Wie ein Affenselfie den Zeitgeist gerade ziemlich gut beschreibt

Eines steht fest: Wir leben in affigen Zeiten! Während die Welt sich auf die Übernahme der künstlichen Intelligenz vorbereitet, werden mancherorts Affen zu Menschen. Vor Gericht zum Beispiel – oder im Kino. Von Aron Morhoff

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Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was ist der Mensch? Was soll ich hoffen?
Stellen sich Tiere eigentlich philosophische Fragen, wie einst Meister Kant? Aber beginnen wir von vorn:

Aktuell bereitet eine neue Form von Milzbrand Forschern starke Kopfschmerzen.
In einem Nationalpark an der Elfenbeinküste sind von der Infektion ca. 400 Schimpansen akut bedroht. Im schlimmsten Fall könnten die gesamten Menschenaffen Zentralafrikas dem Bakterium zum Opfer fallen. Ob sich die Menschenaffen ihrer lebensbedrohlichen Situation bewusst sind, dass muss jedoch bezweifelt werden.

„Halt – stopp!“ würde die Tierschutzorganisation PETA an dieser Stelle wohl empört einwerfen: Für sie handeln Menschenaffen klar vorausplanend und reflektiert.
Wenn es nach ihnen ginge, hätten Menschenaffen die gleichen Rechte wie wir Menschen.

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Supi, würde dem wohl jeder Tierfreund und Vegetarier zustimmend beipflichten – der Teufel steckt jedoch im Detail: Setzt ein derartiges Verständnis von Affenrechten nicht eine Kette von Problemen in Gang? Haben Tiere also eine Persönlichkeit? Anrecht auf Mindestlohn? Eine Adresse?

Wer das zurecht als zynische Übertreibung der guten Absichten der Tierschützer sieht, irrt: Tatsächlich klagt die Organisation in San Francisco gerade gerichtlich gegen den Fotografen David Slater. Er hatte einem indonesischen Schopfmakaken im Jahr 2011 eine Kamera in die Hand gedrückt: Der technikaffige- Verzeihung, technikaffine Freund drückte just den Auslöser – ein Affenselfie ging um die Welt.

Affenselfie von David Slater

Affenselfie von David Slater

Wem gehören die Rechte an diesem Bild?

Nun behauptet PETA, der Affe selbst ist der Urheber des Fotos, nicht Slater. Der wiederum gibt an, er habe die Bedingungen für das Selfie erst geschaffen: Er hätte zunächst über Tage Vertrauen zu dem Makaken Naruto aufgebaut, dann mit Futter angelockt und so sei schließlich der goldene Schuss zustande gekommen.

Alles Streitereien mit denen sich Matt Reeves momentan wohl weniger rumschlägt: Für den Regisseur des neuesten „Planet of the Apes“-Sequels ist sowohl die Urheberschaft, als auch die Beteiligung am finanziellen Erlös garantiert.
Für die Affengang um Anführer Caesar (wie immer durch Motion-Capture in Szene setzend: Andy Serkis) geht es dieses Mal endgültig um die Schlacht gegen die blutrünstigen Menschen (u. a. Woody Harrelson).

Zumindest in dieser Science-Affiction-Welt sind uns die Affen bereits intellektuell überlegen: Mehr Herz und Weitsicht, weniger Ego und Selfie.

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