: Die Auswahl der Thesen erscheint willkürlich und Themen, die viele Menschen bewegen, etwa das Verhältnis zu Russland, kommen kaum vor und am Ende wundert man sich darüber, was da so für ein Ergebnis herauskommt. Thomas Gottschalk wird die MLPD empfohlen, knapp gefolgt von der FDP und wer sich auch nur ein wenig sozial gibt, der soll sich gleich mal an die Linkspartei ranschmeißen und klar, wenn man ein bisschen für bio und regional ist, trinkt man auch schon mit Esoterikern und der NPD aus demselben Stiefel. Platz ist bei der Auswertung immer nur für acht Parteien und eine überzeugende Erklärung für diese seltsame Bevormundung bleibt der Betreiber des Wahl-O-Maten, die Bundeszentrale für politische Bildung, schuldig.

 

Die Schwächen des Systems sind bekannt, deswegen gibt es jetzt auch Deinwal.de. Hier bekommt man nicht angezeigt, was die Parteien großmäulig vor der Wahl versprechen, sondern was sie im Bundestag beschlossen, bekämpft oder verhindert haben. Klingt gut, hat aber auch seine Tücken, denn die Arbeit der Abgeordneten besteht aus mehr als nur Abstimmungen und manchmal muss man eben auch schmerzhafte Kompromisse eingehen.

Das ist das Grundproblem dieser ganzen digitaler Wahlhelfer: Politik mutiert hier zur Excel-Tabelle, Inhalte werden in DIN-Formen gepresst und aus der Parteienlandschaft wird eine ordentlich parzellierte, sauber umzäunte Kleingartenanlage. Dieter Thomas Heck gefällt das bestimmt.

 

Warum Glitzer keine Vagina schöner machen muss

Überall Glitzer. Auf Festivals in den Gesichtern, als Glitzertattoos auf dem Körper und – so oft genutzt, dass sogar davor gewarnt werden muss – in Form von Kapseln auch in Körperöffnungen. Muss denn wirklich alles harmlos und pseudospaßig vor sich hin strahlen? Ist das eine Folge der Einhornisierung? Auf jeden Fall ist es: Unsinn. 

Glitzerkapseln, Screenshot von www.prettywomaninc.com

Glitzerkapseln, Screenshot von www.prettywomaninc.com

Glitter ist eine der besten Erfindungen der Menschheit. Das ist soweit meine Überzeugung. Glitter kann sehr vieles schöner machen. Glitzergummistiefel zum Beispiel. Klasse Sache. Es regnet, Gummistiefel halten die Füße trocken – und in bunt auch die Laune auf einem erträglichen Level. Oder Glitzernagellack: Raufgeschmiert – und wann immer ich Langeweile hab, starre ich drauf, belustige mich am Funkeln und denke nach, über Adorno. Oder so. Ist ja egal. Ist hübsch.

Glitzer mich nicht zu

Das sind aber alles Formen, die wir Glitzer-Experten als „festen Glitzer“ bezeichnen. Denn chemische Kenner wissen: Er ist dort. Nirgendwo sonst. Es ist nicht der Glitzer, den sich lebensfrohe Menschen auf Festivals ins Gesicht schmieren oder, noch besser, durch die U-Bahn streuen, weil Party ist da, wo du sie machst.

Dieser lose Glitzer ist nachweislich schlecht. Schlecht für die Umwelt, weil Mikroplastik und schlecht für alle, die ihn nicht mehr loswerden. Nach einer atomaren Apokalypse würde Glitter immer noch auf den Kakerlaken haften. Blöderweise tritt eben genau dieser lose Glitzer einen Siegeszug an. Mit Fanfaren. Denn er ist ja so praktisch überall einsetzbar. Auch in der Vagina. Ganz recht.

#Toeachherown

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Mittlerweile müssen Ärzte warnen, dass es gesundheitlich nicht unbedenklich ist, sich Kapseln in Körperöffnungen zu schieben, damit die Kapsel sich im Unterleib dann auflösen und Glitzer freisetzen kann. Aus optischen Gründen. Soll nämlich gut aussehen, wenn zwischen den Beinen Glitter läuft oder dem Penis eine Glitzer-Glasur verpasst wird. Diese Kapsel kann jeder ganz regulär kaufen, natürlich, im Internet. Dort werden die Vagina-Glitter-Kapseln auch „Passion Dust“ genannt – Leidenschafts-Staub, was so bescheuert klingt, wie es ist, sich das in den Körper zu stopfen und irgendwie auch an den Namen einer sehr billigen Designerdroge erinnert.

Glitzer ist kein Metamorphosen hervorrufendes Allheilmittel

Abgesehen davon, dass ich diese Laken nicht waschen möchte, kann man an dieser Stelle ja mal fragen, welchen Vorteil ein glitzernder Penis nun hat. Egal wo man Glitzer schließlich drauf schmiert: Es wird nichts grundsätzliches an den Dingen ändern. Sie bleiben, wie sie sind – nur halt glitzernd. Wir können das gerne unter Beweis stellen, sobald sich eine Person findet, die Björn Höcke mal so richtig ordentlich mit Glitzer einseift.

