20 Jahre Pipi-Kaka: Wie South Park mit Fäkalhumor die Welt eroberte

Vor zwanzig Jahren wurde TV-Geschichte geschrieben, da lief im amerikanischen Fernsehen die erste Folge der Zeichentrickserie South Park. Was macht South Park all die Jahre so besonders? Eine Serie, die heute zuverlässiger Lieferant ist für zahlreiche Internetphänomene? Christian Schiffer – der alle bisherigen 277 Folgen gesehen hat – versucht es zu erklären.

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„Cartman und die Analsonde“ so heißt die erste Folge der Serie South Park, die vor fast genau zwanzig Jahren auf dem US-Kanal Comedy Central ausgestrahlt wurde. Und vermutlich lässt sich schon an dem Titel ablesen, warum die Serie damals einschlug wie eine Bombe. South Park war respektlos, anders und ja, vor allem auch – nunja – verstopft mit Fäkalhumor. Bis heute ist das so und das spiegelt sich unter anderem auch in den Nebenrollen wider, zu denen nicht nur ein bekifftes Handtuch gehört, sondern auch ein sprechendes Stück Kot und eine Rennmaus, die im Darm des Liebhabers des Klassenlehrers allerlei spannende Abenteuer erlebt. Da überrascht es nicht, dass in South Park zur US-Präsidentschaftswahl ein Riesenklistier antritt – gegen ein *seufz* – Kack-Sandwich.

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An dieser Stelle könnte dieser Artikel zum zwanzigjährigen Jubiläum der Serie South Park eigentlich auch schon vorbei sein. South Park, so wäre das Fazit, ist die Serie, die sich in die Popkultur deswegen eingebrannt hat, weil sie Pipi- und Kacka-Witze im Fernsehen hoffähig gemacht hat, so dass aus diesem Anlass sogar bei Bayern 2 Fäkalvokabular benutzt wird. Na, schönen Dank auch.

Und das wäre nicht einmal völlig falsch, aber eben auch nicht ganz richtig. Denn South Park ist auch bissige Gesellschaftssatire, Sittengemälde, eine Dekonstruktion des rassistischen und homophoben US-Hinterlandes und laxer Waffengesetze.

Die beiden Serien-Schöpfer Trey Parker und Matt Stone sind kluge und aufmerksame Beobachter ihrer Zeit und ins Visier nehmen sie nicht nur die politische Rechte, sie üben auch beißende Kritik an den autoritären Auswüchsen der political correctnes. In der Staffel 19 etwa in Form des neuen Direktors: „PC Principal“ ist ein großmäuliger, sonnenbrillentragender, muskelbepackter, breitbeinig-dastehender, ziegenbärtiger Einpeitscher für die politisch korrekte Sache.

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Gerade das Eindreschen auf olitical correctness hat den Machern einiges an Kritik eingebracht. Der Serie wird mittlerweile sogar vorgeworfen, eine Generation von Trollen herangezüchtet zu haben. Aber Trey Parker und Matt Stone bilden vermutlich eher den Wahnsinn ab, anstatt ihn selbst zu produzieren. South Park blickt aus ur-liberaler Perspektive auf Diskurse und Entwicklungen innerhalb unserer Gesellschaft, überdreht diese ins Absurde, reichert das ganze mit unzähligen Popkultur-Referenzen an und zeigt so, wie bekloppt manchmal doch alles ist.

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Und so ist auch das Duell zwischen dem Kack-Sandwich und Riesenklistier am Ende natürlich eine South Park-typische Zuspitzung der Tatsache, dass viele Menschen sich im letzten Jahr weder für Donald Trump, noch für Hillary Clinton begeistern wollten. In der Serie gewinnt am Ende gewinnt übrigens das Riesenklistier – und das, obwohl das Kacksandwich die weit bessere Wahl gewesen wäre und das Riesenklistier alles tut, um zu verlieren, die Kandidatur sollte doch eigentlich nur ein Scherz sein. Tja, Pech gehabt.

Von Donald Trump sind die Serien-Macher mittlerweile nur noch genervt, so dass er in der nächsten Staffel, die in den USA in zwei Wochen beginnt, komplett ignoriert werden soll. South Park schafft es eben immer wieder seine Zuseher zu überraschen – und das hoffentlich mindestens noch weitere zwanzig Jahre lang.

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