#failoftheweek: Bibi, Caro Daur und das Problem mit dem Influencer Marketing

Das Manager Magazin hat das Instagram-Sternchen Caro Daur interviewt – und die wollte eine Menge Fragen nicht beantworten. Es gibt schlimmeres. Aber der Hype um die Influencer ist trotzdem nicht gesund, findet Christian Schiffer in seinem #failoftheweek. 

Sie ist eine Art Staubsaugervertreterin des Digitalzeitalters und eine der umstrittensten Figuren, die das Internet in Deutschland jemals hervorgebracht hat: Bianca Heinecke, alias Bibi, bekannt aus dem Youtube-Channel „Bibis Beauty Palace“. Fast 4,5 Millionen Abonnenten hat sich die 24-Jähige über die Jahre erarbeitet, vor allem indem sie dort Teenagern Produkte anpreist.

Über 100.000 Euro soll Frau Heinecke auf diese Art verdienen, im Monat wohlgemerkt. Gleichzeitig hält sie den Rekord für das am schlechtesten bewertete Video eines deutschen Youtube-Kanals, denn im Mai hat Bibi ihre erste Sigle herausgebracht. „How It Is“ wurde über 2 Millionen mal mit einem Daumen-Runter gewürdigt.

Trotzdem ist Bianca Heinecke eine der begehrtesten Influencer im Land. Influencer, so nennt man Leute, die viele Anhänger in den sozialen Medien haben. YouTube-Stars wie wie Dagi Bee, Die Lochis, Gronkh, und LeFloid sind Influencer – oder Instagram-Berühmtheiten wie Caro Daur.

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1,1 Millionen Menschen folgen der 22-jährigen BWL-Studentin, deren BFF Lena Meyer-Landruth ist, die selbst übrigens stolze 1,6 Millionen Follower vorweisen kann. Instagram-Influencer Caro Daur macht auf Instagram das, was Instagram-Influencer halt so machen: Abhängen auf Partys, shoppen, Handtaschen in die Kamera halten, shoppen, Party, Pool, shoppen, Essen, shoppen, Oberteil in die Kamera halten, Wellness, Party, shoppen, shoppen, shoppen, Sonnenbrille in die Kamera halten, Party, shoppen, Pool, Essen, Essen fotografieren. So hätte es auch einfach weiter gehen können. Doch leider hat sich Caro Daur diese Woche dazu hinreißen lassen, dem Manager Magazin ein Interview zu geben.

Darin erfährt man, dass Caro Daur letztens einen eigenen Lippenstift kreieren durfte, dass sie oft damit beschäftigt ist, die „Logistik der Musterteile zu koordinieren“, dass sie sich als normales Mädchen sieht, dass Influencer zu sein eine Menge Arbeit mit sich bringt und dass der „Content“ ihre Persönlichkeit ist und – eh klar – Authentizität ganz wichtig ist. Für Aufregung sorgte, dass Caro Daur eine Menge Fragen nicht beantworten wollte und das Manager-Magazin genau diese Fragen veröffentlichte:

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Arbeitest Du auch unentgeltlich?

Wie viele Deiner Posts sind bezahlt?

Was bekommst Du für einen Post?

Influencer unterliegen der Kennzeichnungspflicht ebenso wie Blogger. Hältst Du dich daran?

Was passiert jetzt mit der Abmahnung des Verbands des sozialen Wettbewerbs, die Du erhalten hast, weil Du ein Produkt getaggt, aber das nicht als Werbung deklariert hattest?

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Groß war die Empörung darüber, dass Caro Daur diese Fragen nicht beantworten wollte. Groß war dann aber natürlich auch die Empörung darüber, dass sich Leute darüber empören, dass Caro Daur die Fragen nicht beantworten wollte.

Die Kritik sei wohlfeil: Schleichwerbung sei nichts Neues, anders als Bibi würde Daur ihre Produkte nicht Teenagern andrehen und außerdem tue sie schließlich etwas für die eine Million Euro, die sie mutmaßlich für ihre Influencer-Existenz im Jahr kassiert. Das stimmt vermutlich alles, aber das ist eben die Krux an der Authentizität, die natürlich keine ist: Caro Daurs-Instagram-Feed sieht halt eher aus nach Raffaelo-Party, als nach hartem Malochertum. Das kann einem egal sein, genauso wie einem hohe Manager, Model – oder Fußballergehälter egal sein können, aber es wird immer Menschen geben, die das aufregt – und das wiederum kann einem auch egal sein.

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Der Streit hat allerdings auch etwas Gutes: Es wird endlich über das Influencertum an sich diskutiert und über die Frage, ob dieser ganze Hype um die Influencer wirklich so gesund ist. Schon länger tummeln sich zwielichtige Firmen in dem Business, die Likes und Follower verkaufen und natürlich ist die Schleichwerbung bei YouTube und Instagram ein Problem, das auch nicht deswegen kleiner wird, weil es Schleichwerbung schon immer gab. Gerade erst hat Instagram neue Regeln für Influencer angekündigt:

Werbende Beiträge müssen in Zukunft klar gekennzeichnet sein. Ein überfälliger Schritt, denn so wird Werbung auf Instagram ehrlicher oder, um im Influencer-Sprech zu bleiben: Authentischer.

 

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