Es wird immer noch Björn Höcke sein. Und aus seinem Mund wird verbal noch immer nichts funkeln. Natürlich können gesellschaftlich als unschön geltende Dinge mit Glitzer toll konterkariert werden. Hannah Altman, eine amerikanische Künstlerin, hat junge Frauen bildlich in Szene gesetzt, in Situationen, in denen sonst Körperflüssigkeiten entweichen würden – kotzend überm Klo, Menstruationsblut in weißer Unterhose – und hat die Körperflüssigkeiten jeweils mit Glitzer ersetzt. und so krampfhaft verschönt und dadurch hinterfragt, was wir eklig finden und wieso. Das ist schlau.

Der Glitzer, der uns ständig umgibt, ist es aber nicht. Das mag untergehen, aber der Glitzer, den die Einhornisierung von Produkten begleitet – rosa Einhörner auf Einhorn-Brotaufstrich, auf Einhorn-Fruchtsekt-Flaschen, auf Einhorn-Handy-Schutzhüllen – der übertüncht nur. Eine Schande für die Einhörner, die ursprünglich mal ein Symbol für die Queer Community waren. Und nicht als Überdeckung sondern als Herausheben des Andersseins, des Echten und Wahrhaftigen und des Eigentlichen. Glitzer, der dazu da ist, Dinge schönzufärben, die nicht schön sein müssen oder es schlicht nicht sind, ist komplett unsinnig. Manche Dinge sind nun mal so, wie sie sind. Das gilt für das Leben, Penisse und ja, auch für Björn Höcke.

 

Wie uns Paare auf Instagram in ihren Intimbereich lassen

„Pärchen stinken“ war gestern. Also vorvor-gestern. Es wird nach wie vor geheiratet wie wild und wunderbare Momente für die Ewigkeit produziert, die vielleicht irgendwann in ein Familien-Album kommen – davor kommen sie aber in den meisten Fällen auf das Soziale Netzwerk Instagram. Wo es schon seit längerem eine Spezies gibt, die sich auf das persönliche Glück spezialisiert hat – die Insta-Couples.

Von Verena Fiebiger

Screenshot, Instagram-Account von Jo.naise

Screenshot, Instagram-Account von Jo.naise

Jona weiß es noch ganz genau: „Am 14. April haben wir die 1.000 geknackt nach knapp zwei Monaten und pünktlich zu Ostern haben wir mit einem Bild 400 Follower dazugekriegt und bis Ende Mai hatten wir dann schon die 3.000. Das war ein Bild, da sind wir durch den Park gegangen und hatten auch noch die Ukulele dabei, falls uns was Interessantes einfällt. Wir haben uns auf eine Bank gesetzt und das Bild war glaube ich ein Kuss, im Hintergrund war noch so ein Blütenbusch. Es sah halt gar nicht aus, als würde es regnen. Es war aber eigentlich ein total verregneter Tag.“

Jo.Naise, so heißt der gemeinsame Instagram Account von Jona und Ise – so wie das schon Brangelina gemacht haben – ein Kofferwort aus zwei Vornamen. Seit dem 22. März 2016 sind die beiden Schüler schon ein Paar. Auch dieses Datum hat Jona sofort parat. An ihrem Glück lassen sie jeden teilhaben, der Bock hat – 9.600 Leute haben schon JA gesagt und folgen ihrem Account, auf dem sie regelmäßig mit Jonaise Bildern versorgt werden.

#privateshollywood

Neben Bodyfitness, Fashion, Reise- oder Foodpics steht eben auch Liebe in der Foto-App hoch im Kurs. Zig Pärchen-Accounts verbreiten unter Hashtags wie #couple, #relationship-goals, #boyfriend oder #instalove die frohe Botschaft: Es wird noch geliebt in dieser Welt. Und diese Liebe ist wie alle Bilder auf Instagram hollywoodreif.

Dabei gibt’s wie beim Film verschiedene Genre oder Typen an Liebespaar-Pics:
– Paare, die im Bett essen, gerne Fettiges wie Pizza oder frittierte Hähnchenschenkel, dabei aber irre durchtrainiert aussehen
– Paare, die sich küssen, aber nicht irgendwie: Das Girl hat dabei die Beine um die Hüfte des Boys geschlungen
– Paare vor dem Kamin
– schlafende Paare
– schlafende Paare, die Calvin Klein Unterwäsche tragen
– Paare, die akrobatische Hebefiguren machen

Aus dem Couple-Account von Jo.Naise

Aus dem Couple-Account von Jo.Naise

Auch Jona und Ise haben ihre eigene Paar-Ästhetik – romantisch und verspielt, auf fast allen Bildern küssen sie sich. „Also es ist eigentlich so, dass wir immer versuchen, möglichst Spaß, also irgendwie Freude auszustrahlen und vielleicht auch ein bisschen Leichtigkeit“, sagt Jona. „Und ein bisschen Glück, also das Glück was wir miteinander auch haben, logischerweise und das wenn möglich mit der Natur, weil die ja auch für die Liebe verantwortlich ist, wenn man das jetzt mal ganz kitschig so sagen kann und dass es überall möglich ist, glücklich zu sein.“ Auf die Idee zu Jo.Naise kam eigentlich Jonas jüngere Schwester. Die 13-jährige wollte mit der Spiegelreflexkamera des größeren Bruders professionell fotografieren lernen und schlug vor, einen Couple-Account auf Instagram zu machen.

#couple-goals als Maßstab

Warum sich so viele Leute das „Glück der anderen“ gerne anschauen, das kann sich auch Jona nicht ganz erklären. Viele Follower, erzählt er, sehen in den beiden eine Inspiration und fragen direkt nach Beziehungstipps oder wie man sich beispielsweise bei einem Date verhält. So wie früher die Bravo, geben heute eben Teenies anderen Teenies Liebes-Tipps.

Dr. Catarina Katzer ist Cyberpsychologin und kennt das Phänomen: „Ganz klar ist, dass das was ich im Netz sehe, auch Fotos die ich mir im Netz anschaue, auf Instagram und Co., dass die mich auch emotional und psychisch beeinflussen. Wir kennen das auch unter dem Chamäleon Effekt. Das ist zum einen gut. Happy Fotos, fröhliche Dinge, lustige Dinge können mich also positiv stimmen, es hat aber auch immer etwas mit meiner eigenen aktuellen emotionalen Situation zu tun. Also wenn ich etwa gerade selber Probleme in meiner Beziehung habe oder in einer Trennungsphase stecke und auf einmal auf Instagram nur Fotos von Bekannten oder Freunden finde und sehe, die darstellen wie glücklich sie grade in ihrer Beziehung sind, wie toll sie ihre Liebe leben, wie toll der Sex ist, dann wirkt sich das bei mir genau gegenteilig aus.“

Dr. Catarina Katzer, Cyberpsychologin

Dr. Catarina Katzer, Cyberpsychologin

Neben vermeintlich perfekten Paaren fühlt man sich gerne schnell wie eine verkrachte Existenz – aber auch die Selbstdarstellung als perfektes Paar kann Tücken haben. Das weiß auch Jona: „Man denkt immer so, ja die laden halt ein Bild hoch und schreiben was drunter, aber Bilder machen ist das eine. Du läufst durch die Gegend und du kannst Sachen ausprobieren, du kannst herumexperimentieren – aber das was halt noch alles dazukommt und was man nicht sieht, das ist die Zeit, die Bilder auf den Computer zu kriegen, zu bearbeiten und dann ist das manchmal schon wie Arbeit. Aber es ist auch Arbeit, die auch Spaß macht.“

#beziehung ist Arbeit ist Beziehung

Mit dieser „Arbeit“ bekommen viele Insta-Couples auch Geld. Von der Romantisierung zur Monetarisierung der Liebe? Bei Jona und Ise war das nicht die Intention, auch wenn sie schon Werbeangebote bekommen haben.
Und dann ist da noch die Frage der Intimität – wie wäre es, wenn man seine Follower im Moment des Fotos sehen würde?

„Ich glaube, wenn sie kommen würden, in dem Moment, wo wir uns küssen, dann – natürlich ist es nur ein Kuss. Es ist nix Verwerfliches. Aber es ist das, was auf den Bildern zu sehen ist. Und dann wärs auf jeden Fall erst mal komisch und wenn sie vorher kommen würden, dann wäre ich glaube ich so abgelenkt, dass der Kuss dann gar nicht statt… also ich weiß auch nicht. Es ist auf jeden Fall interessant.“

In der Sozialpsychologie erklärt man sich unsere Offenheit im Netz durch die Trennung von Handlung und Körper, wenn wir uns im virtuellen Raum bewegen. Wir nehmen uns zum Beispiel nur in der Situation am Tisch wahr, wenn wir gerade ein Foto posten und eben nicht auf Instagram umrundet von tausend oder hunderttausend Menschen, die uns anschauen. Das Netz trennt uns scheinbar, obwohl wir uns eigentlich unsichtbare Gäste nach Hause einladen – im Fall von Paarfotos in unseren Intimbereich.
Ob es schlimmer ist, in der Liebe zu scheitern, wenn man sie auf einem Couple-Account öffentlich gemacht hat, lässt sich nicht sagen. Eine Liebe öffentlich leben, kann sie sogar stabilisieren, mein Cyberpsychologin Catarina Katzer. Jona und Ise – zusammen Jo.Naise – wünsche ich auf jeden Fall ein Happy End.